Alex’ Resumee von Tag 3:
Man muss solch eine Reise mit viel Motivation und Begeisterung buchen.
Hätten wir nämlich gewusst, was heut auf uns zukommt, hätten wir und das gespart😉
Aber zunächst zurück zu Tag 1. Die Tour von Hinteriss hoch zum Karwendelhaus lief eigentlich gut. Das Wetter war durchwachsen, zum Ende wurde es aber doch ganz schön nass und neblig. Selbst die schöne Alm-Wiese mit den ganzen Kühen konnten wir nur unscharf sehen, geschweige denn das Bergpanorama um uns herum. Der Regen der letzten Tage hatte seine Spuren hinterlassen. Es entstanden Bäche, wo vorher keine waren und die kleinen Bäche wurden zu reißenden Flüssen. Ich war überrascht, wie fröhlich ich trotz aller Widrigkeiten blieb, Alex ja sowieso. Ich hab zwar immer mal wieder länger gebraucht, blieb aber die ganze Zeit gut gelaunt. Es gab schon die erste Frage nach den Prioritäten des Alltags. Geklärt wurde es noch nicht. Wir bleiben dran.



Abends angekommen, im absoluten Regen, erfuhren wir, dass wir nicht über die Birkkarspitze laufen können, weil wegen des Regens der Boden zu unterschwemmt war. Bei der Umplanung lernten wir Richard und Moritz kennen, zwei Jungs aus Aachen, 25, Hockeyspieler, Studium in Mathe und Maschinenbau gerade abgeschlossen, die nun mit uns laufen wollten, auf dem Alternativweg. Also Planänderung: über Scharnitz, lässige 38 km standen uns bevor. Wir als gefühlte Rentner und die beiden Jungbrunnen. Das kann ja heiter werden. Abends gabs noch ein paar Yogaübungen und dann in die Heia, Matratzenlager. Kann man machen, wird uns noch ein paar mal wieder widerfahren.
Tag 2: Top fit, fröhlich. Traumhaftes Wetter. Morgens wurde auf der Terrasse noch der Körper gedehnt und dann gings los. 38 km. Mir wurde ziemlich schnell klar, dass ich keinen Bock auf die lange Tour habe. Ich war also ziemlich persistierend, ein Stück Taxi fahren zu wollen. Jeder weiß… wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe… Ergebnis: Die Jungs gaben irgendwann kleinbei, ich organisierte ein Taxi. Eine Erkenntnis des Tages war, dass sich die Jungs mal ums Ego kümmern müssen, aufs große Ziel, nicht auf die kleinen Schritte achten sollten. Wir ließen uns also 8-9 km abnehmen. Am Ende waren wir immer noch 28 km unterwegs. Die Einsicht der Herren kam immerhin später, auf dem Hallerangerhaus. War doch nicht so schlecht, ein paar Kilometer weniger gelaufen zu sein. Heiße Dusche, Dehnungsübungen, Sieg im Mikado und 2. im Mensch ärgere dich nicht später, gings ins Bett. Resumee des Tages war, dass wir mit Mitte/Ende 30 eher zu den Rentnern gehören und das genannte Thema mit dem Ego… zum Glück hab ich damit ja garkein Problem😂



Tag 3: Es waren doch alle ziemlich müde, auch am nächsten Morgen. Alles war etwas steif, bei Jedem tat irgendwas weh. Also wurde gefrühstückt, gepackt, wieder gedehnt und dann losgelaufen. Heut nur lässige 17,7 km, 960 m hoch und 1540 m hinunter, dazwischen Bus und Gondel. Das erste Stück sind wir noch zu viert gelaufen, doch dann haben sich unsere Wege getrennt. Also waren wir wieder zu zweit. Wir haben das Gruppengefühl zu viert sehr genossen, die Zeit war fröhlich mit den beiden Jungspunden, die Zeit zu zweit war aber auch herrlich. Der Lauf hinunter war ganz schön anstrengend, weil auch dort noch der Schotter durch den Regen unterspült war. Der Weg hinauf allerdings war allein in den letzten Stunden grauenhaft anstrengend. 600 Höhenmeter auf 3 km ist halt einfach steil. Zusätzlich ging es nur noch über Geröll und Stein. Irgendwann stellst Du auch Deinen Kopf aus – Denken kostet zu viel Kraft, das Laufen braucht alles an Aufmerksamkeit. Erkenntnis des Tages also: Jakobsweg ist doch langweilig – da hat man zu viel Zeit, um über sich nachzudenken. Das geht hier gar nicht.


