Abenteuer Segeln

Das nächste Abenteuer ist schon wieder vorbei: Eine Woche Segeln im Saronischen Golf.

Ganz bewusst wurde in der Zeit mal nicht wie wild geschrieben und berichtet, sondern die Zeit auf sich wirken lassen.

Viel schöner ist es nun, dass ich mich an die Tage und die Besonderheiten erinnern kann, um erneut ein kleines Resumee zu schreiben.

Ich finde für die Zeit Überschriften wie:

Camping auf hoher See. Teamwork. Griechische Mentalitäten. Umwelt. Symbolik. Chaostag und vieles mehr.

Wir haben es wieder geschafft, 7 Nächte allein auf etwa 50 qm, innen und außen zusammen gerechnet, zu verbringen, ohne uns an die Gurgel zu gehen. Wir haben sogar gemeinsam sämtliches Chaos bewältigen können und waren trotzdem ruhig und entspannt miteinander. Vermutlich hat die Zeit in den Bergen einen großen Teil zu Ruhe, Gelassenheit und Entspannung beigetragen, trotzdem war es hin und wieder, aufgrund der Ereignisse, eine Herausforderung, die wir gut gemeinsam gemeistert haben.

Als wir am Samstag das Schiff übernahmen, musste erstmal eingekauft werden. Sämtliche Boot-Teams luden ganze Taxi-Kofferräume voll Einkäufen auf ihr Schiff. Wir ließen uns davon leider etwas beeinflussen, weshalb wir ebenfalls für schlappe 400€ zwei Einkaufswagen voll eingekauft haben. Was sind wir froh, dass wir auf Naxos in einer Ferienwohnung sind und die meisten Sachen mitschleppen können…🙈

Wir haben erneut eine Reise unternommen, die wir beide in dieser Form so noch nie gemacht haben. Alex war vor langer Zeit als Jobanfänger für ein paar Wochen auf einer Super Yacht und ich hab entweder mit Papi auf einem Hobie Cat die Meere unsicher gemacht oder mit meinem Bruder in Cinque Terre nen Party-Wochenendtrip mit Wasserbomben-Schlachten auf einem Segelboot erlebt. Dass allerdings wir beide, allein, ohne andere Unterstützung, ein Segelboot durch das Mittelmeer steuern, hätten wir auch noch nicht geglaubt, als wir letztes Jahr unseren Segelschein auf dem Ammersee bestanden haben.

Allein?! Naja… Sonntag, bei der Abreise stieg George, ein Skipper und somit unser Trainer, mit aufs Boot und blieb bis Montag Abend. George war eine coole Type, mit dem wir die Zeit sehr genossen haben, im Backgammon gewannen und verloren und viel über Motoren jeglicher Art philosophiert haben – also die beiden Jungs. Er war aber vor allem die größte Hilfe, um zu lernen, wie man ankert und sich mit den ganzen anderen Schiffen verständigt und ausweicht. Es ist nämlich nicht so, dass alle die Vorfahrtsregeln auf der See beherrschen…

Zwei Motor-Philosophen
Alex hat super eingeparkt

Danach waren wir auf uns allein gestellt und haben auch die Tage ziemlich gut gemeistert. Wir haben wunderschöne Buchten angesteuert, viel geschwommen, ich habe eine große Schildkröte vor Poros gesehen, wir haben viele niedliche kleine Örtchen und Inseln kennengelert und unsere völlig ungeplante Route sehr genossen.

Einen Tag des Chaos gab es allerdings auch. Er begann bereits damit, dass die Toilette mal wieder nicht funktionierte und auch die Außendusche nicht mehr mitspielte, ging über in ein Yoga-Terminchaos mit Deutschland, da ich erst jetzt begriffen hatte, dass wir in Griechenland eine andere Zeitzone haben. Das Chaos nahm seinen Lauf, als im alten Hafen von Spetses unser Anker von der Kette fiel und im Wasser versank, wir seitwärts anlegen und dann Hafenpolizei, Taucher und andere griechische Mithelfer um uns hatten, bis wir den Anker wiederfanden. Nicht zuletzt ging uns auf dem Rückweg zum Schiff auch noch der Sprit aus und Alex musste barfuss auf heißem Teer zum Schiff joggen, um den Tank zu holen. Als wir dann noch die vermeintlich schlimmste Nacht wegen extremen Schwell im Hafen neben den Super Yachten hatten und uns fühlten, als kämen wir aus einer Waschmaschine, fuhren wir am nächsten Morgen bereits um 06:30 Uhr los, zur nächstgelegenen Bucht, um wieder klarzukommen. Am Ende waren wir aber happy, dass wir alle Probleme lösen konnten und zu keinem Zeitpunkt die Nerven verloren haben.

Der Tauchfund

Der Urlaub auf einem Segelschiff scheint für viele ein Statussymbol zu sein. Dass diese Reise allerdings eher einem Camping-Urlaub auf dem Wasser gleicht, wird gern ausgeblendet oder durch viel zu teure, größere Schiffe ausgeglichen. Unsere „Toni-lino“, wie wir unser Schiff heimlich genannt haben, war keine 12 m lang, hatte ein häufig nicht funktionierendes Klo, dass einen Schwarzwassertank produziert und somit auch geleert werden muss. Klopapier darf nicht in die Kloschüssel, sondern muss gesondert in einen Eimer. Es hatte eine solche Standhöhe innen, dass ich, mit 1,87m Körpergrösse, nur im Bereich der Küche gerade stehen konnte, mir ständig den Kopf an den Türen stieß und in der Dusche Training im Wandsitzen machen musste. Wir hatten keine „AC“, wie all die anderen Schiffe und hatten nachts das Vergnügen von Dieselgeruch und/oder Hitze begleitet zu werden.

Groß. Größer. Am Größten.
Wir sind das kleine Segelboot in der Mitte

Bitte nicht falsch verstehen: ich möchte nicht undankbar klingen, ganz im Gegenteil. Die Reise war großartig, mit ein wenig oder etwas mehr Krängung von Insel zu Insel zu hoppen, die Segel zu setzen, traumhaftes Wetter zu haben und so viel zu sehen und zu erleben. Es ist allerdings nicht so shiny, wie die Meisten denken.

Alles in allem war es eine großartige neue Erfahrung, hat uns viel gelehrt, wir durften unter schönsten Bedingungen wieder neue Leute kennenlernen und die gemeinsame Zeit sehr genossen. Wir sind froh, dass wir dieses erste Experiment allein angegangen sind, doch ab dem nächsten Jahr schaffen wir das sicherlich auch mit freundschaftlicher Begleitung.

Quallen Familien
Segel sind gesetzt

Dankbarkeit so weit der Horizont reicht

Nach zwei Tagen zwischen Menschenmassen in Venedig, mit Dusche, normalen Toiletten, dauerhaftem Strom und ausgiebigem Essen konnte ich die Reise von Hinterriss nach Alleghe nochmal Revue passieren lassen.

Ganz klar ist, dass die Reise großartig war, wir die Tage nicht missen wollen und bereits Ideen haben, wo man als Nächstes entlanglaufen könnte.

