Die Zukunft wird vielfältig – aber wie genau??

Ich bin wieder zurück, die erste Woche ist durch – Vorhaben und Ziele sollten jetzt angepackt werden! Und?? Joooaaaa…

Ich bin Alltag angekommen, mit Familythemen, Geburtstagsfeiern, Zugfahrten, Büroarbeit, Wohnungsbesichtigungen und das in nur 4 Tagen. Die Müdigkeit am Ende der Arbeitswoche hat mich also wieder. Erholung?! Wo warst Du noch gleich? So kann ich es tatsächlich nicht ganz sagen. Im Kopf bin ich schon noch erholt. Der Computer „Kopf“ wurde einmal heruntergefahren, durfte kurz abkühlen und ist wieder hochgefahren. Ein Überhitzen ist noch nicht in Sicht. Dafür braucht es noch mehr. Eine körperliche Erholung gab es in diesem Falle ja tatsächlich nicht soo richtig. Dafür ist das Pfingstwochenende eine herrliche Erholung. Drei Tage Wochenende ist ja fast wie Urlaub.

Rückblickend kann ich sagen – ich werde diese Reise wieder machen. Gerade mein Nicht-Eifer auf dem Weg hat mir geholfen, von meinem Ehrgeiz und Druck wegzukommen und mal ein paar Tage anders zu leben. Das ist wirklich eine bestrebenswerte Art zu pilgern, die ich mir beibehalten möchte, fürs nächste Mal. Ansonsten habe ich mir ja vorgenommen, etwas anders zu machen – kleine Vorhaben im Alltag zu integrieren. Ich muss leider zugeben: Ich konnt mich immer noch nicht entscheiden, welche Themen ich wirklich als Erstes angehen möchte. Ich denke fast täglich drüber nach – welche Vorhaben ich aufnehmen könnte, aber eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Ich werde Euch bei diesem schwierigen Findungsprozess auf dem Laufenden halten. 😉

Doch nun aber zu der Zukunft meines schönen Blogs. Ich hatte zwischendurch wirklich beeindruckend viele Leser hier. Ich hoffe, es hat Euch gefallen und ich kann Euch mit meiner kommenden Idee begeistern, weiter dabei zu bleiben. Ich werde schreiben. Vermutlich erstmal nicht über Architektur und vermutlich auch nicht über Mode. Ich habe vor, in einer Art Kolumnenformat ein bis zweimal die Woche über alltägliche Themen zu schreiben, mal witzig, mal tiefgründig, mal herzzerreißend, mal verrückt. Mal sehen, wo mich diese Reise, dieser Weg mich hinführt. Probieren sollte ich es aber. Ich würde mich freuen, wenn Ihr mit von der Partie seid und mir folgt. Schreibt gern Kommentare, liked, teilt. Ich freu mich, wenn ich anderen einen Gedanken oder gar ein Lachen mit auf den Weg geben kann. Bleibt also dran.

Eure Lotte

Seelenquickies von Veit Lindau

Lächle mehr. Sag häufiger DANKE. Ich weiß, das klingt banal, doch es wirkt. Nichts ist selbstverständlich.

Persönliches Fazit

Heut ist Reisetag, abends bin ich wieder zurück in München, ab morgen wieder zu erreichen und im Alltag versunken. Mal sehen, wie lang die Erholung reicht.

Ich hatte ja angekündigt, heut über meinen ganz persönlichen Rückblick, bzw. über die Veränderungen zu schreiben.

Fangen wir mal mit den äußeren Veränderungen an:

  • Ich bin brauner geworden, auch meine Beine haben endlich etwas Farbe bekommen.
  • Meine Krauselocken haben sich eine gute Zeit gemacht und sind kaum zu bändigen – bis Haarkur und Glätteeisen wieder zuschlagen😂
  • Ich hab einen mega Knackarsch antrainiert, in wenigen Tagen, aber das hatten wir ja schon…😂
  • Meine Füsse freuen sich wieder auf mehr Pflege und Ruhe.

Nun zu Veränderungen in mir:

  • Ich kann die Sportklamotten für eine Weile nicht mehr sehen. Zum Glück bin ich nicht im Badeanzug gelaufen… sonst gäbe es jetzt keinen Sport mehr. Dafür habe ich heut meine Reisekasse endgültig versenkt und mir kurzerhand ein neues Outfit bei Zara gekauft und fühl mich direkt wieder wie ein normaler Mensch. Für jemanden, der zu viel auf das äußere Erscheinungsbild achtet und sich mal wieder erden will, ist der Jakobsweg das beste Heilmittel – ich wüsste da den Ein oder Anderen, dem ich diese Kur am liebsten sogar aufzwingen würde…

  • Der Rücken wird ein wenig Training und Aufmerksamkeit einfordern, um das Zwicken wieder wegzukriegen.
  • Ich habe mir vorgenommen, nach und nach an meinen aufgelisteten Vorhaben zu arbeiten. Ich hab mich aber immer noch nicht entscheiden können, womit ich beginne. Das viele Englisch sprechen hat mich wieder ganz gut eingrooven lassen und nebenbei viel Spass gemacht… vielleicht erstmal Spanisch und Sport?! Mal sehen.
  • Ich kann den Gedanken nicht fallen lassen, mich politisch zu engagieren. Es ist eine innere Stimme, eine Intuition, die mich dazu treibt. Diese innere Stimme hat mir bereits einige Male den richtigen Weg gewiesen. Immerhin war meine Wahl des Architekturstudiums nicht viel mehr als eine innere Stimme, eine Intuition und am Ende das beste Studium für mich. Genauso war auch meine Idee, Björn anzurufen und ihn zu bitten, meinen zukünftigen Lieblings-Chef kennenlernen zu können, um die Projektentwicklung für mich zu entdecken auch nicht mehr als eine Intuition. Also… vielleicht werd ich das Thema mal angehen. Es ist nicht meine erste Priorität, aber auf jeden Fall anzugreifen.
  • Ich hab festgestellt, dass ich meine grösste Stärke gerade etwas verloren habe. Ich hatte für mich einen Plan, eine klare Position und stand unerschütterlich im Sturm auf beiden Beinen. Mich brachte nichts zum Wackeln. Ich konnte mich dadurch um mein Umfeld kümmern und anderen helfen, sich festzuhalten und Stabilität wiederzufinden. Ich brauchte keinen Rat, ich gab den Rat. Ich wusste, was ich verbessern will, wo ich hin will, wo meine Grenzen sind, was ich kann und was nicht. Das alles ist ins Wanken gekommen und mein Ziel ist es, diese Sicherheit und Stabilität wiederzufinden. Wie?! – Keine Ahnung. Ich hab immerhin schonmal das Problem erkannt und jetzt wird es angegangen.

Nun noch ein Letztes:

Bruderherz, alles Liebe zum Geburtstag. Wie alt?? 16?? 24?? Viel älter kannst Du ja nicht geworden sein😉 Ich wünsche Dir jedenfalls auch auf diesem Wege ein tolles neues Lebensjahr mit Ruhe, Gelassenheit und Stabilität. Überraschungen und Action hast Du genug, da brauchst Du nicht mehr von!

Jetzt noch der Abrisskalender-Spruch und dann bin ich raus!

Eure Lotte

Ich kenne dich nicht persönlich. Ich weiß nichts von deinem inneren Meisterwerk. Doch eins weiß ich ganz sicher aus dem Kontakt mit mittlerweile über 20.000 Menschen. ES IST DA. Etwas ist in dir, das du leben musst, damit deine Augen am Abend zufrieden leuchtend in den Spiegel schauen.

Zeit für einen ersten Rückblick

Sonntag war freier Wandertag und gleichzeitig letzter Reisetag, den ich mir mit einer fetten Massage hab versüssen lassen. Aber Obacht bei kleinen Frauen – die können Schmerzen verursachen. An ein Einnicken war nicht zu denken.

Danach bin ich entspannt durch Santander gelaufen, hab noch ein bisschen die Stadt aufgesogen, um dann im Bus Richtung Bilbao aufzubrechen. Eine Woche Laufen vs. 90 Minuten Busfahrt. Ich bin noch unsicher, ob ich stolz oder frustriert über diesen Vergleich sein soll.

Heute Mittag geht mein Flieger, über Düsseldorf heim nach München und Dienstag früh schlägt dann der Alltag wieder richtig zu.

Es ist also Zeit für einen ersten Rückblick. Ich splitte aber, um nicht alles zu verraten und um meine lieben Leser nicht komplett zu erschlagen mit meinen tiefgründigen Geschichten😉

Wird es ein nächstes Mal geben?

Ja! Ganz sicher!

Es war wieder einmal eine tolle Reise durch Spanien. Das Pilgern, also das Weiterreisen, ist eine unheimlich spannende Art zu reisen und macht mir irrsinnig viel Spass. Der Camino, egal ob Norte oder Frances bieten den passenden Rahmen und die entsprechende Infrastruktur. Ich kann mich hier fallen lassen, muss nichts vorher organisieren und kann einfach dort enden, wo ich will, laufen soweit meine Füsse mich tragen.

Das Laufen ist dabei alles. Es entschleunigt, zwangsläufig, man hat mehr Zeit, um sich auf sich selbst, die Wehwehchen, die Kraft und die Gedanken zu konzentrieren, kann die Umgebung ganz anders geniessen und aufnehmen.

Es ist eine wunderbare Art, um abzuschalten, die Ruhe und das Alleine sein zu geniessen. Ich bin ja wirklich gern von Menschen umgeben, aber diese Zeit, so völlig allein, ist auch so erholsam und tut unheimlich gut. Man kann auf diesen Wegen andere Pilger treffen und mit ihnen quatschen oder auch für sich sein. Die zwischenmenschlichen Erfahrungen sind das, was mir tatsächlich am meisten Freude bereitet. Es ist unheimlich nett, mit fremden Menschen zu quatschen, die gemeinsame Aufgabe zu meistern. Es gibt mir ein Teamgefühl, dass unbeschreiblich schön ist.

Ich vermute, dass eine wirkliche Veränderung in Einstellung oder Charakter oder Geist nur über den ganzen Weg erfolgen wird. Eine kleine Etappe zu laufen, hilft, um Gedanken zu ordnen, sich auf wesentliche Dinge zu konzentrieren, statt wie Zuhause, im Trubel und Dunst des Alltags den Blick nicht klar zu kriegen.

Ich kann also jedem, der gut zu Fuss ist, empfehlen, diese Art des Reisens mal zu probieren. Es müssen ja nicht 6 Wochen sein und es geht auch überall anders als in Spanien.

Wer hätte gedacht, dass ich nochmal Werbung für Wandern und Pilgern mache.

Heut werde ich mir mal überlegen, ob und wenn ja, was dieser Trip mit mir gemacht hat und wohin es beim nächsten Mal geht.

Nun noch der eigentliche Spruch zum Muttertag, etwas verspätet, aus dem Abrisskalender:

Dein Geist ist mächtig. Lass nicht zu, dass er zu schnell in den alten Beziehungsmodellen steckenbleibt, die dir die Gesellschaft anbietet. Wenn du „nur“ Mutter sein möchtest, wünsche ich dir, dass du siehst und fühlst, dass es keinen größeren Erfolg geben kann, als ein anderes Wesen sein Leben lang zu lieben.

Schön, dass Ihr dabei seid!