Abends absolut platti. Ich war einfach totmüde und steif, Alex hat Schwierigkeiten mit seinem Innenband am Knie. Toitoitoi, aber mein Rücken spielt super mit, auch alle anderen Wehwehchen sind nicht erkennbar. Dank Franzi, meiner Personaltrainerin, bin ich sogar bei Unebenheiten beruhigt, weil sie viel für meine Schrittsicherheit getan hat.
Tag 4: Heut wurd es spannend, zum Einen wegen unserer bevorstehenden Tour und zum anderen machten die Ösis aufm Militärgebiet irgendwelche Schießübungen und die Hütte liegt mittendrin. Entsprechend wussten wir nicht, ob wir durchs Sperrgebiet durchkommen und die Hütte erreichen. Wir blieben also optimistisch, dehnten in der Sonne auf der Terrasse die alten Knochen, füllten alle Flaschen auf, die wir hatten und liefen los. Wird schon irgendwie klappen. Wofür die Ösis das bloß brauchen…? naja. Anderes Thema.
Kurz nach der Glungezer Hütte wurde uns schnell klar, warum die Strecke heut eine reine Gehzeit von 8:30 Stunden haben soll. Es ging entlang der Bergkette auf dem Grat oben entlang. Es wurde also gekraxelt was das Zeug hielt, teilweise mit Stahlseilen an den Felsen, links und rechts von uns reinster Abgrund. Auch mein Knie schlug nun an – Patellasehne… also auch noch Kinesio Tapen als Nebenaufgabe. Wir haben für einen Kilometer etwa 45 min gebraucht – Rucksack nicht zu vergessen. Das war schon eine heiße Nummer. 750 m hoch, 1330 m herunter. Insgesamt standen wir heut an 5 Gipfelkreuzen mit mehr als 2700 m. Irre. Nach insgesamt 10 Stunden kamen wir völlig erschlagen an der Hütte an. Die Schießübung war fertig, die ganzen Patronenhülsen lagen noch auf dem Boden. Zackzack Abendbrot, heiße Dusche von 3 Minuten und dann ab in die Heia.




Fazit der ersten Tage:
Großartig, dass es so wenig Telefon-Empfang gibt. So ists gleich auch digital detox.
Wir kommen ziemlich gut durch, treffen überall nette Leute, finden Wandergruppen für die einzelnen Tage und sind erstaunlich gut gelaunt, vor allem ich bin gut drauf😉
Heiße Duschen sind ein neues Luxusobjekt, vor allem, wenn man länger als 3 min duschen darf.
Kein Urlaub der Welt bringt den Kopf so schnell auf Ruhe und Entspannung wie diese Reise.
Es gibt mehr Tiere und Insekten als gedacht… Schmetterlinge, Bienen, Murmeltiere, auch den Kot von Steinböcken haben wir gesehen…
Die Tour und auch der Bericht-äußerst informativ – sind sehr beeindruckend und die Bilder zeigen wunderbare Landschaften und gottsei Dank keine Strapazen. Der Drahtseilakt erscheint mir etwas gefährlich. Ich kenne ja die Dolomiten, aber eure Wege sind mir zum Teil unbekannt. Neben dem Jimmys gibt’s auch den Toni, wo es immense 🥩 gibt. Die Stimmung und die Motivation erscheinen mir bei euch bestens, ich werde wieder in die Dolomiten fahren und wünsche euch einen perfekten Abschluss. Bis bald hr
LikeLike