Kennt Ihr das, wenn Ihr am Strand, am Pool oder sonst wo liegt und Euer Kopf ist trotzdem die ganze Zeit am Rotieren, wo Ihr womöglich was vergessen habt, der Job gerade steht, was Ihr womöglich Euren Kollegen noch sagen müsst oder was Ihr für Vorsätze habt, wenn Ihr wieder zu Hause seid?? Im Vergleich zum üblichen Ausruh-Urlaub ist dieser lange Hütten-Hopping Trip eine besondere Art der Entschleunigung und des Kopf ausschaltens. Solche Gedanken wie am Strand kann man sich gar nicht machen. In den ersten Tagen ists eher eine Art Überlebenskampf mit seinem Körper und all den Schmerzen, die man fühlt. Da ist keine Zeit für Gedanken in den heimatlichen Alltag. Wenn auch noch der Telefonempfang fehlt, gibts auch keine Mails zu checken. Es gibt keine Eile, keine Termine, keinen Stau oder andere Stressfaktoren des Urlaubs.

Die Hütten und entsprechenden Umstände auf 2000 m und höher bringt einen in einer besonderen Weise auf den Boden der Tatsachen zurück. Dort wird uns gelehrt, dass es eben doch nicht normal ist, von dauerhaftem Strom und Annehmlichkeiten wie Wasser, Duschen und Toiletten ausgehen kann. Vielmehr korrigiert es die Sichtweise, sodass man auch hierfür immer mal wieder dankbar sein darf.

Die Ruhe in den Bergen ist ein Geschenk. Das bekommt man vielleicht noch in seinen eigenen vier Wänden, sofern man die Nachbarn nicht hört, aber ansonsten ist immer Trubel um einen herum. Diese Pause ist einige Wege und Tage wert. Darüber hinaus erweitert dieser weite Blick, die massiven Bergketten und die frische Luft den eigenen Horizont auf eine ganz besondere Art und Weise.

Zu guter Letzt mag die italienische Kultur zwar manchmal anstrengend sein, wenn die riesen Gruppen so laut quatschen, mit ausgestreckten Arm „facetimen“ und dabei Berge besteigen oder sich weigern, auch nur ein Wort englisch zu sprechen. Trotzdem glaub ich, dass man sich einiges abschauen kann, von der Geselligkeit, der Offenheit und dem Miteinander. Es wirkt, als seien nicht so viele Menschen einsam, weil alle irgendwie schnell Anschluss finden.

Rundum hat diese Reise so seine Aufgaben, Hürden, aber auch besonderen Facetten, die diesen Trip so unverwechselbar und glücklich hat werden lassen.

Ich bin dankbar, dass ich diese Erfahrung machen durfte, wir das gemeinsam erleben konnten.

Ich bin dankbar für den Luxus, in dem wir leben, in dem alles abrufbar ist.

Ich bin dankbar, dass wir gesund sind. Ich bin dankbar für diese vielen netten Leute, die wir kennenlernen durften.

Schee wars😉

Hard Facts, Fun Facts, Fake Facts

Wie viele Tage gelaufen? 15 Tage.

Start: Gasthaus zur Post in Hinterriss

Ende: Rifugio Tissi

Wie viele Kilometer? Ca. 236 km

Höhenmeter? Hoch und runter zusammen ca. 30.000

Höchster Punkt: 2962 m, vor der Rifugio Boe.

Im Schnitt pro Tag ausgegeben? Ca. 100 € p. P.

Zu viel Gewicht? Ja, ca. 1 kg, aufgeteilt auf zwei Rucksäcke.

Stürze: Einer

Blaue Flecke: zwei

Wie oft geheult? 3 mal

Lieblingshütte von Lotte: Olpererhütte

Lieblingshütte von Alex: Glungezer Hütte

Bester Ausblick: Nives-Scharte

Bester Kaiserschmarrn: Olpererhütte

Bestes Schnitzel: Pfitscher Joch Haus

Beste Dusche: Pfitscher Joch Haus

Tiere gesehen? Ja. Murmeltiere. Ziegen. Schafe. Kühe. Alpenkrähen, Esel, Pferde, Stechmücken, Bienen, Schmetterlinge, Rehwild, uvm.

Würden wir wieder so eine Tour machen? Auf alle Fälle. Neue Ideen wurden schon gesammelt.

Würden wir es weiterempfehlen? Ja.

Highlights: Der nackte Mann. Die Nives-Scharte. Viele nette Mitwanderer.

Ein schwerer Rucksack voller Wehmut

Tag 16 – Montag

Es kann schon verflucht kalt sein, in den Bergen, um 08:00 Uhr morgens, auf 2260 m.

Als wir heut Morgen losgelaufen sind, waren es ganze 6 Grad. Die Schuhe waren vom gestrigen Trip noch nicht wieder trocken, aber zumindest schien die Sonne.

Klar, dass ich am letzten Tag, 20 Meter hinter der Hütte auf einmal mit dem Po in dem Geröll sitze. Bis hierher sind wir sturzfrei geblieben und dann hauts mir die Füsse weg.

Aufgerappelt, Krone gerichtet und weiter gehts…

Das Wetter war wirklich dankbar, ein schöner Sonne-Wolkenmix strahlte über die Bergketten und wir… wir wurden wehmütig und sentimental.

Die letzten 15 Tage waren schon besonders. Die Reise hat uns wirklich besonders gut gefallen. Wir haben uns gefreut, so viele nette Leute kennengelernt zu haben, so viele Tage wunderschönen Wetters in den Bergen erleben zu können, fit, gesund und munter zu sein. Wir haben immer wieder Grenzen gesehen, uns davon nicht ausbremsen lassen und somit alle Ziele erreicht. Wir haben so viele tolle Momente erleben können und so wunderschöne Ausblicke genießen dürfen.

Wir haben sogar mitten in den Bergen, mit Blick auf die Gipfel und die spielenden Murmeltiere kurz überlegt, einfach weiterzulaufen.

Wer hätte am Anfang unserer Tour gedacht, dass wir am Ende kaum aufhören wollen zu laufen.

Wir sind dann aber doch die 7 km zurück zur Gondel gelaufen und haben auf der Berghütte, zu einer Hollunderschorle, nun das Wandern beendet und den nächsten Urlaubsabschnitt eingeläutet. Es geht heut nach Venedig und Donnerstag wieder heim. Danach wartet ja schon das nächste Abenteuer auf uns.

Die Reise nach Venedig stellte sich dann zwar schwieriger raus, als gedacht, weil Busse nicht kamen oder nicht dorthin fuhren, was sie oben anzeigten und wir auch noch einen Zug verpassten. Meckere mir nochmal jemand über den deutschen ÖPNV und Fernverkehr.

Morgen gehts durch die Gassen von Venedig. Zunächst werden wir uns etwas einkleiden und dann die Attraktionen der Lagunenstadt erarbeiten. Im Laufen sind wir ja bereits geübt.

Servus und Ciao.