Eure Lotte

Im falschen Land aufgewacht

Das war nun der letzte Wandertag dieser Reise und ich hab mich gefühlt, als sei ich im falschen Land aufgewacht. Regen, Wind, Kühe, wilde Küste, grünes Inland… ich bin doch nicht über Nacht nach Irland gekommen?? Es war jedenfalls zum Verwechseln ähnlich. Matsch und grüne Kuhwiesen, Ziegen und Schafe und dann die wilde Brandung entlang der Küste, wo sich Surfer selbst bei 12 Grad Außentemperatur ins Wasser werfen und auf die perfekte Welle warten. Kann man machen. Es war also nicht gerade perfektes Wanderwetter, sodass ich mich nach 8-9 km riesig auf ein schönes Cafe gefreut habe.

Dort angekommen, blicke ich aus dem Fenster und sehe David, den US Amerikaner vorbeikommen. Er heißt übrigens James. Nach meinem gestrigen Ösi Zwischenfall hab ich mich so gefreut, jemanden zu treffen, mit dem das Quatschen Spaß macht, dass ich ihm entgegen gelaufen und ihn auf einen Tee eingeladen habe. Wir haben dann über eine Stunde in dem Cafe gesessen und gequatscht. Über seinen Job als Leadership Coach, was das beeinhaltet, hat mir Tipps und Tricks mitgegeben, wir haben über den Camino gesprochen und was das mit einem macht, ob wir den Frances oder Norte besser finden, seine Familie, sein Sohn, der als Marine im Irak Krieg dabei war und in einer Organisation für Veteranen arbeitet und vieles mehr. Es war so unheimlich spannend, persönlich und nett. Ich werde ihn vermutlich nie wiedersehen, aber es war mir eine riesen Freude, ihn kennenzulernen und so einen herrlichen Nachmittag zu verbringen.

Danach sind wir noch ein letztes Stück zusammengelaufen, bis sich unsere Wege an der Ferry nach Santander trennten. Er wurde von einem Freund abgeholt und ich sprang aufs kleine Schiff.

Mir wurde mal der Titel von Frau Prof. Schlauschlau verliehen, weil ich es hin und wieder nicht lassen kann, ein Klugscheisserchen zu sein, ein süsses, aber ein Klugscheisserchen.

Ich hab mich lang zurückgehalten, aber heut muss das mal gesagt werden – so am Ende der Reise: das Zeichen der Jakobsmuschel wird ja als Wegweiser etwas abstrahiert und sieht eher einer Sonne mit Strahlen ähnlich. Hierbei soll das Zentrum Santiago bedeuten und die Strahlen sind die Wege, die dorthin führen. Als Wegweiser ist das Zentrum dann im Prinzip die Spitze des Wegpfeils. Leider haben die hier im Norden nicht immer verstanden, wie es richtig herum sein soll…

In Santander angekommen, gabs nur noch ein Ziel, rechtzeitig im Hotel anzukommen, um den grossen HSV spielen zu sehen. Und dann das… Der Sieg hat nicht gereicht, da Köln in Wolfsburg hätte gewinnen müssen. Nun ist der Dino tatsächlich abgestiegen. Unfassbar. Ich war erstaunt, wie mich das selbst getroffen hat, obwohl meine Fussballbegeisterung ja nur oberflächlich ist und ich doch eigentlich Hannover 96 Fan bin.

Nach einem Schläfchen, einer Dusche und dem letzten „Waschtag“ gings nochmal raus an die Strandpromenade zum Essen. Ich saß tatsächlich allein im Restaurant. Allein, allein. Die Spanier essen spät, schon klar, aber ich bin um 20:45 hin und um 22:00 wieder raus. Keine Menschenseele kam währenddessen zum Essen.

Es gab ein tolles Drei Gänge Menu mit Wasser und Rotwein, je eine Flasche für 25€. Essen war top, Blick war top, alles gut. Keine Sorge: es gab nur zwei Gläser Rotwein, nicht die ganze Flasche un dich darf heut morgen sagen: der Rotwein macht Kopfweh😊 Allein betrinken macht auch wirklich keinen Spass. Das muss in Gesellschaft sein oder gar nicht.

Ich habe mich entschieden, eine Resumee nicht am letzten Wandertag zu schreiben. Also kommt jetzt erst ein gutes Frühstück mein Spa Besuch und wenn ich auf dem Weg zurück nach Bilbao bin, werde ich mir ein Resumee meiner Reise erarbeiten.

An die Muddis hier unter Euch, ganz vorne weg meine Mami und danach auch direkt meine liebe Coco:

Heut ist Muttertag. Alles Liebe von mir. Schön, dass es Euch gibt und Ihr so unermüdlich für Eure Kinder kämpft!

Ich finde, hierzu passt auch der heutige Spruch des Abrisskalenders:

Erlaube Dir, bemerkenswert zu sein. Wenn du dich bremst, versteckst oder verbiegst, fehlt deine Strophe im Lied unserer Welt.

Also Muddis, bleibt bemerkenswert!

Eure Lotte

Ein emotionaler Kampftag

Was ein turbulenter Tag. So entspannt wie gestern hätts ja auch nicht bleiben können. Wäre ja zu langweilig geworden. Macht Euch also auf einen längeren Bericht gefasst, der sicher emotional noch geladen sein wird.

Erstmal kurz zu den Fakten:

Von Berria nach Galizano, 21,75 km, über 24.700 Schritte. Ich wage mich, dies am vorletzten Tag zu sagen: erstaunlich und vor allem nahezu schmerzfrei!

Was war ich gut drauf heut morgen. Es gab ordentliches Frühstück, die Sonne schien, die Musik trällerte in den Ohren: „It’s a pleasure to meet you“ von Oliver Koletzki und los ging die Reise. Ich habe mich auf dem Weg mit ein paar Artgenossinnen unterhalten: Penelope und Babi, zwei schwarz-weiß gefleckte Kühe standen am Zaun und freuten sich über Besuch. Die Damen hatten wirklich Namen! Die standen auf den Ohrclips!!

Alles war gut.

An einer Kreuzung gab es zwei Optionen des Jakobswegs. Ich stand fragend vor den Schildern, wusste, dass ich hier weder mit dem Handy noch mit meinem kleinen Infoheft zum Jakobsweg weiterkommen könnte. Ein Radfahrer hielt und erklärte mir, dass der eine Weg kürzer sei als der Andere. Bin ja nicht bescheuert, dacht ich mir, und entschied mich für den Kürzeren.

Auf dem weiteren Weg hab ich mir über die unglaublich charmlose Art von Stadtentwicklung und Architektur Gedanken gemacht, wenn in Neubausiedlungen nur noch ein Typ Haus aneinandergereiht wird. Vor allem in einem Land mit so spannenden Architekturbüros. Wie findet man betrunken denn das richtige Haus??

Ich habe mich über Neubauten amüsiert, die die Ornamentik in Hülle und Fülle wiederentdeckt haben.

Ich habe mich über mein Leben am Limit amüsiert, wiedermal ohne Sonnencreme durch die spanische Sonne zu laufen. Wenn das mein lieber Volker wüsste… von meiner Haltung zu Pickeln(der Mann an der Rezeption am ersten Abend), meiner Blasen-Aufstecherei und dann noch meiner Ignoranz und Naivität zu Sonneneinstrahlung… er würde schimpfen. So viel ist sicher.

Es war immer noch alles gut.

Irgendwann gab es wieder eine Abzweigung und auf ca 50m vor mir lief eine Gruppe Pilger, die sich wieder für den linken Weg entschied. Hier hielt ich also an, zückte mein Handy und schaute, wo ich eigentlich gerade war.

Hier konnt ich feststellen, dass ich definitiv den kürzeren Weg ausgewählt habe, der durchs Land führt, statt an der Küste entlang. Damit gings dann los. Die erste Wutwelle überkam mich. Hätte ich doch und, und, und. Ich finde eigentlich nichts abscheulicher als HÄTTE… die Entscheidung ist getroffen, ich werde wohl kaum zurück, um dann anders zu entscheiden.

Irgendwann hab ich mich so darüber geärgert, nicht über diese Entscheidung hinwegzukommen, dass ich aus dem Ärgern nicht mehr rauskam. Also hab ich mich hingesetzt, Stift und Zettel gezückt und mal kurz heruntergebrochen, was eigentlich das Problem ist.

Ich befinde mich auf einem Weg. Es ist völlig wurscht, wo genau der Weg lang läuft, denn es geht ja um meinen Weg. Die Pfeile geben nur eine Richtung vor. Ich befinde mich auf dem Camino del Norte ja auch nur durch höhere Gewalt und sollte doch eigentlich das Ungeplante und Freie geniessen. Der Alltag mit dem Zug um 6:29 von Gleis 14 und den To Do Listen kommt ja wieder. Ganz sicher. Dies ist eine Chance abzuschalten. Die sollte ich nutzen.

Ich musste wirklich mit mir kämpfen, um mich wieder zu beruhigen, den Tag und Weg so hinzunehmen, wie er ist und ihn zu geniessen, anstatt mir über erledigte, nicht zu ändernde Themen Gedanken zu machen. Reflektieren und ggf. draus lernen ist bei Rückblicken zu gemachten Entscheidungen ja okay. Aber sich an HÄTTE aufzuhalten, bringt.. exakt… NICHTS.

Während ich also am Straßenrand saß und meine Gedanken sortierte, kamen einige Pilger vorbei. Martin, Österreicher, hielt und quatschte kurz mit mir. Der erste Eindruck war nett, offen, fröhlich… er lud mich ein, mich dieser Gruppe mit anzuschliessen. Ich schrieb meine Gedanken zu Ende und folgte der Truppe. An der nächsten Abzweigung saßen sie dann. Drei Italiener, zwei davon um die 65-70, einer in meinem Alter, dann Eva, deutsch, erinnerte mich unheimlich an meine liebe Freundin Miri und eben Martin, der Ösi. Nette Runde, dacht ich mir. Also gings weiter. Ich unterhielt mich mit Martin eine Weile. Der Kerl brachte mich nur zunehmend an die Grenzen meiner eigentlich so offenen und manchmal fast zu höflichen, freundlichen, strahlend lachenden Art Menschen gegenüber. Ich war abgestempelt. Meine Geschichte sei vorgeschrieben, so Martin! Sein Bild setzte sich zusammen aus: Hamburg, auch mal HafenCity, jetzt München, Projektentwicklung, verspiegelte Sonnenbrille, nur eine Woche Jakobsweg,… hätt ich ja auch im Schwarzwald laufen können… Zwei Sprüche schoßen ihn dann endgültig vom Platz:

1. Hafencity ist ja so kahl und furchtbar und hätt so nie gebaut werden dürfen – sagt jemand, der in Hamburg nicht mal eine Woche gewohnt hat zu jemandem, der dort zwei Jahre gelebt und es geliebt hat. Die, die mich kennen, wissen, wie fuchsig ich bei Beleidigungen von Dingen werde, die ich mag, ganz gleich, ob Menschen, Stadtteile oder was auch immer…

2. Spruch: „Wie war denn der Mallorca Urlaub dieses Jahr?“ -ich hatte bis dato nicht ein Wort von Mallorca gesprochen. Ich hab erkannt, was los war und die Chance genutzt und direkt auf sein von mir so versnobbtes Püppchen-Bild noch eins drauf gesetzt und ihm erklärt, wie sehr ich mich auf meinen großen Kleiderschrank, meine Wanne und meine Haarkur freue. Danach habe meine langen Beine aktiviert und den Ösi in wenigen Schritten abgehängt. Was ein Spinner. Selten, wirklich selten hat mich ein Mensch so schnell und vor allem nachhaltig wütend gemacht. Ich bin ja eher zu nett und wünschte mir, ich hätt hier und da ein wenig mehr von der „Mittelfinger-Mentalität“, die die ein oder andere Freundin in sich trägt. Die Ladies, die ich meine, werden sich 100%ig angesprochen fühlen.

