Corona nervt

Ich muss meinen Gefühlen heut mal Raum machen.

Corona nervt.

Ich weiß, dass ist im 3. Jahr mit der Pandemie wirklich nichts neues. Ich hab das ja auch schon das eine oder andere Mal gesagt und vor allem auch schon wirklich emotionale Tiefs erlebt. Diese Pandemie war ja auch von Höhen und Tiefs geprägt – in vielen Ebenen:

Frühjahr 2020: „Ach – das ist im Sommer alles wieder vorbei. Der Zusammenhalt trägt uns hier durch, wir unterstützen, werden kreativ, unternehmerisch und dann ist bald alles wieder vorbei.“

Leben im 1. Lockdown

Herbst 2020: „Noch durch diesen Winter, bald wird geimpft und dann ist alles vorbei.“

Sommer 2021: Geimpft. So eine Art von Normalität ist wieder vorhanden. Urlaub war wieder möglich. „Jetzt kann uns nichts mehr passieren.“

Herbst 2021: „Kann doch nicht wahr sein! Doch nicht schon wieder dieser Sch***! Geht Euch endlich impfen!“

Jetzt ist Januar 2022, die Inzidenzzahlen sind so hoch wie nie zuvor. Das ist doch kacke. Das nervt. Corona nervt.

Es fängt bei den Kleinigkeiten an: Ich schwitze morgens immer unter der Maske, wenn ich zum Zug laufe. Was überraschend ist, dass ich selbst nach 2 Jahren immer wieder die Maske vergesse. Meine Ohren tun auf Dauer weh. Ohrringe, Kopfhörer und Maske ist eine Ebene zu viel. Das ständige Waschen und Desinfizieren führt zu völlig eingerissenen Nägeln und Händen. Wenn mir in einer Bahn der Fauxpax unterlaufen sollte, dass ich niesen oder husten sollte, setzen sich die anderen Passagiere direkt weg. Wann habe ich das letzte Mal ein Lächeln gesehen? Ich meine das Lächeln mit Mund und Zähnen, nicht nur die Lachfalten an den Augen. Wozu noch Lippenstift nutzen? Verschmiert doch eh nur die Maske und niemand sieht es – ja nicht mal ich.

Etwas bedeutsamer wird es, wenn ich feststelle, dass die Hälfte meiner Kollegen gar nicht ins Büro kommen und auch sonst ein soziales Leben tierisch eingeschränkt ist. Niemand feiert einen Geburtstag. Ich kann mich nicht mal mehr an meinen Geburtstag aus dem letzten Jahr erinnern. Wer plant heut schon gern im Voraus, die Hälfte wurde ja eh abgesagt. Ich hab am Wochenende meine Sorgen überwunden und das erste Mal 4 Monate im Voraus gebucht. Es muss jetzt einfach klappen.

Sport mit Maske ist auch wirklich kein Fest. Ich bin seit mittlerweile einem Jahr in der Hessingpark Clinic zum Trainieren von Rücken und Knie und hatte dort noch nicht ein einziges Mal die Maske ab.

Training in der Hessing Park Clinic

Schon klar: Ich sollte lieber mal die Kirche im Dorf lassen, weil mein Job in der Immobranche nicht betroffen ist, ich arbeiten kann, geimpft bin und hin und wieder Freunde treffen kann. Im Verhältnis zu anderen Schicksalen, die durch diese Pandemie noch viel mehr gestresst sind, ist mein Leiden nur ein klägliches leises Gejammer.

Trotzdem braucht auch dieses Gejammer hin und wieder einen Raum, um dann wieder abzuklingen.

„In die Hände spucken…“ – ach nee – lieber nicht.

Okay, dann „wieder aufstehen, den Dreck abschütteln, Krönchen wieder richten, Hände waschen und los.“

Haltet also durch. Steht am Fenster und klatscht, ob für Euch oder für Andere. Seid sicher – Ihr seid nicht allein. Jeder darf mal jammern und die, die es viel härter getroffen hat, haben meinen Respekt, dass sie sich jeden Tag aufs Neue aufraffen und kämpfen.

Und:

Geht Euch endlich impfen und boostern und an die Herren unter Euch:

Wir Frauen können wirklich auf den Größenvergleich „des Johannes“ anhand Eurer Nasen verzichten. Wir achten eh auf andere Dinge. Also setzt bitte endlich Eure Masken über Mund UND Nase!

Motivierte Grüsse,

Eure Lotte