Nasse Angelegenheit

Tag 15 – Sonntag

So eine ausgiebige, dauerhaft warme, kostenlose Dusche weiß man erst zu schätzen, wenn man schonmal minutenweise die Euros außerhalb der Dusche in einen Kasten werfen musste. Entsprechend hab ich die Dusche im Hotel richtig genossen und mich danach wieder wie ein Mensch gefühlt.

Heut Morgen wurde nun auch ein Plan gemacht. Wir laufen heut hoch zum Rifugio Tissi und am nächsten Tag irgendwo wieder ab, steigen in einen Bus und fahren nach Belluno. Von dort gehts, nach einer kleinen Pause, weiter nach Venedig. Heut also letzter richtiger Wandertag und danach etwas italienische Dolce Vita, bevor es heimgeht und zum nächsten Reiseabenteuer.

Also wurde ausgiebig gefrühstückt und dann von Sottoguda nach Alleghe gelaufen, im Anschluss gings hoch zum Refugio Tissi.

Leider war das Wetter heut mehr als durchwachsen, sodass wir bereits um 10 Uhr die erste Kaffeepause machen mussten, um abzuwarten, bis das Gewitter vorbeizieht.

Nach ca. 10 km in Alleghe angekommen – eine der unspektakulärsten Abschnitte unserer Reise – fing es natürlich direkt wieder an zu regnen. Also sprangen wir in die Gondel und ließen uns zur Mittelstation hochbringen.

Oben angekommen, erstmal wieder Halt in der Hütte – Mittagessen und wieder abwarten, bis der Regen aufhört.

Dann ging es los… wollen wir nicht heut schon abbrechen und direkt nach Venedig? Dort wären jetzt 28 Grad und Sonne. Nein, wir ziehen das durch.

Oder wollen wir doch los? Wann geht der nächste Bus…

Es hörte also eine Sekunde auf zu regnen und wir liefen los. Nix, wieder runter nach Venedig… Abmarsch nach oben. 7 km, knapp 700 Höhenmeter hoch und ca 380 Höhenmeter herunter, gut 3 Stunden. Da bleiben wir ja nie trocken.

So kam es auch. Entweder war es zu warm und wir waren von innen nass oder es lief unter unseren Füssen das Wasser entlang der Wege oder es kam von oben. Gern auch alles drei zusammen.

Kurze Regenpause
Wie Sie sehen, sehen Sie nix

Einer der beiden Steinböcke wollte aber nach oben, die andere zog also mit.

Endlich oben angekommen – zu Pausen lud der Weg und die Umstände ja leider nicht mehr ein – saß Sebastian nun dort, seit ein paar Tagen mit seiner Frau on tour.

Die Leute auf der Hütte waren alle freundlich, alles andere war etwas kalt. Also zacki aus den nassen Sachen raus, rein in trockene und dann wurden Karten gespielt und zu Abend gegessen.

Das Duschen haben wir uns gespart, nachdem wir gesehen haben, dass es nur stehende Toiletten gibt. Für Männer ja vielleicht ganz witzig, für Mädels echt nur mühsam. Heut morgen war ich noch dankbar für die Dusche, heut Abend auch noch für eine simple Kloschüssel.

Immerhin gabs nen Vierer-Zimmer für uns zwei.

Wir hoffen also auf gutes Wetter am nächsten Morgen, damit wir zumindest auf einem Weg sehen können, was um uns herum ist. Wir werden die selbe Strecke wieder zurücklaufen, weil es sonst keine Bushaltestelle in der Nähe gibt.

Wir trocknen also noch ein bisschen.

Liebe Grüsse,

Alex und Lotte

Das Gefühl von Auslaufen

Tag 14 – Samstag

Heut war ein durchwachsener Start in den Tag. Nachdem es in der Nacht sooo krass gewittert und gestürmt hat, hingen auch noch am Morgen die Regenwolken über den Bergen. Das Frühstück war auf ein Genaustes abgezählt, satt wurde eigentlich niemand. Trinkwasser gabs auch nicht aus dem Hahn. Alles etwas mühsam.

Wir ließen uns dennoch Zeit und warteten noch eine Stunde, bis sich die Sonne zeigte und liefen dann los. Draußen war es mittlerweile trocken, aber unglaublich kalt und windig. Also wurde geflitzt, um warm zu werden.

Nach den ersten 40 Minuten schien nun endlich die Sonne und wir genossen einen Kaffee an der Pordoi Scharte.

Danach ging es steil bergab.

Den wütenden Wirt oben an der Scharte haben wir noch die halbe Strecke über nach unten gehört. Was auch immer in ihn gefahren ist, er war sauer, stand oben an seinem Lebensmittelaufzug und schimpfte lauthals ins Tal hinunter.

Wir hatten uns heut mal vorgenommen, die Tour zu genießen und eher mal ne Pause zu machen, als durchzuhetzen. Entsprechend gabs an dem Pordoi Joch, einem kleinen Touri-Ort und Startpunkt für Tagestouren eine Hollunderschorle.

Danach gings hoch – entspannte ca 250 Höhenmeter, weiter Richtung Rifugio Viel dal Pan. Das ganze Gebiet ist sowohl im Sommer als auch Winter gut erschlossen und läd zu Tagestouren und im Winter zum Ski fahren ein. Entsprechend waren zwar viele Tagestouristen unterwegs, es gab aber auch genug Platz für alle.

Was auffällt: die Italiener haben Hunde und die Hunde kommen mit, überall hin. Mit Wanderschuhen an den Pfoten oder Ohne, im Rucksack oder an der Leine, mit oder ohne Maulkorb, groß oder klein. Überall sind die Hunde mit an der Leine.

Am Viel al Pan gabs die nächste Pause: Mittagessen stand an.

Ab jetzt: Marsch nach unten. Wir müssen hinunter ins Tal und verlieren unsere ganzen Höhenmeter. Es ging also, die ganze Zeit mit Blick auf den Marmolada, nach unten zum Lago die Fedaia, einen Stausee, der ziemlich leer wirkte. Von dort ging es über schneefreie Pisten, entlang von stillgelegten Schlepp- und Sesselliften immer weiter hinunter.

Unser Ziel war heut ein Hotel in Sottoguda. Das ist etwa die Hälfte der nächsten Etappe, sodass wir hier 1 1/2 Etappen laufen können, um etwas schneller zu sein.

Leider war ein Teil des Weges gesperrt, sodass wir entlang der Passstraße und durch Tunnel laufen mussten. Spätestens da merkte man, dass den Italienern das Auto eindeutig wichtiger ist, als der Fußgänger😉

Alex war langweilig. Das waren zwar in Summe 18 km, aber nur bergab und auf komischen Wegen, sodass es nichts zu tun und zu gucken gab. Wer hätt am Anfang gedacht, dass wir uns auf ansteigende Wege und Klettersteige freuen. Wir fühlen aber auch, dass das Ende dieser Reise naht. Heut müssen wir planen, wie die kommenden Tage aussehen sollen, entscheiden, wo wir in den kommenden Nächten schlafen.