Wer mich aber so oberflächlich snobbi abtun will, darf das gern tun, nur dann bitte ohne mich.

Und doch hat mich der Kerl, als ich in der Badewanne der Pension lag, anstatt mit 80 anderen in der Herberge zu verbringen😂, mich tatsächlich kurz zum Nachdenken gebracht, ob ich wirklich so eitel, oberflächlich und snobby sei, wie er behauptet. Ich kann aber mit Sicherheit behaupten, dass ich das NICHT bin. Für die Verhältnisse meiner Familie, ganz voran mein Bruder, bin ich eigentlich viel zu uneitel, der bis heute kontrolliert, ob ich saubere Fingernägel habe. Auch oberflächlich und snobby passt nicht zu mir. Ich mag Mode, ich mache mir aber nichts aus teuren Klamotten, teuren Autos, Uhren, besonderen Urlauben oder anderen Statussymbolen. Ich freu mich für all die, die auf so was Bock haben und sich das leisten können, solang das nicht alles ist, woraus das Leben besteht. Aber meins… ist das nicht.

Nun gut. Egal. Der Tag ist abgehakt. Der Typ ist es auch. Ich freu mich über die geschafften Kilometer, dass ich so erstaunlich schmerzfrei durch die Reise gekommen bin, keinen Sonnenbrand habe. Ich freue mich auf Santander morgen und werde mal zusehen, dass ich nachmittags irgendwo den letzten Spieltag der Saison verfolgen kann.

Ich hab mir für Sonntag einen herrlichen Plan gemacht – so viel zum Thema snobby – ich werd mich einen halben Tag in ein Spa legen und mir eine Massage gönnen, ein wenig die Stadt erkunden und dann abends nach Bilbao fahren.

Bis dahin Ihr Lieben,

Eure Lotte

Wann immer du einfache, natürliche Freude empfindest, lebst du, was das Leben von dir will.

Chilly Thursday

Nach dem gestrigen, doch eher anstrengenden Tag war das heut, völlig richtig, ein ruhiger Tag. Wirklich ruhig. Also so total ruhig.

Als ich heut morgen wach wurde, prasselte der Regen auf das Velux Fenster. Ich hab das zum Anlass genommen, einfach so lang im Zimmer zu bleiben, bis der Regen vorbei ist. Gegen 9 war es dann soweit. An ein paar Pferdekoppeln vorbei, mit Musik in den Ohren, (Max Herre mal wieder, heut mit Joy zusammen), gings dann wieder die nächste Steigung hoch. Wieder Knackpo Training bei knapp 300 zu überwindenen Höhenmetern. Selten hat sich ein Aufstieg so gelohnt wie heute.

Da wo die Sonne scheint… da soll ich heut hin. Also gings wieder bergab und ins erste Cafe von Laredo. Päuschen müssen sein. Schnell stieß der US Amerikaner wieder dazu. Ich hab ihn nach seinem Namen gefragt, aber glaubt ihr, ich konnt ihn mir länger als 2 min merken?? Richtig. Konnt ich nicht. Er bleibt also David. Wir haben uns gemütlich unterhalten und unseren Kaffee zusammen getrunken. Danach gings wieder los. Der nächste schöne Abschnitt der Strecke-direkt am Strand entlang. Heut hab ich doch glatt was verbotenes unter erfahrenen Pilgern gemacht: ich hab meine Stiefel ausgezogen und die Füsse ins Wasser gehalten.

Zur Erklärung: man sollte das eigentlich nicht tun, weil die Haut dann weich und anfällig für Blasen wird. Mir wars egal. Ich wollt einfach am Meer entlang laufen und hab es so genossen. Die Sonne schien, die Wellen rauschten, die Surfer paddelten durch die Wellen und ich konnt mir nichts schöneres vorstellen.

In Santona angekommen, gabs nen kurzen Unterkunftscheck und dann bin ich noch ein Stück raus aus der Stadt, an den nächsten Strand. Kurz Zimmer bezogen, kurze Hose an, Handtuch mit und raus, am Strand spazieren und ein Schläfchen in der Sonne gemacht. Ohne Sonnencreme versteht sich.

Tja, und das wars auch schon. Keine grundlegenden Lebensfragen mit mir diskutiert, keine neuen Pilger getroffen, keine kontroversen politischen Diskussionen geführt. Totale Entspannung.

Ich geniesse diese Ruhe unheimlich. Der Tag ist ausgefüllt und doch ist diese Reise irgendwie erholsam. Ich schlafe viel und kann einfach den Kopf abschalten und gerade hier am Meer Sonne und gute Luft tanken.

Heimweh?? Nein. Klar freu ich mich, wenn ich meinen Mann wiedersehe und auch wieder Familie und Freunde und Kollegen sehe und höre und lese. Klar freu ich mich über so Luxusthemen wie eine große Klamottenauswahl, meine Haarkuren, um dieses sture Zeug, dass sich Haare nennt, zu bändigen, meine Badewanne, eine gute Pizza, einen Kinobesuch… Ich bin ja auch wirklich nicht der Typ Einsiedler. Diese eine Woche ist dennoch eine tolle Art, um mal abzuschalten und ich kann es jedem nur empfehlen, den Rucksack zu packen und das auch zu machen. Das Pilgern auf dem Jakobsweg ist leicht, weil die Infrastruktur steht. Zwischen 15 und 100€ pro Tag Ausgaben ist alles möglich, jeder kann diese Reise also nach seinen Ansprüchen anpassen.

Und als kleine Vorwarnung: die Wörter meines täglichen Kontingents, die ich jetzt nicht nutze, spare ich auf. Ich warne Euch also schonmal vor😂

Morgen wird der Tag wieder etwas taffer, ca. 30 km liegen vor mir. Mal sehen, ob ich wirklich alles laufe oder das letzte Stück den Bus nehme. Jedenfalls ist morgen die Sonne wieder da und somit die kurze Hose Programm. Die Beine wollen noch braun werden. Morgen ist der Tag wieder länger, also gibts sicher auch wieder lebenswichtige Fragen zu klären.

By the way: Alles Liebe zum Vatertag. Zu allererst an meinen eigenen Papi, der hier fleißig mitliest und dann auch an alle anderen Papas unter Euch. Schön, dass es Euch gibt.

Also Ihr Lieben. Ich freu mich, dass Ihr dabei seid. Bis bald.

Eure Lotte

Jeder Tag birgt so viele Möglichkeiten, etwas Spannendes über dich zu erfahren, etwas Wesentliches zu lernen und etwas Neues auszuprobieren.

Halbzeit – heute politisch brisant

Eine Ansage gleich zu Beginn: Ich erwarte von jedem, der das hier liest, dass er oder sie mir beim nächsten Wiedersehen ein grosses Kompliment für meinen Knackarsch macht, damit wir danach über den guten (und gut gemeinten) Witz lachen können. Das hat auch nichts mit fishing for compliments, mehr mit commanding for compliments zu tun😊

Ich hab gleich morgens entschieden, dass es daheim ein neues Iphone für mich geben wird. Diese milchigen, fleckigen Bilder machen ja keinen Spass. Das Iphone 5S hat seinen Dienst nun getan.

Das nenn ich einen guten Einstieg in den Tag und den Bericht😂

Der erste Teil des Tages ging gut los. Ich hatte meine Ruhe, keine Pilger. Ich hab zu Anfang immer Musik in den Ohren, um gut in den Tag zu starten. Abgesehen davon, hab ich von Stadtgeräuschen ja genug, ich möcht lieber die Ruhe und das Meer hören, nicht aber Motoren. Irgendwann traf ich auf … nennen wir ihn David, US Amerikaner aus Utah, Ende 50, spricht spanisch, gibt in den USA und spanisch sprechenden Ländern wie Mexico und Spanien Kurse zu Leadership. Er läuft jetzt eine Etappe und macht weiter, wenn er wiederkommt.

Tut mir leid… aber wenn ich schon einen US Amerikaner neben mir habe, muss ich über Politik sprechen. Er hat also Trump gewählt, weil er nicht Hillary wählen wollte, sie für korrupt hält und Trump das kleinere Übel sei. Ich habe kurz überlegt, ob ich irgendwie reagieren soll. Ich hab mich aber weise entschieden, das unkommentiert zu lassen. Vorerst. Wir haben uns also über Trump unterhalten und da sagte David, er sei gut für die USA, besser als er hätte glauben können. Er würde viel für die Wirtschaft tun. Danach wechselte er zackig das Thema auf unsere vergangenen Wahlen. Als ich ihm erklärte, dass der Trend nach Rechts, den wir in vielen anderen Ländern der Welt auch feststellen müssen, auch bei unseren Wahlen erlebt haben mit der AfD, merkte ich, dass David als „conservative Republican“ das nicht so lustig fand. Da war auch zackig das Gespräch beendet.

Aber jetzt mal ehrlich. Ich setze mich nicht ausreichend mit der Innenpolitik der USA auseinander, aber was hat Trump denn schon bewegt, um die Wirtschaft anzukurbeln? Ich werde mich damit jetzt befassen, um mir ein besseres Bild zu machen. Ich kann vielleicht auch nicht glauben, dass dieser Twitter Spinner irgendwas sinnvolles für sein Land schafft, außer Leute zu drangsalieren. Nun gut.

Ich hab bei 9 km Marius in einem Cafe wiedergetroffen und kurz bei einem Cafe con leche gequatscht. Danach bin ich wieder allein los.

Kurz danach traf ich zwei Herren aus Südkorea und was soll ich sagen… wir haben über Politik gesprochen. Einer der beiden arbeitet für eine koreanische Bank und war entsprechend der englischen Sprache mächtig und erklärte mir, dass die Südkoreanische Wirtschaft 100mal so stark wie die Nordkoreanische sei und ein Zusammenschluss der Länder, so Gott will, für Südkorea eine echte Last werden würde. Entsprechend war seine Begeisterung zu dem Thema eher eingebremst.

Das war ein ziemlich politischer Tag heut.

Irgendwann hab ich ein Zwicken im rechten Fuß gemerkt und wollt mal schauen, ob dort ein kleiner Stein scheuert. Tatsächlich. Mit dem Ergebnis einer ganz niedlich kleinen Nagelgroßen Blase am zweiten Zeh. Der kleine Zeh leidet ja schon seit gestern, eigentlich schon seit meiner Spitzenschuhe zu Jugendzeiten.

Egal. Stein raus, Socke an, OP muss später durchgeführt werden.

Bei km 17 gings dann nochmal den Berg hoch und ich habs so nicht erwartet. Ich war eh schon nicht mehr so vollends bei Kräften und dann gings aber steil bergauf. Das muss ja gut sein für den Po. Ich hab mir jedenfalls geschworen, nie wieder zu schimpfen, wenn es morgens gleich als erstes den Berg hochgeht. Da ist man noch fit und kann so etwas wuppen. Nachmittags ist die Luft einfach raus.

