Ein Stahlseil Akt

Tag 13 – Freitag

Unglaublich. Wir sind nun schon 13 Tage on Tour, 12 davon gewandert. Die Zeit verrennt. Durch unser tägliches Mammutprogramm geht alles auch gefühlt noch schneller.

Das Frühstück heut Morgen war tatsächlich etwas enttäuschend, da es hier in Italien einerseits gern in kleinen Portionen verpackt wird, sodass der Müll, der entsteht, riesig ist. Darüber hinaus gab es keine Alternative zu Brot mit Marmelade und Honig.

Egal. Ausgiebig gegessen, in der Sonne gedehnt, ging es dann nun los. Matthieu und Paul gingen gemeinsam mit uns los.

Weit kamen wir nicht, da wurden die ersten Selfies gemacht und die Umgebung fotografiert. Es war aber auch besonders schön, der tolle Ausblick, der sich ja auch stetig änderte und andere Blicke zuließ, dass tolle Wetter, die gute Stimmung.

Erstes Zwischenziel: Jimmis Hütte am Grödner Joch. Wir waren mitten in der Touri-Hochburg in den Dolomiten angekommen. Wir sind überrascht, wer sich alles die Berge hochschleppt, mit Hund und Kindern und Höhenangst. Kaffee und Telefon-Empfang waren bei Jimmi so gut, dass ich sogar nebenbei unseren Buschis bei der Dressur zusehen konnte. Die Jungs haben derweil über Politik philosophiert. Da musst ich mich lieber ausklinken.

Danach standen aber nun noch zwei Anstiege auf unserer To Do Liste, inklusive Klettersteigen: Erstmal ca 460 Höhenmeter und dann nochmal ca 380 Höhenmeter, auf einer Strecke von ca. 4 km ist einfach in Teilen verdammt steil.

Wir kamen aber erstaunlich gut durch, einzig die ganzen Tagestouristen, die wieder abgestiegen sind, haben Zeit und Nerven gekostet. Die Punkte, an denen man sich begegnen kann, sind selten, die Möglichkeiten einen Steinschlag auszulösen sind überall und da gilt es, etwas Rücksicht zu nehmen. Das verstehen nur leider viel zu Wenige.

Das Klettern hat uns beiden ebenfalls wieder Spaß gemacht und ich hab heut sogar morgens mitgedacht und direkt meine neon-orangen Handschuhe griffbereit gehabt, sodass ich das Stahlseil besser packen konnte. Klettern ist schon besonders spannend.

Zwischen den beiden Anstiegen lag ein herrlich klarer, arschkalter Bergsee, wo wir eine gemeinsame Mittagspause machten und die beiden verrückten Mitreisenden sogar reingesprungen sind. Dabei ist das Wasser soooooo kalt.

Endlich oben angekommen, waren wir nun auch auf dem höchsten Punkt der gesamten Alpen-Tour, auf 2962 m. Die einzige Chance, das noch zu toppen, ist auf den Piz Boe zu kraxeln, mit 3152m. Das ist aber nix, dass mich lockt. Wir wollen die Reise packen und so viele Etappen schaffen, wie Zeit, Knie und Füsse mitmachen.

2962 m

Ich hab ganz vergessen, dass natürlich alles und jeder Schritt heut fotografisch festgehalten wurde, von den drei Jungs. Die haben mich wirklich irgendwann wahnsinnig gemacht mit ihrer Knipserei. Alles hat länger gedauert, ständig schrie jemand: CHEESE! KUCKUCK! SELFIE!

Ich hatte wirklich drei Iphone-Fotografen der Extra-Klasse mit an Bord und kriegte irgendwann die Krise. Das waren mir heut zu viele Männer, zu viel Gegrinse, zu viel Gequatsche, zu viel Geknipse, einfach nen Tick zu viel. Mit Alex allein kann ich mich ja entspannen, aber die beiden Strahlemänner brachten mich an nervliche Grenzen.

Kommentar von Alex auf meine schriftliche Verfassung: „Kannst doch schneller laufen, dann kommst Du aus dem Trubel raus und dem Rest ist nicht langweilig.“ Nett. Sehr nett🙈

Zum späten Nachmittag, kurz vor Ankunft wurde das Wetter leider schlechter. Also wurde zackizack hoch und runtergeeilt und in die Hütte verschanzt. Sie liegt auf 2873 m und hat einen komplett neuen Anbau. Alles ist riesig.

Für uns gabs eine heiße Dusche, ein Zweier-Zimmer, gemeinsames Abendessen mit unserer Reisegruppe und danach noch Karten-Zockerei: Schwimmen. Klar, dass Alex eine Runde auch gewinnen konnte😉

Es ist schon beeindruckend, wie alle müde sind, gegen 21 Uhr und alle richtung Bett strömen.

Also schlafen und morgen gehts weiter. Ab morgen gilt: aus 3 macht 2. Wir fassen also drei Etappen zusammen zu Zwei. Mal sehen, wie das läuft.

Wir schicken liebe Grüsse aus den Dolomiten.

Alex und Lotte

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