Sottoguda hingegen war ein wirklich niedliches Örtchen, abgeschieden von der Hauptstraße, alten Bauernhäusern und noch gepflasterten Wegen und Straßen, wo nur selten ein Auto durchfährt, eine kleine, weiße Kapelle in der Mitte und das Rauschen eines Bachs. Es konnt kaum niedlicher sein. Dort haben wir in einem kleinen Hotel geschlafen, dass ein wirklich schönes Zimmer für uns hatte, sowie Abendessen und Frühstück.

Es ist schön zu sehen, wie es hier in der Kultur üblich ist, sich über mehrere Tische quer zu unterhalten. Dadurch ist alles lebhafter und gerade die Oldies haben dadurch immer Anschluss. Das ist wirklich eine Art, die wir uns abschauen sollten.

Schluss für heut. Morgen gehts wieder die Hälfte einer Etappe, runter nach Alleghe, und dann mit der Seilbahn hoch und anschließend nochmal 3 1/2 Stunden den Berg rauf. Das Wetter ist leider nicht besonders gut angesagt. Mal sehen, wie also alles wird.

Liebe Grüsse aus den südlichen Dolomiten,

Lotte und Alex

Ein Stahlseil Akt

Tag 13 – Freitag

Unglaublich. Wir sind nun schon 13 Tage on Tour, 12 davon gewandert. Die Zeit verrennt. Durch unser tägliches Mammutprogramm geht alles auch gefühlt noch schneller.

Das Frühstück heut Morgen war tatsächlich etwas enttäuschend, da es hier in Italien einerseits gern in kleinen Portionen verpackt wird, sodass der Müll, der entsteht, riesig ist. Darüber hinaus gab es keine Alternative zu Brot mit Marmelade und Honig.

Egal. Ausgiebig gegessen, in der Sonne gedehnt, ging es dann nun los. Matthieu und Paul gingen gemeinsam mit uns los.

Weit kamen wir nicht, da wurden die ersten Selfies gemacht und die Umgebung fotografiert. Es war aber auch besonders schön, der tolle Ausblick, der sich ja auch stetig änderte und andere Blicke zuließ, dass tolle Wetter, die gute Stimmung.

Erstes Zwischenziel: Jimmis Hütte am Grödner Joch. Wir waren mitten in der Touri-Hochburg in den Dolomiten angekommen. Wir sind überrascht, wer sich alles die Berge hochschleppt, mit Hund und Kindern und Höhenangst. Kaffee und Telefon-Empfang waren bei Jimmi so gut, dass ich sogar nebenbei unseren Buschis bei der Dressur zusehen konnte. Die Jungs haben derweil über Politik philosophiert. Da musst ich mich lieber ausklinken.

Danach standen aber nun noch zwei Anstiege auf unserer To Do Liste, inklusive Klettersteigen: Erstmal ca 460 Höhenmeter und dann nochmal ca 380 Höhenmeter, auf einer Strecke von ca. 4 km ist einfach in Teilen verdammt steil.

Wir kamen aber erstaunlich gut durch, einzig die ganzen Tagestouristen, die wieder abgestiegen sind, haben Zeit und Nerven gekostet. Die Punkte, an denen man sich begegnen kann, sind selten, die Möglichkeiten einen Steinschlag auszulösen sind überall und da gilt es, etwas Rücksicht zu nehmen. Das verstehen nur leider viel zu Wenige.

Das Klettern hat uns beiden ebenfalls wieder Spaß gemacht und ich hab heut sogar morgens mitgedacht und direkt meine neon-orangen Handschuhe griffbereit gehabt, sodass ich das Stahlseil besser packen konnte. Klettern ist schon besonders spannend.

Zwischen den beiden Anstiegen lag ein herrlich klarer, arschkalter Bergsee, wo wir eine gemeinsame Mittagspause machten und die beiden verrückten Mitreisenden sogar reingesprungen sind. Dabei ist das Wasser soooooo kalt.

Endlich oben angekommen, waren wir nun auch auf dem höchsten Punkt der gesamten Alpen-Tour, auf 2962 m. Die einzige Chance, das noch zu toppen, ist auf den Piz Boe zu kraxeln, mit 3152m. Das ist aber nix, dass mich lockt. Wir wollen die Reise packen und so viele Etappen schaffen, wie Zeit, Knie und Füsse mitmachen.

2962 m

Ich hab ganz vergessen, dass natürlich alles und jeder Schritt heut fotografisch festgehalten wurde, von den drei Jungs. Die haben mich wirklich irgendwann wahnsinnig gemacht mit ihrer Knipserei. Alles hat länger gedauert, ständig schrie jemand: CHEESE! KUCKUCK! SELFIE!

Ich hatte wirklich drei Iphone-Fotografen der Extra-Klasse mit an Bord und kriegte irgendwann die Krise. Das waren mir heut zu viele Männer, zu viel Gegrinse, zu viel Gequatsche, zu viel Geknipse, einfach nen Tick zu viel. Mit Alex allein kann ich mich ja entspannen, aber die beiden Strahlemänner brachten mich an nervliche Grenzen.

Kommentar von Alex auf meine schriftliche Verfassung: „Kannst doch schneller laufen, dann kommst Du aus dem Trubel raus und dem Rest ist nicht langweilig.“ Nett. Sehr nett🙈

Zum späten Nachmittag, kurz vor Ankunft wurde das Wetter leider schlechter. Also wurde zackizack hoch und runtergeeilt und in die Hütte verschanzt. Sie liegt auf 2873 m und hat einen komplett neuen Anbau. Alles ist riesig.

Für uns gabs eine heiße Dusche, ein Zweier-Zimmer, gemeinsames Abendessen mit unserer Reisegruppe und danach noch Karten-Zockerei: Schwimmen. Klar, dass Alex eine Runde auch gewinnen konnte😉

Es ist schon beeindruckend, wie alle müde sind, gegen 21 Uhr und alle richtung Bett strömen.

Also schlafen und morgen gehts weiter. Ab morgen gilt: aus 3 macht 2. Wir fassen also drei Etappen zusammen zu Zwei. Mal sehen, wie das läuft.

Wir schicken liebe Grüsse aus den Dolomiten.

Alex und Lotte

Vermutlich schönster Tag

Tag 12 – Donnerstag

Zu allererst muss ich sagen, dass ich zwar versuche, ausführlich zu berichten und es herrlich finde, abends den Tag nochmal Revue passieren lassen zu können. Trotzdem vergesse ich hin und wieder auch richtige Highlights.

Entsprechend muss ich Folgendes heut noch nachholen:

Es ist hier üblich, durch Kuhweiden zu laufen, Gatter auf- und zuzumachen oder über Stromlitzen zu klettern. Einmal hab ich auch den Strom kurz abgestellt- als Landei weiß man wie so was geht – aber darauf wollt ich heut gar nicht hinaus.