Oben angekommen standen zwei Pferde auf einer Koppel. Ich hab selten so ein Verlangen nach Satteln und Trensen und Reiten gehabt. Mir tat alles weh. Die Pferde waren nicht zu stehlen, geht auch nicht ohne meine Resi, also gings zu Fuß weiter.

Beim nächsten Päuschen wurde dann die OP durchgeführt. Eine OP am offenen Fuss sozusagen. Aufstechen. Abtupfen. Pflaster. Tape. Fertig. Keine Sorge, ich hab keine Fotodokumentation. Es wäre mir zuzutrauen…

Nun tat dann aber wirklich alles weh. Rücken, Wadenmuskelansatz am unteren Kniegelenk, rechter Fuß. Es waren aber noch 5 km…. also Musik wieder in die Ohren. Das hilft unheimlich, motiviert und scheucht die Schmerzen weg.

Max, falls Du das hier jemals lesen solltest: nach 24 km fühlt sich nichts, wirklich gar nichts „wie Fliegen an“.

Nun, wiedermal im Hotel, statt in der Albergue, Rucksack runter, Schuhe aus, aufs Bett, eingeschlafen. Ich bin völlig alle.

Es war ein schöner Tag, ich hab schöne Natur gesehen, etwas britisch/irisch mit rauer See und vielen grünen Bergen und Hügeln, vielleicht eine Spur zu viel Motorengeräusche gehört und ziemlich genau 25 km geschafft.

Ein Letztes noch, wie immer: heut waren Opi und Omi Schröder sehr präsent. Es krähten die Hähne, es pickten die Hühner, es roch nach Blumen, die Omi im Garten und im Wintergarten hatte. Ich durfte mich ganz viel an Hanna’s und meine gemeinsame Zeit in Preetz erinnern. Wenn ich mal wieder in Hamburg bin, werd ich zu Opis Grab fahren und ihn besuchen und auf dem Weg gleich bei meinem alten Freund Ferdi vorbei. An ihn hab ich heut nämlich auch gedacht. Ich hoffe, Ihr beiden habt da oben Spaß, macht ein paar doofe Witze und wacht ein wenig über mich hier auf dem Weg.

Same procedure: also… Spruch vom Abrisskalender und dann bin ich raus.

Ciao Kakao. Hasta la vista.

Eure Lodde

Ein bewusster Mensch begnetet seinen Mitmenschen natürlich mit Mitgefühl, denn Bewusstsein kennt keine Grenzen.

Abenteuerlicher Beginn, nettes Ende

Halleluja. Heut morgen brannte es noch mehr als gestern. Ich, als Braunie, kriege doch im Vergleich zu den Blondies, keinen Sonnenbrand. Eigentlich. Gestern habe ich mich im Nacken so arg verbrannt, dass es nun ordentlich zwickt und prickt! Hab zur Pflege Sonnencreme draufgemacht… danach… 😁

Bin heut morgen, hungrig, in den Bus gesprungen, um zum Startpunkt zu kommen, in der Hoffnung, dort einen Supermarkt zu finden und wurde stattdessen vom Busfahrer und einem Passagier irgendwo rausgeschmissen, da die beiden lieber schnell nen Käffchen trinken, statt ihre Route zu Ende zu fahren und haben mir erklärt, dass der von ihnen festgelegte Startpunkt viel besser ist. Naja…

Zunächst war ich ja nur dankbar, dass ich etwas zu frühstücken kriegte, doch auch das war eher kläglich! Ein Milchbrötchen mit Sahne bestrichen hat eher zu Milchbeinen geführt als irgendwas anderes. Obst?! Weit und breit nicht zu sehen. Die Spanier oder vielmehr die Basken frühstücken schon komisch.

Frühstück war also keine Hilfe, der Startpunkt war aber zumindest okay. Ich hatte relativ schnell die erste Steigung von 350 m Höhenunterschied vor mir. Sean, Justin ( ja, ich gebs ja zu: Bieber und nicht Timberlake) und Rita haben mich gut motiviert und mir einen guten Takt vorgegeben. Als ich oben ankam, sprach die Uhr von einem Puls von 90/min. Gefühlt waren es aber eher 90 pro 10sek. Wenn ich den Anstieg mit einem 90er Puls schaffe, dann kann der Kranaufstieg auf 67 m in Ulm gern kommen. Ein Leichtes😊

Beim Abstieg flog die Musik wieder in den Rucksack, stattdessen genoss ich die Ruhe der Natur und traf bald auf einen Pilger: Marius, Physiotherapeut und Osteopat aus Berlin, ca 55 Jahre alt. Er erzählte mir zunächst mal, dass der Weg ja so voll und überall Pilger seien. Ich konnts kaum glauben. Immerhin war er der Erste, mit dem ich einen Teil des Weges laufe. Danach haben wir uns über Körpergrösse und Haltung, Sport im Allgemeinen, Fussball – natürlich, Schuhwerk, meine Frage nach dem Optimieren und Ernährung unterhalten.

By the way – mal wieder ein Einschub: ich schwöre auf meine Meindl Wanderstiefel. Großartig. Die passen wie angegossen, alle Zehen haben Platz, ich rutsche nicht vorne gegen, kriege keine Blasen und keine Stinkefüsse. – die einen werden jetzt über die Direktheit ihrer lieben Loddi mit Doppel D lachen und die anderen den Kopf schütteln, weil sie es so genau gar nicht wissen wollten. Sorry… so bin ich😊 und um den Vogel gleich abzuschießen, noch eine Info, die vielleicht nicht jeder wissen will: es ist beeindruckend, wie viel ich trinken kann ohne „pieschen“ zu müssen (ein Wort meines Bruders). Das wird direkt mit den Giften des Milchbrötchens wieder ausgeschwitzt.

Auf den Punkt: Meindl Stiefel sind super. Viel Trinken geht auch super.

Nächster zusammenhangloser Einschub:

Ich hab mich heut verjagt! Mir ist eine Ratte über den Weg gelaufen. Es gibt ja kaum was ekligeres für mich. Ich kenn ja so nen paar Mäusepaniker hier unter den Lesern… so wie ihr Euch schon bei einer Maus verhaltet, reagiere ich dann spätestens bei einer Ratte. Schrecklich. Darf gar nicht dran denken!

Zurück zu wichtigen und ernsthaften Themen:

Heut morgen habe ich ein Buch bei Blinkist gelesen mit dem Titel: „Viel besser als gute Vorsätze.“ Darin ging es um Gewohnheiten und wie man diese in seinem Alltag integriert und seinem Kopf programmiert, wie man mit Willensstärke kleine Fortschritte macht und was es helfen kann. Schon fing ich an, darüber nachzudenken, was ich in meinem Alltag besser machen möchte und kam ruckizucki wieder zu dem Gedanken der Selbstoptimierung, der mich ja gestern schon umtrieb. Laut dem Buch soll man sich keine riesigen, sondern fast lächerlich kleine Ziele setzen und diese lieber übertreffen und dadurch verfestigen und motivieren. Also: statt eines VHS Sprachkurses, den man wegen Zeitmangels nach 4 Wochen abbricht, eine Vokabel am Tag lernen. So wird es nach einer gewissen Zeit zur Gewohnheit, der es keiner Überwindung und Anstrengung mehr bedarf.

Ich hab mich also heut Mittag an den Strand gesetzt und überlegt, was ich gern anders machen möchte.

1. Spanisch lernen – schonmal angefangen, aber wegen Zeitmangels wieder abgebrochen.

2. Englisch verbessern – gerade das Business Englisch könnt einen Boost gebrauchen, die Grammatik freut sich auch über eine Verbesserung😊

3. besser essen – fürs Wohlbefinden, um ein paar Pfund zu verlieren, gegen die Süssigkeiten-Schokisucht

4. Sport und Bewegung – für den Ausgleich, die Kondition, das Wohlbefinden, die Figur…

5. mehr Wissen zum alltäglichen Geschehen – ich kann nicht politisch interessiert und in Diskussionen mein liberales Denken verteidigen, wenn ich keine Ahnung habe, was eigentlich gerade los ist.

Es gab noch viele andere Ideen, aber fangen wir damit erstmal an. Ist ja mehr als genug fürs Erste.

Also habe ich Regeln formuliert:

Punkt 1&2: eine Vokabel am Tag. Vielleicht investiere ich wieder in die Babbel App, immerhin motiviert die mit dem Spielwert. Außerdem ist das Geld in Bildung gut investiert.

Zu 3.: ich habe mir vorgenommen, beim ersten Verlangen nach Süssem zu Obst zu greifen. Wenn danach noch weiteres Verlangen nach Süssem kommt, ist es nicht verboten und vielleicht übertönt das Obst ja das Verlangen.

4.: hier eine Regel zu finden, war für mich mit am Schwierigsten, immerhin geh ich doch so gern schwimmen und das geht nicht mal eben schnell zwischendurch. Hier hab ich also zwei Ziele: eine Plank am Morgen, so lange es geht und dazu 2mal die Woche schwimmen.

5.: morgens im Zug einen Artikel lesen, einen der mich interessiert, egal ob aus dem Wirtschafts-, Immobilien- oder Politikteil.

Wann ich nun mit welchem Thema beginne und in welcher Reihenfolge weiß ich noch nicht. Alles gleichzeitig wäre sicher wieder zu viel des Guten. Darüber mache ich mir die nächsten Tage Gedanken.

Marius ging also weiter, viele Pilger kamen tatsächlich vorbei und einer sagte „Moin“. Musik in meinen Ohren. Philipp, ende 20, Rheinländer, genauer Düsseldorfer, der in Hamburg Jura studiert hat und nun zwischen Studienende und Jobanfang durch den Camino eher sprintet als geht. Der Junge muss erstmal runterkommen, ist ja erst seit 5 Tagen unterwegs.

Wahnsinn eigentlich, was man hier in kürzester Zeit von den anderen erfährt, was ich zuhause nicht mal in der doppelten Zeit schaffe. Wird hier weniger geschwaffelt, mehr auf den Punkt gebracht, weil die gemeinsame Zeit extrem knapp ist? Spricht man nur über die Dinge, die einem wirklich wichtig sind und lässt die Unerheblichkeiten einfach weg?!

Ich war so begeistert, dass es tatsächlich Pilger auf dieser Strecke gibt. Hat mich aber dennoch nicht dazu gebracht, in eine Herberge zu gehen, ich hab mir stattdessen lieber eine kleine Pension gesucht. Ich brauche die Ruhe und meinen eigenen Rhythmus. Ich hab auf diese Rennerei um die Betten keinen Bock. Mein Urlaub. Meine Zeit. Meine Ruhe. Mein Rhythmus.

Ich könnt noch über so viel mehr schreiben, über das ich mir so Gedanken mache… ob es die Körperhygiene ist, die Unruhe, die Erwartungshaltung, mein Wunsch nach Zielen und vieles vieles mehr. Aber heut ist genug. Hab ja schon wieder viel zu viel geschrieben.

Vielleicht morgen. Morgen wird ein langer Wandertag. Das nächste Ziel ist fern. Mal sehen, ob ich wirklich die ganze Strecke schaffe und ob ich Pilgern begegne.

Nachdem ich heut gewaschen und gestriegelt das Hotel verlassen habe und lockig zerzaust angekommen bin, gibts morgen von mir ein Vorher/Nachher Bild.

Jetzt noch der tägliche Spruch.

Wir sehen uns morgen wieder und denkt dran, ich freu mich über Likes und Kommentare😉

Alles, was du jetzt gerade in deinem Leben genießt, ist das Werk vieler Wesen. Sich daran zu erinnern ist sehr, sehr wichtig. Es schützt dich vor Hochmut und Isolation. Es hält dich auf eine gesunde Weise klein, dankbar und demütig.

Nette Begleitung

Tag Zwei ist geschafft! Ich bin geschafft. Mein Rücken ist es auch.

Laut Apple Watch habe ich ca. 12Minuten 30 pro Kilometer gebraucht. Mit 2 Pausen waren es am Ende etwa 4 Kilometer pro Stunde. Insgesamt 18 km, 23.130 Schritte und wohl 1284 kcal.

So viel mal zu den Fakten.

Heut Vormittag ging es lange, lange durch Stadtteile, an 9spurigen Autobahnen vorbei, wieder an irgendwelchen Straßen, bis ich endlich in die Natur kam. Mal abgesehen von einer spektakulären Brücke, die mittlerweile UNESCO Weltkulturerbe ist, gefiel mir der erste Teil der Strecke überhaupt nicht. Zum Glück hatte ich von Anfang an unheimlich nette und unterhaltsame Begleitung. Das Thema Liebe stand heut irgendwie auf der Tagesordnung. Tom hat mir von seinen Liebesgeschichten erzählt und irgendwann „Hold me“ geträllert, Kim und seine Jungs und ich haben uns ebenfalls über Liebe und innere Werte unterhalten, Max ist auch nen ganz musikalischer Typ gewesen und hat von wilden Nächten berichtet.

Wer hats gecheckt?! Vermutlich nur die, die meinen Musikgeschmack kennen… Ja Marc: GESCHMACK😉

Rätselauflösung: ich hab heut die Kopfhörer ins Ohr gesteckt, Noice Canceling eingeschaltet und dann Musik angemacht. Stadtgeräusche kenne ich zu Genüge, die brauch ich hier nicht. Tom Odell, Echt und Max Herre haben dafür einen guten Start gegeben, TLC und R. Kelly haben ein wenig den Hüftschwung gefordert, sofern der Rucksack es zuließ und am Ende hat Chris Martin mit Yellow sehr passend auf alle gelben Pfeile aufmerksam gemacht. Die Musik hat motiviert und meine Gedanken einfach übertönt, weil ich lieber mitsummen wollte.

Sobald die Mittagspause durch und die Natur vor mir lag, war die Musik im Rucksack verschwunden. Selbst den Takt zu finden und mich in der Stille zu motivieren, war anfangs gar nicht so leicht. Irgendwann liefs aber wieder und die Gedanken auch.

Meine Frage des Tages war: Warum haben wir heutzutage einen ständigen Drang zur Selbstoptimierung?? Richard Branson sagt: „Never stop reaching a bit further, faster and higher.“ Unsere Welt wird immer schneller und fordernder, wir schaffen es eigentlich nicht mal, die Basisaufgaben des Alltags gut zu wuppen. Dazu kommen aber heutzutage noch die Anforderungen, weitere Sprachen zu lernen, viele Bücher zu lesen, politisch interessiert zu sein, Kulturreisen zu machen, überall mitreden zu können. Ich sehs auch an mir… eigentlich hab ich keine Zeit zu lesen, will ja aber auch nicht doof bleiben, also gibts die neue App Blinkist. Passend zu unserem heutigen Leben werden Bücher auf 15 Minuten minimiert. Weitere 7 Minuten des Tages sind für eine Meditation verplant, Sport Apps versprechen Erfolge bei Sport zwischen 7 und 30 Minuten. Zwischendurch ernährt man sich gesund, macht Achtsamkeitsübungen und sollte eigentlich noch ein Held in Beziehung, Familie und Job sein. Was machen wir bloß gerade?! Woran liegt das?? Muss in uns allen ein Entrepreneur mit 5 Fremdsprachen und 3 aktiven Mitgliedschaften in gemeinnützigen Vereinen, Ironman, Veganer, Superkoch und Reiser stecken?? Wie findet jeder seine eigene Mitte an Interessen und Weiterentwicklung ohne am Anspruch der Gesellschaft zu zerbrechen und den eigenen Raum, in dem man die eigenen Stärken stärkt und Freude findet, an dem was man tut?! Uns steht die Welt offen, alles ist zugänglich, man kann sich kaum entscheiden vor lauter Optionen. Wir posten und liken und stellen alle Taten und Erfolge im Social Network dar. Alle dürfen sich daran messen.

Ich seh das ja auch an mir. Ich würde gern spanisch sprechen, gern mehr Bücher lesen, mehr Sport machen, etwas gutes für meinen kaputten Rücken tun, Zeit für Kochen haben… doch mein Tag hat nicht so viele Stunden. Da gerät manchmal der eigene Kosmos ins Wanken, weil man selbst nicht mehr weiß, in was man eigentlich gut ist und woran man festhalten soll. Ich würde mich gern sozial engagieren, hätte Lust auf politisches Engagement, würde gern mehr Zeit mit meinem Glauben an Gott verbringen und ganz nebenbei auch noch eine Heldin im Job und als Ehefrau sein. Was glauben wir, was glaub ich eigentlich, wie das alles gehen soll?!

Ich hab heut noch keine Lösung gefunden. Wenn ihr sie wisst und teilen wollt: immer her damit!

Zurück zu den tatsächlichen Happenings des Tages: ich habe Pilger getroffen, mit einem Franzosen 3 Sätze gewechselt! Bin ganz begeistert. Ich bin hier nicht allein unterwegs. Ich hab heut auch endlich den Strand gesehen und saß in Ruhe auf einer Parkbank und ließ mir den Wind um die Ohren pusten.

Übernachten werde ich wieder in einem kleinen Hotel. Dies ist ja auch ein Urlaub, mein Urlaub, und ich möchte fit und ausgeschlafen zurückkommen und das geht nur mit Ruhe und einem guten Bett. Dieses Upgrade sprengt zwar mein anfangs vorgenommenes Budget, hat aber eben auch die entsprechende Aufenthalts-Qualität. Ich treffe jetzt leider abends auch keine Pilger, aber dann ist das nun so.

Meine Füsse sind ziemlich gut drauf, Schmerzen habe ich tatsächlich nur im Rücken. Um meinem Ruf alle Ehre zu machen, ist hier wieder ein Fussballspruch notwendig: ich laufe den Schmerz einfach raus.

By the way: ich hab gestern mit 20 anderen Herren im Hotel El Classico geschaut, zumindest die erste Halbzeit. Ich hatte allerdings nur Madrid Fans um mich herum und habe mich entsprechend nicht als Barca Fan geoutet. Immerhin bin ich die richtige CR7…😊

Nun noch ein letztes:

Das Thema richtet sich an die Jungs. Hier ganz bewusst Jungs, denn eigentlich seid ihr alle pubertäre Jungs, auch wenn eigentlich schon viel zu alt😉

Warum um alles in der Welt müssen überall überdimensionale Geschlechtsteile gezeichnet werden?? Warum findet ihr das so witzig und amüsant?! Ich hör Euch alle lachen und auf die Schenkel klopfen und dumme Sprüche machen… aber das ist und bleibt ein unerklärliches Männerphänomen. Wenn irgendwo Brüste gezeichnet sind, ob als Grafiti oder in der großen Kunst, seid ja meist auch Ihr für zuständig.

So viel nun dazu. Ich seh jetzt mal zu, dass ich mich wieder wohl riechend kriege und bereite mich seelisch auf den morgigen, anstrengenden Tag vor.

Hier noch der Spruch von meinem Abrisskalender:

Vertrauen gewinnst du nicht durch Zettelchen mit positiven Sprüchen an deiner Kühlschranktür; Vertrauen reift auf der Straße, im Feuer der direkten Begegnung. Deine Knie zittern? Deine Hände schwitzen? Dein Kopf zweifelt? Na und? Tu es trotzdem.

Liebe Grüsse,

Eure Lotte

Kleiner Morgengruß

Ich möchte mich auf diesem Weg ganz herzlich für das große Interesse bedanken und das liebe Feedback hier und da via Whatsapp.

Freut mich, dass es Euch gefällt und Ihr euch so schön über meine Macken und Spinnereien amüsieren könnt😉

Ich freu mich auch hier über Likes und Kommentare.

Also… gebt gern weiterhin Gas und schreibt und klickt.

Ich laufe jetzt los. Zum Glück tut nichts weh. Gar nichts. Was ein Glück… 😂😖

Was das Leben so für einen bereithält

Entscheidungen sind ein Thema unseres gesamten Lebens. Wir müssen uns ständig entscheiden. Wanne oder Dusche? Tee oder Kaffee? Toast oder Brötchen? Das sind Entscheidungen, die relativ banal sind und fallen uns häufig gar nicht mehr auf. Wir steuern durch die Hürden eines Morgens mit Frühstücksbuffet meist relativ selbstverständlich.

Doch der Tag, das Leben, haben noch ganz andere Entscheidungen für einen vorgesehen.

Meine Entscheidung war vor meiner Reise, dort anzuknüpfen, wo ich 2016 aufgehört habe: in Logrono. Doch nun wurde mir diese Entscheidung sogar abgenommen. Auch so etwas kommt vor. Mein Rucksack ist nicht rechtzeitig aufgetaucht und abgesehen davon, gibt es heut laut der mehr oder weniger gut verstandenen spanischen Internetseite des Busanbieters gar keinen Bus nach Logrono. Also… gehe ich neue Wege und laufe den Camino del Norte. Auch das wird eine Erfahrung. Ich befürchte, dass ich dafür nicht warm genug angezogen bin, aber nun ist das so.

Ich darf Euch aber sagen… so easy lässig wie das hier gerade klingt, ist es dann doch nicht. Gestern sah ich das alles ganz entspannt. Mittlerweile find ich es ein kleines bisschen mühsam, weil ich mich nun noch mehr ins Ungewisse stürze. Ob das so alles richtig ist?! Es hat alles sein Für und Wider. Für die Planänderung spricht der schöne Küstenweg, die Nähe an der Zivilisation, was auch mal ein Hotel bedeuten kann, die Rückreise am Sonntag wird leichter und zu guter Letzt… ich werde als Steinbock direkt gefordert. Wir Steinböcke, ob Ihr es glaubt oder nicht, aber diese Gemeinsamkeit ist bei uns allen zu finden: stehen nicht unbedingt auf Planänderungen und Spontanität. Ich würde behaupten, dass ich mich in den letzten Jahren weiterentwickelt habe und mit solchen Unwegbarkeiten umgehen kann, ganz leicht fällts mir aber hier und da immer noch nicht.

Nun… die Nachteile sind auf diesem Weg vor allem, dass mir der Spirit fehlt. Ich hab auf der Strecke heute drei Pilger gesehen, aber keinen gesprochen. Ich hab ja keinen Wegführer, also auch keine Ahnung, wo Herbergen sind. Es ist auch keine ländliche Strecke, sondern viel städtisches Umland.