Wir liefen also gestern wieder durch eine Kuhweide, wo diesmal auch vermehrt Bullen dabei waren, größtenteils kastriert, aber immer noch Bullen. Alex wollte gerade durch die Herde laufen, als einer der älteren Bullen den Jährling auf unserem Weg auf die Hörner nahm, vor uns erste Kämpfe ausfocht und ihn nach ein paar Minuten bockend über die Wiese jadgte. Da ich, glücklicherweise, nicht schnell genug bin, stand ich am Anfang der Wiese und beobachtete das Spektakel in aller Ruhe, während Alex keine 10 m von diesem kleinen Bullen-Fight entfernt stand. Das war schon ein Mix aus spannend und amüsant.

Da wir hier tagtäglich von dem Geräusch der Kuhglocken begleitet werden, egal, ob direkt um uns herum oder in 100ten Metern Entfernung, musste ich diese Geschichte erinnern und feststellen, dass ich sie vergessen hatte, zu erzählen.

Nun aber zurück zu unserem heutigen Tag, der aus meiner Sicht der vermutlich schönste Tag werden könnte.

Angefangen mit einer guten Hütte und ausgiebigen Frühstück, dass sich heut sogar so lang hinzog, dass wir erst gegen 8:45 Uhr aufgebrochen sind. Das war wirklich richtig gemütlich und entspannt.

Das bringt mich zu Punkt 2 der Kriterienliste: unsere Tour sollte heut so kurz sein, dass sich ein späteres Loslaufen erlauben ließ. Etwa 11 km mit einer Zeiteinschätzung von 5 1/2 Stunden ist ja leicht zu wuppen. Wir sind auch mittlerweile deutlich flotter geworden, bergauf zumindest, sodass wir im Schnitt immer 3 km/h schaffen. Das ist mit Rucksack und bergauf und bergab wirklich ganz okay. Die vorgeschlagenen Zeiten des Reiseführers unterbieten wir mittlerweile sogar.

Kriterium Nr 3: es war unglaublich traumhaftes Wetter. Strahlend blauer Himmel, herrliche Temperaturen, leichter Wind, zum Nachmittag nur leichte Wolken. Besser hätten wir es uns nicht wünschen können.

Kriterium Nr4: die Route war heut machbar, bei ca. 770 m hoch und 450 m herunter. Die Route hatte zwar auch ihre Tücken und war dadurch aber abwechslungsreich. Zunächst ging es wieder durch Wiesen der Alm, mit Edelweiß und anderen schönen Blumen und anschließend wieder in leichte Hochlagen, wo es moosig und steinig wird. Die erste Scharte, die Roa-Scharte, brachte mich heut an nervliche Grenzen, weil wir über Schotter liefen und immer direkt am Abgrund entlang. Als ich da durch war, brach kurz die Welt zusammen und ich wollt gar nichts mehr laufen. Das hat mich heut mehr gestresst, denn je und ich kann nicht mal genau sagen, warum. Immerhin gabs diese Situation schon das ein oder andere Mal.

Dann ging es aber noch weiter zur Nives-Scharte, mit Klettersteig, Leiter und Stahlseilen. Ich hatte mich zum Glück nach ein paar Minuten wieder gefangen, sodass ich dort dann fast eine Art Spaß hatte.

Es ist ja ohne Frage, dass Alex das alles irgendwie easy gewuppt hat, bringt mich aber zu Kriterium Nr. 5…

Es war heut wieder ein Tag, den wir auch in holprigen Situationen cool gemeinsam gelöst haben. Alex hat immer wieder wahnsinnig viel Geduld mit mir, zieht mich mit oder bremst mich, wenn ich lospresche, sodass wir gemeinsam immer im guten Tempo alles lösen.

Kriterium Nr. 6: der einzigartige Ausblick, den wir oben, nach all den Strapazen genießen konnten, war unglaublich. Wir konnten fast grenzenlos weit schauen, in die unterschiedlichsten Richtungen, und so viele Berge, so viel Weite sehen.

Kriterium Nr. 7: die Familie der Hütte ist wahnsinnig gastfreundlich, haben uns nett empfangen, es gab leckeres Essen, die Chance, die Kleidung zum fast letzten Mal zu waschen und eine heiße Dusche.

Kriterium Nr. 8: wir konnten in der Sonne auf der angrenzenden Wiese der Hütte ein herrliches Nickerchen am Nachmittag machen.

Kriterium Nr. 9: Zwar haben wir heut auf Kathi und Nicola verzichten müssen, weil die Beiden die Tour krankheitsbedingt nicht machen konnten, Matthieu und Paul haben aber einschließlich des Karten Spielens alles dafür getan, die Mädels adäquat zu ersetzen.

Kriterium Nr. 10: Zwar kneift und drückt es jeden Tag an einer anderen Stelle, doch insgesamt ging das gestern verhältnismäßig gut. Die Knie von uns beiden machen zum Ende hin immer ihre Spirenzchen, aber das war überschaubar heut.

Mal sehen, ob noch ein Tag folgt, der das alles toppen kann. Ich glaub aber, dass das nur schwer möglich sein wird. Ich halte Euch aber natürlich auf dem Laufenden😉

Eure Lotte und Alex

Ginocchio und die Dolominions

Tag 11 – Mittwoch.

Gestern gabs nach dem Kaiserschmarn zur Ankunft erstmal eine heiße Dusche und ein kleines Nickerchen. Man ist doch ganz schön platti nach solchen Tagen – auch nach vermeintlich Kürzeren.

Blick aus unserem Zimmer

Am Abend gab es tolles Essen und dann saßen Kathi, Nikola, Alex und ich noch eine ganze Weile draußen und haben gequatscht.

Wir haben es alle gemeinsam drinnen am Tisch nicht mehr ausgehalten und ich spreche jetzt mal aus, warum:

Wir hatten ein Pärchen mit am Tisch, Ende 20, ursprünglich aus „Konschtanz“, leben nun in Ulm. Die beiden standen schon bei unserer Ankunft in Partner T-Shirts vor uns und seit dem gab es ständig und andauernd Kommentare. Die beiden wussten alles, meistens auch besser. Sobald man etwas genauer nachfragte, wurde zwar das Wissen bröckelig, aber wir hatten nicht mal ausreichend Lust, alles zu hinterfragen. Mir wurd es irgendwann zu anstrengend, sodass ich die Raucherpause der beiden Mädels als Anlass nahm, mit rauszugehen.

Am nächsten Morgen machten wir eine andere witzige Beobachtung: Wir hatten uns an einen Tisch gesetzt, an dem am Abend zuvor eine Gruppe saß, die sich über die letzten Etappen kennengelernt hatte. Als nun Teile der Gruppen zum Frühstück kamen und sahen, dass ihre Ordnung gestört war, waren sie überfordert, einen neuen Platz zu finden. Es ist schon beeindruckend, wie schnell Menschen sich an Dinge gewöhnen und daraus Sicherheiten erarbeiten.

Nun aber Schluss mit Beobachtungen unserer Spezies.

Wir stiefelten also los, über die Lüsener Alm, vorerst nicht mit den 7 Meilen Stiefeln, weil wir doch ein paar Startschwierigkeiten hatten. Nach einer Weile kamen wir aber in unseren Tritt und liefen relativ easy die ersten 11 km zur Mauerbergshütte, durch grüne Wiesen, durch Kuhherden und immer wieder durch Waldabschnitte. Dort gab es herrliches Mittagessen, wieder mit den Mädels. Immer mit Blick in die Dolomiten.