Heulen bringt nix. Nun ist es so. In Ulm im Büro bin ich für die Fussballzitate zuständig: „Wäre, wäre, Fahrradkette“ von unserem grossen Lothar Matthäus sagt genau das aus. Attacke nach vorn, mit dem Neuen leben.

By the way: ich gebe den Tipp ab und sage Euch: der HSV schafft es am letzten Spieltag noch auf den Relegationsplatz! Ich hab leider mein Trikot nicht mit für Samstag, glaube aber fest an die letzte glückliche Konstellation! Irgendein Verein muss ja für die Spannung sorgen, wenn schon Bayern und Köln ihre festen Plätze vor Monaten eingenommen haben.

Nun aber zurück zu meinem Tag. Heut morgen gabs nichts außer Warten. Ich habe eine 7Minuten Meditation gemacht, um mich kurz zu beruhigen, gut gefrühstückt, im Tagebuch geschrieben… ich geniesse es jetzt einfach, Zeit zu haben. Die Warterei als Luxus und Geschenk anzusehen, anstatt zunehmend genervt zu werden. Das ist jetzt meine Zeit. Ich habe diese Zeit. Es kommt auf nix an. Es ist egal, wann ich loslaufe, es ist egal wann ich wo ankomme. Nix und niemand wartet auf mich.

Gegen 11:30 konnt ich dann endlich in mein kurzes Under Armour Sportoutfit springen und loslaufen. Quer durch Bilbao hab ich schnell den Camino gefunden.

Kennt Ihr das, wenn ihr beispielsweise shoppen seid und einen gelben Pulli braucht?! Auf einmal seht ihr nichts anderes als gelbe Pullis. So gehts mir hier mit der Beschilderung. Die Pfeile sind klein, aber wenn man einmal den Blick für sie entwickelt hat, sieht man sie überall. Verlaufen ist eigentlich unmöglich.

Heut gings direkt zweimal etwa 250 Höhenmeter steil hoch und wieder herunter. Ich fühlte mich sehr an 2016 erinnert, da ich damals schon immer geschimpft hab, dass ich jeden Morgen Steigungen überwinden musste.

Der Weg war ruhig, teils durch Kuhweiden, teils an Straßen vorbei, relativ entspannt.

Ich stelle fest, dass ich lernfähig bin. Ich laufe relativ ruhig, lass mich von nix und niemandem stressen – ist ja auch keiner da… 😉 ich laufe bergab langsam, statt das Abfallen zu nutzen und Tempo zu kriegen. Ich mach ne Pause wenn ich mag und lass den Gedanken freien Lauf.

Outfit, Rucksack und ich müssen noch zusammenwachsen auf der Reise. Der Schlüpper rutscht, Tanktop und Shirt waren eindeutig zu warm, der Rucksack sitzt noch nicht ideal… müssen uns noch zurechtfinden.

Sorry Männers, für die direkte und unerotische Beschreibung der Unterwäsche, aber hier ist auch nix mit Erotik angesagt. Die Unterwäsche der Ladies ist hier funktional, nicht schick. Und Girls… Nein, die Farben passen ganz und gar nicht zusammen😉

Ich drifte schon wieder ab. Da seht ihr mal, was man alles hinterfragen kann, wenn man Zeit hat.

Ich bin nun heut ca. 12-15 km gelaufen. Genau kann ich es nicht sagen, da meine Apple watch irgendwann keinen Sprit mehr hatte. Für den ersten Tag relativ chillig. Morgen wirds leichter, weil keine Steigungen anstehen, deswegen erwarte ich morgen mehr Kilometer.

Ich bin in einem Vorort von Bilbao, eher das Industriegebiet und hab mich in ein Hotel einquartiert. Hab schon gewaschen, gebadet, geschlafen und sitze jetzt in der Sonne und lasse den Tag ausklingen. Bin ganz froh, dass man, also vor allem, dass ich mich wieder riechen kann😂

Ich bin ja irgendwie Hotel geschädigt. Früher hab ich als kleines Mädchen bei Oma immer Hotel gespielt. Im Studium habe ich ein Hotel geplant, im Studentenjob bei Stephen Williams und Julia Erdmann war ich im Team für ein Hotel und lange für die Elektroplanung zuständig und was mach ich jetzt? Wir bauen in Ulm ein Hotel. Ich kann also kein Hotel mehr betreten, ohne die Zimmer und Fahrstühle auf den Notausgangplänen zu zählen, die Elektroplanung im Zimmer zu analysieren und kritisieren, und und und… geschädigt für den Rest meines Lebens.

Heut Abend gehts früh in die Heia, morgen darf ich mich wieder ans Hotelbuffet stürzen und dann gehts endlich an die Küste.

Letzte Grüsse heut noch:

Michi Jung: Glückwunsch für den tollen Erfolg in Badminton. Es ist nicht der sonst erwartete und übliche Platz, aber der grösste Erfolg ist, dass du mit deinem alten Sam immer noch solche Prüfungen und solche Erfolge feiern kannst. Das geht nur mit richtigem Horsemanship!

An alle Muddis: in Spanien ist heut Muttertag: happy Mothersday. Schön, dass ihr da seid.

Nun noch der Abreisskalender Spruch und dann bin ich weg:

Stell Dir ab jetzt in den letzten fünf Minuten vor dem Einschlafen eine oder alle der folgenden Fragen:

Wofür bin ich heute dankbar?

Wer hat mich heute wie beschenkt?

Was habe ich heute genossen, was nicht selbstverständlich ist?

Dankbarkeit ändert einfach alles.

Wie wahr! Vielleicht der Denkanstoß für morgen.

Ciao, eure Lotte

Up and Down 2.0

Ein letztes Mal Ruhe und allein für die nächsten Tage. Ich habe gerade mein Hotelzimmer bezogen. Was eine Tortur. Aber nun chronologisch.

Zunächst musst ich feststellen, dass ich diese Gefühle des Up and Down und die entsprechende Überschrift vor etwas mehr als 1 1/2 Jahren bereits einmal hatte. Der Kreis schließt sich also irgendwie.

Ich hab mir heut Bilbao angeschaut. Was eine niedliche Stadt, eingerahmt von einer kleinen Bergkette und durchzogen von einem Fluss. Viele Gassen, viele kleine Tapasrestaurants, unheimlich viele kleine Plätze und Parks mit Spielplätzen. Viele Menschen. Die Stadt ist voll. Unglaublich.

Ich bin direkt zum Guggenheim Museum gelaufen, um mir den Frank Gehry Bau aus der Nähe anzuschauen. Ein beeindruckendes Gebäude der 90er Jahre. Damals gab es noch nicht die Technologien von heut und dennoch hat es eine unheimliche Vielfalt an speziellen Ecken und Kanten. Runder Naturstein, gerundetes Glas, ganz unterschiedliche Räume, wirklich imposant. Hier und da sieht man bei Materialwechsel oder ineinanderschiebenden Wänden, dass der Standard der Technik ein anderer war, dennoch ist es beeindruckend.

Es gibt einige feste Ausstellungen. Die von Richard Serra hat mich besonders beeindruckt. Dieser geschwungene Kortenstahl, die Räume, die so unterschiedlich auf einen wirken. Wirklich toll.

Danach gings auf Hotelsuche. Ich bin fleissig durch die Straßen gelaufen und habe exakt KEIN Hotel auf Anhieb gefunden. Irgendwann kam mir der Tourist Information Desk zur Hilfe mit einer Liste, einer Karte, einer Akkuladestation und auch noch einem kostenlosen Infobuch zum Camino del Norte.

Ein Hotel ausgemacht, im Internet die Bilder gesehen. Für gut befunden. Rein. Bezahlt. Aufs Zimmer…. nach 5 min wieder raus. Zur Rezeption. Beschwert. Nächstes Zimmer. Rein…. Nach 60 sek wieder raus, runter, storniert und raus aus dem Hotel. Solch kleine Zimmer sind mir dank Motel One Erfahrungen ja bereits bekannt. Aber das die dann so stinken müssen?! Ein Mix aus Fluppe, nassem Hund und Raumdeo ist nicht auszuhalten. Nicht mal für mich.

Danach war dann auch bei mir ein Tiefpunkt erreicht. Es war nämlich bereits 20:30. Handyakku war wieder kurz vor leer und die kleinen B&B’s waren fully booked oder hatten keine geöffnete Rezeption. Am Ende hab ich mich in ein grösseres Hotel am Bahnhof einquartiert und bin happy.

Morgen… werde ich das handhaben wie beim Münzwurf. Kommt der Rucksack so rechzeitig an, dass ich nach Logrono komme, mache ich das. Kommt er zu spät, lauf ich einfach den Camino del Norte. Das Schicksal, der liebe Gott, das Karma… irgendjemand entscheidet.

Ich mach jetzt Schluss für heute. Hätt ich meinen Rucksack und entsprechend die Sneakers und noch ein weiteres Tshirt zum Anziehen, hätt ich mich nochmal in den Trubel der Straßen gestürzt, aber mit meinen Wanderboots bin ich heut genug durch die Stadt gelaufen.

Hier noch der Spruch des Tages aus meinem Abrisskalender und ein Spruch, der gut vorbereitet, mindestens für die kommenden Tage.

1.

Ein unschätzbarer Vorteil am Älterwerden:

Du musstest schon zu oft deine Meinung korrigieren, um noch einmal ernsthaft auf den Gedanken hereinzufallen, du hättest jetzt alles verstanden.

2.

Was würde geschehen, wenn wir alle, bevor wir jemanden verurteilen, innehalten und uns fragten: „Was hat dies mit uns zu tun?!“

Ein letztes noch, extra weit unten, damit nicht mehr jeder dabei ist. Jetzt wirds nämlich ein bisschen ekelig und direkt:

Alberto, der Mann an der Rezeption hatte einen riesigen Pickel auf der Stirn. Ich kann immer nicht glauben, dass es Menschen gibt, die die Ruhe und Geduld behalten können und nicht anfangen zu pulen. Man. Der war so 5nach 12. Den kann man doch nicht auf der Stirn lassen. Als Mann an vorderster Front.

5,8 kg?! Sind zu toppen

Szenarien… toll, dass ihr immer mal wieder zur Wahrheit werden müsst…

Ich bin in Bilbao angekommen – aber… Überraschung: mein Rucksack nicht. In meiner kleinen Handtasche befindet sich mein Ladegerät, Kindle, Bargeld und Karten, Bleistift und Notizblock und Taschentücher. Das wars. Das nenn ich leichtes Gepäck!

Ich fahr jetzt in die Stadt, such mir ein Hotel, schlafe heut hier, schau mir die Stadt an und hoffe, dass mein Rucksack morgen früh gleich kommt.

Diese Zwangspause hat mich aber auch auf die Idee gebracht, nicht nach Logrono zu fahren und dort zu laufen, sondern den Camino del Norte zu gehen. Dieser läuft entlang der Atlantikküste. Hier ists natürlich etwas kälter als mitten im Land und sicher ist der Weg auch noch etwas ruhiger.

Ich werd heut abend mal recherchieren und dann entscheiden!

Vielleicht entscheidet das aber auch wieder mein Rucksack. Ich gebe mich seinem Schicksal hin. Um 10 Uhr morgen früh geht mein Bus nach Logrono. Wenn ich den erreiche, bin ich um 12 dort und kann noch ein Stück laufen. Wenn nicht, bleib ich an der Küste.

Regt mich etwas auf? Bin ich genervt, beunruhigt? Gestresst??

Nein. Null. Ich bin völlig entspannt. So etwas passiert. Ein kleines bisschen hab ich es geahnt. Kommt auch nicht drauf an.

Also: heut abend Bilbao! Ich mache noch Bilder und halte Euch auf dem Laufenden. Bitte entschuldigt die Qualität der Fotos. Mein altes Handy und die ebenso alte Kamera sind über ihren Zenit!

Spanien – ich komme!

So. Nun gehts los. Gestern abend musst ich feststellen, dass ich ganz vergessen hatte, mir ein Handtuch zu kaufen. Darüber hinaus ist der Schlafsack auch nicht angekommen. Also musst ich nochmal los… bei den Münchner Öffnungszeiten ist das etwas unentspannter als in anderen deutschen, nicht bayrischen Städten. Also noch zackig zu Decathlon und alles besorgt. Danach war die Packbegeisterung auch schon am Ende.

Heut morgen wurd also zackig alles in den Rucksack gepackt. Irgendwie wurd der Rucksack gar nicht richtig voll. Ich glaube und hoffe, dass ich alles dabei hab: drei Schlüpper, 2 Bh’s, zwei Paar Socken, eine lange, eine kurze Hose, ein langes, zwei kurzärmlige T-Shirts, Turnschuhe, Flipflops, Kosmetik, Pflaster, Sicherheitsnadeln, Taschenmesser, Kindle, Oropax – für mich, und ein paar letzte Kleinigkeiten wie Ladegerät, Regencape, etc…

Ich hab das Jobhandy tatsächlich zuhause gelassen. War gar nicht so leicht. Aber was soll passieren? Es sind eigentlich nur drei richtige Arbeitstage, danach ist Himmelfahrt und Brückentag, an dem eh nicht viel passiert. Und wenn doch irgendwas brennen sollte, hat mein Ulmer Team auch meine private Handynummer.

Ich bin komplett in Under Armour Sportkollektion unterwegs! Keine fancy Reisverschlusshosen, keine Multifunktions-Was-auch-immer, keine Sandalen. Ich könnt so auch auf ein Sportevent – wenn die Kondition mitmachen würde… Kondition… ach ja… das kann noch spannend werden…😊

Am Ende: keine 6 kg. Bin stolz auf mich!!

Mit dem Klassiker von Barry White: „Let the music play“ im Ohr gehts nun in die Lüfte.

Das Erreichen des Anschlussflugs wird gar nicht soo easy, wenn wir weiterhin die Verspätung ausbauen, statt zu reduzieren. Einen Plan, wie ich von Bilbao nach Logrono komme, hab ich auch nicht.. ganz ganz zur Not fahr ich mit dem Zug von Madrid nach Logrono. Wie mein Rucksack dann… ach… denken wir lieber nicht wieder in Szenarien. Es wird schon klappen.

Also… Hasta luego liebe Freunde.

Eure Lotte

die Wehwehchen einer 30-Jährigen

Ist ja wohl nicht wahr!! Kaum fasse ich den Entschluss und buche mir den Flug, gehen die Wehwehchen los. Alte Frau… ist doch kein D-Zug mehr. Ich bin also tatsächlich 30. Es zwickt der Fuss, es zwickt das Bein und dabei mach ich exakt nichts anders als sonst auch. Jetzt war mir die letzten Tage auch noch andauernd übel, ich mocht teils nichts mehr essen und lag zwischendurch völlig schlapp auf dem Fussboden im Büro, weil ich 5 Minuten Pause vom Termin brauchte. – NEIN. Denkt gar nicht dran… „Get your mind out of the gutter!“ Ich bin nicht schwanger. Sicher nicht.

Ich habe vielmehr die beiden süßen Brüder meines noch viel süßeren Patenkindes in Verdacht. Dort war ich am Wochenende und die beiden Kindergartenkinder sind nunmal alte Seuchenschleudern und ich als Nicht-Muddi hab mir die Abwehrkräfte noch nicht angeeignet.

Nun gut – zurück zu den wesentlichen Dingen:

Nur noch einmal schlafen, dann gehts los.

Was ich jetzt habe, hab ich. Was nicht, kann ich mir als gewichtssparend anrechnen. Ich bin ja auch echt nicht aus der Welt. Zur Not kann man auch in Spanien noch ein Pflaster oder ein T-Shirt kaufen.

Der Jakobsweg ist ja eigentlich ein Weg, um zur Ruhe zu kommen und sich zu besinnen, in sich hinein zu horchen. Wie wir bereits feststellen durften, liegt mir das alles gar nicht. Naja – sehr, sehr wenig jedenfalls. Ich sehne mich ja danach, kann es nur nicht.

Im Täglichen, also vor allem im Job, sind die besten Tage eigentlich, wenn 23 Aufgaben gleichzeitig einschlagen und meine Aufgabe es ist, mind. 5-8 Aufgaben gleichzeitig zu jonglieren und immer geht mal eine weg und dafür kommen zwei mehr. Es macht mir Spaß, wenn ich gefordert werde, wenn ich Dinge erarbeiten muss. Am Schönsten ist es, wenn man kleine Zwischenerfolge sieht. Um die Spannung hochzuhalten und die Intensität zu erhalten, brauch ich einerseits Schlaf und andererseits zwischendurch eine kleine Pause. Das mit dem Schlaf ist leider so ein Thema. Auf der einen Seite komme ich nicht zu mehr als 6 Stunden Schlaf. Mein Zug nach Ulm geht um 06:29 Uhr und zurück bin ich nicht vor 19:45. Ich kann und möchte mich ja nicht 90 Min. unter die Bettdecke kuscheln und einpennen. – Ich gebe zu, wenn Fussball läuft abends, ist das schon sehr verlockend, aber ansonsten… 🙂

Auf der anderen Seite schein ich seit einiger Zeit zu schnarchen wie eine alte Dampfmaschine. Ich war schon beim Radiologen – hab da mal von einem super Spezialisten gehört:-) – und bei einem HNO Arzt. Sieht wohl so aus, dass ich an einer kleinen OP nicht vorbeikomme. Bis dahin wandert aber entweder mein Mann oder ich aufs Sofa. Das unterstützt den eh schon eingeschränkt erholsamen Schlaf noch deutlich weiter ein. -Ob ich wohl für meine Mitstreiter auf dem Jakobsweg eine Großpackung Oropax einpacken sollte?!

Nun brauch ich also ab und zu solche Pausen, zum Abspannen, Stresspegel runterfahren. Diese Jakobsweg Etappe ist nur kein Trip mit schicken Hotels und guten Betten und erholsamen Schlaf. Es ist mehr das Mentale, dass zur Ruhe kommt, wo ich auf Reset drücken kann. Ich bin sehr gespannt, wie das klappen wird.

Ein letztes noch für Heute:

Ich habe zum Geburtstag einen coolen Abrisskalender erhalten: Seelenquickies von Veit Lindau. Der Kalender steht normalerweise auf meinem Schreibtisch im Büro und begleitet mich jeden Tag. Für die kommende Woche habe ich die Sprüche tatsächlich eingesammelt. Einige sind klasse und wirklich ein Teilen mit Euch wert. Heut hab ich allerdings zwei Sprüche der letzten Tage dabei, die mir besonders gut gefallen haben:

1. „Als Mensch zu wissen, was du wirklich-wirklich willst, befreit dich und fokussiert deinen so mächtigen Geist auf das für dich WESENtliche.“

2. „Stürze dich ins Leben. Wild oder leise, auf deine Weise. Verwandle jeden Tag einen kleinen, verrückten, magischen Impuls in eine echte Handlung. Verabschiede dich von dem Glauben, dass du Fehler dabei um jeden Preis vermeiden müsstest.“

Das sind zwei Sprüche, mit denen ich wunderbar in die kommende Abenteuerwoche starten kann.

Btw: ich hab immer noch keinen Plan, wie ich von Bilbao nach Logrono komme…

Hasta luego Freunde.

Eure Lotte

von Regeln zu Luftschlössern

Der Rucksack liegt parat, die Sportklamotten und die Wanderstiefel sind ebenfalls abfahrbereit. Es ist echt nicht mehr lang hin, deswegen fang ich langsam an, mir Gedanken zu machen, wie alles werden kann. Möchte ich mir Regeln setzen? Ist das notwendig? Soll ich nicht lieber das machen, wonach mir ist??

Nehme ich mein Jobhandy mit, um mal zwischendurch die Mails zu checken?? Stresst das? Befreit das dann überhaupt den Kopf?

Erlaube ich mir, auf dem Weg auch mal Musik zu hören? Musik hat ja etwas ganz emotionales an sich. Jeder hat Songs, mit dem er etwas verbindet. Ist das gut oder eher verwirrend?

Telefoniere ich mit Zuhause? Mal abgesehen von meinem Ehemann, natürlich.

Nehme ich mir etwas vor? Zum Beispiel jeden Tag zu meditieren? Ich übe das gerade mit einer neuen App.

Ich habe mir Blinkist gespeichert und das Premium Abo gegönnt. Nutze ich den Tag und lese jeden Tag ein Buch? Ich könnt hier von meinen Erfahrungen zu dieser App schreiben.

Soll ich ein Notizheft und Bleistift mitnehmen und mir Zeit nehmen, um mal wieder zu zeichnen? Immerhin hab ich hier noch echt Aufhol- und Übungsbedarf.

OH MAN… TYPISCH LOTTE.

Ich möchte so viel machen. Ich weiß nicht, ob ich dann vielleicht die Ruhe und das Runterkommen aus den Augen verliere, wenn ich meine Tage jetzt schon wieder durchtakte. – Was heißt hier eigentlich „aus den Augen verlieren“?? Ich weiß doch nicht mal, wie Ruhe und Runterkommen funktioniert.

Ich kenne es nicht anders. In den intensivsten Zeiten meiner Jugend hatte ich 2 bis 3 mal die Woche Ballett, eine Stunde Flötenunterricht, eine Stunde Klavierunterricht, 2mal die Woche Posaune und GANZ nebenbei noch 2-3 Pferde zu reiten. Ach… und Schule… naja. Ich war jedenfalls körperlich anwesend.

In der Ausbildung waren es NUR noch zwei Pferde, der Trainingsweg zur EURO und nebenbei kam leider viel Krankheit dazu. Im Studium waren es immer noch 1-2 Pferde, weniger Leistungsanspruch an die Reiterei, dafür mit cooleren und zeitintensiveren Turnier-Trips quer durch Europa. Hinzu kam noch viel mehr Anspruch an mich und meine Studienleistung.

Die Lebenseinstellung und Gabe, die manche haben, in den Tag hineinzuleben, sich treiben zu lassen, ist mir leider fern. Ich versuche es immer wieder mal, merke auch, dass ich mich mal treiben lassen kann. Es bedarf aber einem Bewusstsein, einer bewussten Entscheidung, mich an einem Sonntag treiben zu lassen, nicht zu wissen, was der Tag so bringt. Ein Tag im Bett zum Serien schauen?! Ohne schlechtes Gewissen, die Zeit nicht effektiv genutzt zu haben?! To Dos auf die lange Bank geschoben… MORGEN?! Ist so in diesem Umfang noch nie passiert. Entweder ich hatte danach ein schlechtes Gewissen oder hab vorher abgebrochen, um doch mind. eine Aufgabe abzuarbeiten oder war krank und gezwungen, im Bett zu bleiben und konnte es entsprechend nicht genießen.