Lotte und die Ponies
Ab gehts

Bis zum Mittag war die Strecke voll mit anderen Pilgern gen Venedig. Nach der Pause wurd es richtig touristisch. Überall Parkplätze, teils mit deutschen Kennzeichen, die alle ihre Tagestouren durch die Dolomiten machten.

Diese zwei komischen Menschen mit Wanderstiefeln, großen Rucksäcken und blau beklebten Knien wurden vom Rest angestarrt wie Außerirdische. Entsprechend sahen wir zu, uns aus dem Touri Bereich zu entfernen und wieder mehr in die Wildnis zu kommen.

Schon geht das Gekraxel wieder los

Oben angekommen, auf der Peitlerscharte, gabs einen dicken Regenschauer und dann blitzte es auch noch in meinem Knie. Strecken war einfach nicht mehr drin.

Also liefen wir die letzten 30 min der Strecke deutlich langsamer und mein fröhlicher, positiv gestimmter Begleiter kam auf den spannenden Film-Titel:

Ginocchio und die Dolominions. (Übersetzt: Das Knie und die Dolomiten)

Wir arbeiten noch an der Geschichte dahinter.

Angekommen an der Schlüterhütte und vor allem: mitten in den Dolomiten. Es ist schon krass, wie weit man mit den Füssen kommt und was man tagtäglich sieht.

Morgen wird die Tour einerseits entspannt, weil nur etwa 11 km vor uns liegen, andererseits ist die Strecke aber als schwarz eingestuft und entsprechend wird sie wieder mit Kletterteilen verlaufen.

Ich kann noch kurz ergänzen, wie dankbar ich bisher für die Reise bin. Wir treffen größtenteils wirklich nette, fröhliche Leute, sind zu zweit auch ein tolles Team und wuppen diese ganzen Aufgaben ziemlich entspannt. Bisher gabs keine Hektik, Panik oder anderen Unmut. Alles also ziemlich gut.

Dankbare Grüsse aus den Dolomiten,

Lotte und Alex

Gejagt

Tag 10, Dienstag

Wegen des fehlenden Internetempfangs wird dieser Beitrag etwas zu spät veröffentlicht, der Nächste folgt in Kürze.

Wenn ich heut an das Frühstück im Hotel und die letzten Minuten Olympische Spiele im Fernsehen denke, ist das gefühlt schon wieder eine halbe Ewigkeit her.

So lang wie heut morgen haben wir aber auch noch nie gebraucht. Das lag nicht daran, dass wir heut mehr gemacht haben, als sonst. Vielmehr war es ein Mix aus bereits wieder verlorenen eingespielten Abläufen und dem Wunsch, die bequeme Zivilisation nicht verlassen zu wollen. Ich hab mich sogar bildlich am Frühstückstisch festgehalten. Doch auch das half nichts – es standen heut 1300 Höhenmeter auf knapp 17 km vor uns – fast ausschließlich bergauf.

Die Wolken hingen tief, der Wald dampfte und wir dampften mit. Wir waren bereits nach 30 min durchgeschwitzt und nach 45 Minuten liefen wir bereits durch tiefhängende Wolken. Alles war einfach nur nass.

Los gehts
Klitschnass

Warum eigentlich heut so schnell?!

Mystische Stimmung

Wir wurden getrieben, von Blutsaugern. Vampiren. Kleine, schwarze Stechmücken in Überzahl. Sie waren überall. Ein Anhalten zum Pflücken von Himbeeren oder Blaubeeren war nur unter weiteren Stechattaken möglich.

Es hatte einen Vorteil. Wir hatten um 12 Uhr, also etwa 3 1/2 Stunden nach Start 1100 Höhenmeter hinter uns und kamen oben an.

Ein kleines Picknick an einer verlassenen Hütte, kurze Pipi-Pause für mich an der Roner Hütte und dann gings auf den letzten Abschnitt.

Um 14:30 war es dann bereits soweit. Wir erreichten unser Ziel. So schnell waren wir wirklich noch nie auf dieser Tour. Für Alex Wünsche eigentlich zu früh. „Wir sind doch zum Laufen hier und was können wir schon auf der Hütt‘n moachen?“

Einen leckeren Kaiserschmarn verputzen und duschen. Sogar ein kleines Mittagsschläfchen war drin.

Das Knie war happy heut: es wurd heut ähnlich einem Kunstwerk mit Kinesio nur so eingepackt und durfte ja nur bergauf. Also alles gut. Heut hat sich zwar zum Ende wieder mehr die Patella des rechten Knies gemeldet, das ist aber kaum der Rede wert.

Zwei Nachrichten nach Hause:

Muddi, bestell schonmal die Wurmkuren. Einige Kühe brauchen hier unsere Aufpeppelung. Ihr glaubt gar nicht, wie viele Wurmkuren ich schon gedanklich verabreicht habe😉

Resi, weißt Du noch, dass wir früher die Theorie hatten, dass Beine nur in der Horizontalen braun werden, weil wir, mit unseren Reiterbeinen immer weiß blieben und die kurzen Hosen auf den Turnieren keinen messbaren Erfolg brachten? Ich kann Dir sagen, in den Bergen klappts auch vertikal. Ich hab eine sogenannte Wanderbräune. Du siehst also den Abdruck der Socken und bei mir – sehr chic – die Abdrücke des Kinesiotapes der letzten Tage.

Doch nun zu unserer Erkenntnis des heutigen Tages, es wurde nämlich ein wenig philosophisch:

Diese Alpenüberquerung ist herunterzubrechen und somit auf alle großen Aufgaben zu adaptieren:

Wir haben uns ein großes Ziel gesetzt. Um dies auch zu schaffen, wird es in kleinere Etappen unterteilt. Die Etappen und somit die ganze Reise bringen jeden Tag, selbst am Tag selbst neue Herausforderungen, aber auch neue Perspektiven mit sich. Manches geht leicht, manches ist schwierig, manchmal gehts in eine Sackgasse und wieder zurück, manchmal muss man einen Umweg in Kauf nehmen. Alles ist okay, solang man denn das Ziel nicht aus den Augen verliert und stetig, Schritt für Schritt, in Richtung Ziel läuft.

Wir sind happy hier auf dem Weg und wollen soweit laufen, wie uns unsere Füsse und Knie bringen. Doch das heißt nicht, dass andere dieses Ziel womöglich für beknackt halten oder erst auf der Reise merken, dass das Ziel nicht sein Ziel ist. Dann ist eine Neujustierung des Ziels notwendig. Wichtig ist hier nur, dass sich jeder die Zeit nimmt, dies hin und wieder zu hinterfragen und nicht einfach hinterherläuft. Jeder muss seinen eigenen Weg, sein eigenes Glück finden und ehrlich mit sich sein. Das kann weh tun und zu Turbulenzen führen, bringt aber meist eine Erleichterung mit sich.

Wir senden nun also Grüsse nach Hause und halten Euch weiter auf dem Laufenden.