„Heute gehen wir gar nicht raus. Wir bleiben im Pyjama zuhaus. Nur wir zwei, wie im Traum und Columbo schauen!“ (Lyrics von Wanda, Song: Columbo)

Ein Luftschloss. Ich finds ja schön und doch ist es so fern…

Fazit: größtes Ziel eines jeden Tages auf dem Jakobsweg: einen Schritt vor den anderen zu setzen und ansonsten keine Ziele, keine Pläne, keine To Dos. Ich werde mich treiben lassen und das machen, was mir in den Kopf kommt, worauf ich Lust habe. Kein Ziel, keine Vorgaben. Nix. Eine bewusste Entscheidung zum Nichts tun – mal abgesehen von ca. 20 km pro Tag mit einem ca. 8 kg schweren Rucksack. Das soll einfach mal genügen.

 

Next Steps

Nun stehen die nächsten vorbereitenden Schritte an. Der spontane Trip will ja trotzdem vorbereitet und organisiert werden. Ich hatte mir ja eigentlich beim Ende der letzten Reise vorgenommen, beim nächsten Wiederkehren vorher ausreichend trainiert zu haben. Das wird aufgrund der Spontanität nun leider nichts. Es wird schon irgendwie gehen. Müssen.

Next steps: Reise, Wetter, Packen.

Die Reise:

Der Flug ist gebucht. Es geht diesen Samstag nach Bilbao und von dort aus mit dem Bus nach Logrono. Ich hab im Moment noch keine Ahnung, wie genau ich die Strecke vom Flughafen zum Startpunkt in Logrono bewältigen werde. Ich weiß nicht mal, ob ich sie jetzt schon plane oder es einfach auf mich zukommen lasse. Ganz nach dem Motto: „Der Weg beginnt vor Deiner Haustür. Lauf los.“ – vielleicht lass ich alles auf mich zukommen und schau worauf ich dann Lust habe. Vielleicht bleib ich auch erst in Bilbao, schau mir die Stadt an und fahre früh am Sonntag los. Mal sehen.

Am 15. werde ich von Bilbao zurückfliegen. Die Rückreise, also jedenfalls zurück zum Flughafen, steht noch viel mehr in den Sternen, da ich ja nicht weiß, wie weit ich komme. Auch das wird dann schon irgendwie klappen.

Wetter:

Die Wettervorhersage war anfänglich noch eher wechselhaft. Je näher wir an das Abreisedatum kommen, desto eher habe ich wohl eine Chance auf Sonne und 20 bis 25 Grad. Mein Bräunungslevel hat durchaus noch Steigerungsbedarf. Ich will ja nicht nur zur Ruhe kommen, den Kopf ausschalten, sondern wenn möglich auch erholt aussehend nach Hause kommen.

Packen:

Die Liste steht. Einen Rucksack habe ich nicht, darf ihn aber von meiner lieben Freundin und Kollegin Katharina leihen. Jetzt muss ich die Kleidung checken und ggf. noch ein super-duper Multifunktions-T-Shirt besorgen. Ich weiß noch nicht, wo mein Reiseführer und mein Pilgerausweis steckt. Außerdem muss ich noch schnell einen leichten Schlafsack bestellen. Alles andere fliegt hier in der Wohnung umher und muss nur zusammengesammelt werden.

 

Warum eigentlich?

Ich fasse es immer noch kaum. Es geht echt los. Das nenn ich mal eine spontane Planung.

Ich hab mich gefragt, warum ich da eigentlich so Lust drauf habe.

Wenn ich mal ganz ehrlich mit mir bin: Vor dem ersten Jakobsweg Trip ’16 habe ich alles in mir vereint, dass sich gegen einen solchen Trip sträubt: Ich fand Wandern grausig, Rucksack Trips waren nichts für mich, tagelang in den selben Klamotten halt ich schon länger aus als andere, aber auch ich habe Grenzen, ich schlafe nicht sonderlich gern in Großraum Schlafräumen und finde Großraumduschen eher abschreckend.

By the way… ich muss mal was loswerden: Wieso wird in Teenie Filmen immer dargestellt, dass pubertäre Jungs sich über einen Blick in eine Frauen Sammeldusche freuen?? Mal ganz im Ernst! Es gibt aus meiner Sicht vermutlich nichts „Ent-Erotisierenderes“ als Sammelduschen. Dank meiner Begeisterung fürs Schwimmen hab ich ja leider häufiger das Vergnügen, als ich mir wünschen würde. Ich muss hier wohl mal mit dem Klischee aufräumen – für alle Männer und pubertierende Jungs: Frauen-Sammelduschen sind nicht sexy. Alles andere als das. Man sieht definitiv viel zu viele Dinge, die man nie sehen wollte – glaubt mir… NIE!!

Ich komme also zurück zu meinen nicht vorhandenen Eigenschaften für einen solchen Trip. Ich habe mich über all meine Vorurteile und Gefühle hinweggesetzt und meinem Wunsch nach dieser Erfahrung den nötigen Raum gelassen. Ich wollte diese Begeisterung für diesen Weg, den so viele schildern, auch erfahren wollen. Ich wollte mitreden können, den Zauber spüren. Nun war ich da und kann nur sagen: Auch mich hat das Virus gepackt. Die Tatsache, zur Ruhe zu kommen, einfach nur zu laufen, allein zu sein und sich zu keinem Zeitpunkt allein zu fühlen, ist unfassbar spannend. Es gibt ein unfassbares Gefühl von Teamgeist. Man teilt miteinander, man unterstützt sich, es gibt keinen Wettkampf, ein besonderes Miteinander. Tatsächlich hat mich aber auch der Weg durch die Natur gefesselt. Man hat auf einmal so viel Zeit, sich alles anzuschauen, Zeit, sich besondere Lichteinfälle, schöne Natur ganz genau ins Gedächtnis zu speichern und davon zu zehren. Die mediterranen Länder wie Spanien und Italien laden mich seitdem auf eine besonders geheimnisvolle Art immer wieder ein, loswandern zu wollen.

Diese Erfahrung im Zwischenmenschlichen und diese Ruhe zum Kopf abschalten sind die treibenden Kräfte für einen solchen Trip. Dieses besondere Gefühl habe ich nie vergessen. Es hat vermutlich mehr in mir verändert, als ich es bis heute wahrnehmen kann. Entsprechend kann ich es kaum erwarten, dort wieder hinzukommen.

Schnell noch ein letztes Resümee zu meinen Veränderungen meiner nicht vorhandenen Eigenschaften: Das Wandern hat mich seitdem gepackt, ich komme leider nur viel zu selten dazu. Das Thema mit der Rucksack-Reise ist gar kein Problem – ich könnte mir mittlerweile sogar Back-Pack Touren vorstellen. Der Abenteuergeist wurde auf jeden Fall geweckt. Das Thema *selbe Klamotten über viele, viele Tage* wird weiterhin eine Schwierigkeit sein. Ich habe nicht ohne Grund einen riesig vollen Schrank. Großraumduschen und Großraum-Schlafsäle?! Naja… mal sehen.

 

 

 

2. Chance

Auf ein Neues.

2016, in der Zeit von Juli bis Dezember, zwischen Studium und Job, habe ich entschieden, unbedingt mehr aus meinen Hobbies zu machen und eine Blog-Website eingerichtet, gemeinsam mit meiner Freundin Fibi einen Namen ausgedacht und von Leonie Herzog ein Logo erstellen lassen. Ich wollte die Freude am Erzählen und Schreiben mit der Begeisterung und dem Interesse an Architektur, Kunst und Mode vereinen und Artikel posten. Das sollte für mich eine Chance und ein Ansporn sein, mich noch mehr zu informieren, einzulesen und vor allem weiter zu lernen und mitzunehmen, mich fortzubilden.

Was ist draus geworden… ganz nüchtern und ehrlich? NIX!

Ich habe eine schöne Plattform erstellt und damit begonnen, über meine Erfahrung des Jakobswegs zu schreiben. Danach kamen andere schöne Dinge, über die es sich zu schreiben lohnte: Nähkurse, Reisen nach Chicago und New York, Fahrten durch Deutschland und vieles mehr. Eigentlich waren genau diese Reisen großartige Einstiegsmöglichkeiten, anzufangen und doch: Hab ich es nicht getan.

Ich weiß auch warum… Ich leide unter einer Krankheit: Ich leide unter Interessionitis! Das ist eine krankhafte Form des viel zu großen Interesses an viel zu vielen Dingen. Ich möchte gern so viel machen und schaffen und erarbeiten und lernen und erleben, doch mein Tag hat gar nicht so viele Stunden, meine Woche nicht genügend Tage, mein Jahr nicht genügend Wochen. Wie schon Julia Engelmann in Ihrem berühmten Gedicht gesagt hat: „Ich nehm mir zu viel vor und mach davon zu wenig!“ Bei mir liegts allerdings weniger an der Antriebslosigkeit, sondern viel mehr an viel zu vielen Ideen und Möglichkeiten und meinem eigenen Anspruch, das Angefangene auch gut und vollumfänglich zu machen. So oder so… der Blog ists bisher nicht geworden. Wer weiß.. Eines Tages…

„Eines Tages, Baby, da werden wir alt sein, oh Baby, werden wir alt sein und an all die Geschichten denken, die wir hätten erzählen können.“    – Dann seh ich mal zu, dass mir das nicht passiert!

Bis zum jetzigen Zeitpunkt kam noch etwas dazwischen – ich hab also noch eine gute Ausrede.

Im Januar 2017 war ich nicht mehr Student und auch nicht mehr arbeitlose Lebensgenießerin. Mein Job begann. Ziemlich schnell kamen ziemlich viele Aufgaben auf mich zu. Interesse? Groß. Aufgaben? Groß. Lerneffekt? Ebenfalls groß! Eigener Anspruch: kaum zu schaffen.  Ab da also volle Power in den Job.

Der Blog? …Ach ja… da war irgendwas…

An den war einfach nicht mehr zu denken.

Bis heute – April 2018 – hat sich eigentlich nichts verändert. Ich bin immer noch im selben Job, habe immer noch viel zu tun und habe nebenbei immer noch die Begeisterung fürs Schreiben und für Architektur, Reisen, Mode, Politik und vieles mehr.

Warum schreib ich jetzt?

Weil ich spontan entschieden habe, in etwa einer Woche wieder auf den Jakobsweg zu gehen. Ich kann es kaum erwarten und denke, dass dies weiterhin eine ideale Plattform ist, um darüber zu berichten, meine Gedanken und Erfahrungen niederzuschreiben und gleichzeitig Freunde und andere Interessierte daran teilhaben zu lassen.

Vielleicht dient dies auch als Neuanfang und ich nutze die neue Chance und fange an zu bloggen. Es fehlt mir ja nicht an Material, nur an der Zeit.

Ich freu mich also, wenn ich nun neue Leser hinzugewinne und alte Leser wieder einschalten.

Begleitet mich, folgt mir. Ich freu mich.

Nun gehts in die kurzfristige Vorbereitung!!

Drückt mir die Daumen.

Eure Lotte