Eure Lotte und Alex

Die Dolomiten tauchen im Hintergrund auf

Es war alles dabei

Tag 8 und 9

Tag 8 war durchwachsen, kann ich sagen. Von absoluter Happiness zu heulender Frustration war alles dabei.

Das Pfitscher Joch Haus gehört aus mehreren Gründen zu einer unserer bisherigen Lieblings-Hütten. Zum Einen ist es ein kompletter Familienbetrieb, sie bieten dort aus familiären Gründen Wochenend-Ausflüge für behinderte Kinder an und hatten sowohl eine klasse Küche, als auch großartige Badezimmer. Wir durften also ohne Zeitlimit duschen und anschließend das wahrscheinlich beste Schnitzel und Hirschragout essen.

Morgens wurde noch großzügig gefrühstückt und ich hatte seit Langem mal wieder einen Latte Macchiato aus einer guten Siebträgermaschine. Um Filterkaffee drücke ich mich nämlich erfolgreich.

Dann wurde losgestiefelt – Ziel: Pfunders.

Wieder ganz entspannte ca. 300 Höhenmeter herunter, danach ca. 850 Höhenmeter hoch, um dann wieder ca. 1000 m herunter zu gehen. Achso… knapp 21 km sollte ich noch erwähnen. Manche würden sagen: ein Klacks.

Nachdem ich die letzten Tage beim Aufsteigen an jedem dritten Stein eine kurze Pause machen musste, war heut mein Ziel, möglichst langsam, aber ohne Pause die Berge hinaufzusteigen.

Hoch motiviert stiefelten wir also los und ich war absolut happy. Warum? Ich durfte durch Wälder und Wiesen laufen, sah Blumen, Bienen und Hummeln, die Sonne schien und alles war herrlich. Ich kam die ersten ca. 400 Höhenmeter gut durch, ohne große Pausen und freute mich des Lebens. Alles war gut. Wir waren happy.

Alex war fit und hatte sich top vorbereitet, die Wegbeschreibung gut gelesen, sodass wir nicht, wie anscheinend viele andere Venedig-Wanderer, irgendwelche Irrwege einschlugen.

Aber dann…

Kennt Ihr das, wenn Ihr mit dem Bus zum Urlaubsort fahrt und denkt, dass das Hotel hinter der nächsten Bergkuppe erscheint und dann die große Enttäuschung, wenn es dann doch nicht so ist?

So ging es mir. Wir waren so gut durchgekommen und ich war so happy über mein Durchhalten nach oben, dachte, dass es hinter dem schönen grünen Plateau nach unten geht und was kommt stattdessen? Steine und weitere 400 Höhenmeter. Ihr könnt Euch meine Enttäuschung nicht ansatzweise ausmalen.

Hinzu kam ein zunehmend schlechtes Wetter mit wirklich unangenehmem kalten Wind – von vorn natürlich.

Wie immer – es gibt ja keine andere Wahl. Also hoch, nun aber mit Pausen, bzw. meiner Etappenziel-Taktik. Nach jeder Minute Pause wird ein neuer Stein in erreichbarer Nähe ausgewählt und hochgelaufen. Wenn am Ziel noch Kraft ist, gehts weiter. Wenn nicht, wird wieder ne Minute Pause gemacht.

Nach einer gefühlten Ewigkeit nun endlich oben angekommen. Dort haute uns der Wind fast um. Unglaublich war der Sturm.

Nun ging es ja ENDLICH herunter. Doch Pustekuchen. Meine Begeisterung des Hinablaufens war wie dahin.

Meine Patellasehne des rechten Knies machte ja schon seit ein paar Tagen bei großen Stufen Schwierigkeiten. Nun schmerzte mein linkes Knie, überall. Selbst mit meinem gefährlichen Halbwissen kann ich nicht sagen, woher der Schmerz kommt. Einfach überall. Der Frust stieg in mir auf, schneller, als ich gucken konnte. Die ersten Tränen kullerten, weil ich wirklich keine Ahnung hatte, wie ich damit 1000 Höhenmeter nach unten schaffen sollte.

Also erstmal Zwischenziel: Obere Engbergalm. Dort wurde ich von zwei Wildgänsen angefeindet, aber dann gabs ne Pause und den vermutlich leckersten Ziegenfrischkäse, den wir je gegessen hatten. Selbstgemacht. Ibu hinterher und dann gings weiter hinab. Die erste Zeit ging auch einigermaßen, nur sobald es einen gewissen Winkel unterschritt, ging nichts mehr. Die Stöcke wurden zu Krücken und alles tat nur noch irrsinnig weh. Das war ein langsamer Abstieg. Alex hatte eine unbändige Geduld und ich heulte hin und wieder, vor Schmerz, Ungeduld, Ungewissheit und Frust. Eigentlich war der Weg doch wunderschön und dann das…

Nicht zu vergessen, dass es mittlerweile regnete und gewitterte.

In Pfunders angekommen, saßen wir schnell auf der ersten Bushaltestellenbank. Hotel angerufen, Taxi angerufen und ungeduldig gewartet. Als das Taxi kam, konnt ich das Bein nicht mal mehr beugen.

Also straight ab ins Hotel. Glücklicherweise sollte ja der nächste Tag eh ein Pausentag sein.

Seit der Badewanne am Abend im Zimmer war das Knie wieder ruhiger, Treppen hinablaufen ist aber immer noch keine Wohltat.

Nun sind wir seit 24 Stunden im Hotel, haben schon gut zu Abend gegessen, genießen ganz viel frisches Obst, haben viel geschlafen, unsere Sachen gewaschen, uns bei der Apotheke mit Voltaren in allen Konsistenzen eingedeckt, das Knie gekühlt und bewegt, die Sauna und eine Massage genossen, Olympia geschaut, Nickerchen gemacht und gelesen. Heut Abend wird nochmal gut gegessen und das neuste persönliche Dehnungs-Video von Franzi befolgt und der Inhalt des Rucksacks geprüft und ein wenig aussortiert und nochmal ausgiebig geschlafen. Morgen gehts wieder los. Drücken wir die Daumen, dass mein Knie wieder mitmacht.

Wir schicken also liebe Grüsse aus dem Pustertal,

die wilden Wanderer

Halber Pausentag

Tag 7, Samstag.

Zunächst mal vielen, vielen Dank für Eure Anteilnahme, Euer Begleiten unserer Reise und der vielen Nachrichten über sämtliche Kanäle. Das ist wirklich mega und freut uns sehr!! Ich beantworte unten einige Eurer Fragen, doch vorher kurz der Bericht von heut:

Eine Woche laufen wir nun. Wahnsinn, wie die Zeit vergeht. Noch weitere 8-9 Wandertage liegen vor uns. Alex ist sogar etwas traurig, dass diese Woche schon vorbei ist. Dieses Leid muss er allerdings allein tragen. Ich finde die Reise grösstenteils ebenfalls schön, freu mich aber auch sehr auf die noch kommenden Teile meiner insgesamt 8 Wochen Urlaub😉

Heut wars ein kurzer Trip, um den Knien, dem Kopf und allem anderen an uns etwas Ruhe zu gönnen. Also sind wir nach einem ausgiebigen Frühstück und ein paar Dehnungsübungen!! in der wirklich schönen Olperer Hütte NUR etwa 8 km zum Pfitscher Joch Haus gelaufen. Die Strecke lief etwa 300 m herunter und 450 m wieder hinauf, also wirklich entspannt. Auch die Steine ließen mich heut etwas in Ruhe, nur die Hälfte der Zeit gabs sogenanntes Blockwerk, über das wir kraxeln mussten. Ansonsten wurde durch Wiesen gelaufen und über Bäche gestiegen.

Die wirklich tolle Olpererhütte
Eine Rutschpartie

Doch viel beeindruckender waren die vielen Läufer, die uns heut auf unserem Weg entgegengekommen sind. Sie bestritten 34 km bei über 1200 Höhenmetern – laufend – in ca 4 Stunden. Der absolute Wahnsinn. Alles dünne, zähe „Hunde“, Männer, wie Frauen, die sich durch die Berge kämpften. Das muss man wirklich wollen.

Mittags kamen wir schon beim Pfitscher Joch Haus, mittlerweile in Italien, an und genossen seit Langem mal warmes Mittagessen.

Südtirol erreicht

Die vier Mädels und Sebastian saßen bereits in der Sonne und genossen das gute Mittagessen, stiefelten dann aber weiter nach Stein, ins Tal. Wir überspringen diese kleine Talwanderung morgen und werden direkt nach Pfunders gehen – also nur entspannte 20 km.

Hier wurde am Nachmittag die Reise weiter geplant, die Unterkünfte gebucht, gelesen und gespielt, Abendbrot gegessen und seit langem durften wir eine Dusche ohne Zeitlimit genießen. Da lernt man das direkt zu schätzen.

Da heut sonst nicht mehr geschehen ist, gehts nun zu Euren Fragen:

Uns gehts soweit gut. Meine Hand, mein Knöchel und mein Rücken spielen super mit, lediglich die Knie nerven. Da ich gestern versucht habe, das rechte Knie zu entlasten, taten heut, überraschenderweise, nun beide Knie weh. Alex Knie ist rechts innen ebenfalls angeschlagen, aber gleichbleibend mittelmäßig. Hoffen wir also, dass Voltaren, Franzbranntwein, Kinesio und Ibuprofen helfen.

Das Gehänge des nackten Mannes war nicht der Rede wert😉 FKK Wandern ist hier in Österreich sogar erlaubt und laut des www ein mittlerweile genutzter Nischensport… (ja, ich weiß… bietet Potential für dumme Sprüche)

Ja. Sofern der Reiseführer es auch mal empfiehlt, fahren wir mal Taxi, Gondel oder Bus. Die zu laufenden Höhenmeter sind ja genug. Nächste Busfahrt steht morgen Abend auf dem Programm. Wir machen sogar am Montag einen Tag Pause.

Wir laufen bis zum 2. oder 3. August, abhängig davon, wie gut wir durchkommen, das Wetter mitspielt und wir dann weiterkommen.

Ich versuche, jeden Abend zu schreiben. Wer Sorge hat, etwas zu verpassen, kann sich natürlich den Email-Newsletter einrichten. So kann man nix verpassen.

Wir schicken nun liebe Grüsse zu Euch und krabbeln gleich in die Heia. Morgen müssen wir möglichst vor 8 auf dem Weg sein, da wir Regen bekommen werden.

Das Kraxel-Team

Stein, Stein und noch mehr Stein

Tag 6 ist geschafft und spätestens heut Vormittag kam genau das, was ich schon seit Tagen erwartet habe: meine fluchenden Attacken über bescheuerte, viel zu lange Anstiege. Mal ehrlich: Wer hat auch schon Bock, knapp 900 Höhenmeter am Stück über Stein, Stein und nochmal Stein zu laufen. Ich hab also die ersten Stunden nur geflucht, böse geschaut und war hoch genervt. Dann fuhr auch noch die Gondel über meinem Kopf hinweg, die die leichte Alternativroute dargestellt hätte… stattdessen schnaufe und schwitze ich den Berg hoch. Was ein Mist. Knie tut weh, Füsse tun weh, Hüfte tut weh, alles tut weh.

Das Bild sagt alles…

Gestern noch großkotzig davon gesprochen, dass Runden mit 300 Höhenmetern nur noch als Spaziergang gelten, hätt ich heut auch schwören können, dass ich nach dieser Tour nie wieder einen Berg mit Füssen erleben werde, nur noch mit Skiern und einem entsprechenden Lift.

Alex hat nicht ganz zu unrecht erkannt (mehr Recht kann ich ihm nicht zusprechen), dass die Hürde, einen Berg hochzulaufen, während einem die Annehmlichkeit der Gondel dauerhaft vor Augen geführt wird, doppelt schwer ist. Das ist ja wie Diät machen und währenddessen werden in der Küche reihenweise Kuchen gebacken.

Naja. Nach etlichen Stunden quälenden Aufstiegs hatten wir es endlich geschafft: 2912 m – Friesenbergscharte. Höher wirds nimmer.

Was sehen unsere müden Augen auf den letzten 50 m des Aufstiegs? Einen Mann mit nacktem Oberkörper? Soweit ja nichts besonderes. Aber warte… ist der komplett nackt? Oh ja…

Alex lief dankenswerter Weise vor mir, sodass ich mir nicht die ganze Schlucht anschauen musste, als er sich, mit dem Po zu uns gedreht, zu seinem Rucksack bückte.

Ich war fassungslos, Alex sprach ihn kurz an und formulierte seine Ehrfurcht, nackt hier hochzukraxeln, doch der nackte Mann verstand das gar nicht. Sebastian, einer unserer Weggefährten, sprach mit ihm noch kurz über die fehlenden Schuhe und dann stapfte der nackte Mann hinfort.

Also… ein nackter Mann auf 2900 m Höhe, ohne Schuhe, aber mit Stöcken und Rucksack bewaffnet. Das sieht man nicht alle Tage.

Da geht er hinab, der nackte Mann

Danach gings bergab, entlang abgesicherter Wege mit Stahlseilen und Kletterstäben im Berg, damit wir nicht die hunderten Meter runterstürzen können. Es ist schon nicht immer ohne, dieser Weg.

Als auch das geschafft war, kam ein schöner schmaler Pfad entlang des Berggipfels, der uns über Wiesen, an Kühen und Murmeltieren vorbei, über Bäche und wieder über einiges an Geröll weiter Richtung Olperer Hütte brachte.

Da ich, wie schon als Kind (Papa kanns von unseren langen Ausritten bezeugen) stundenlang von Essen sprechen kann, wenn sich der Hunger bemerkbar machte, fing also an, über Kaiserschmarn und Kuchen zu philosophieren.

Endlich an der Hütte angekommen, wurde eingecheckt, die Sachen ins Bettenlager gebracht und dann auf der Terrasse in die Sonne gesetzt. Zu Radler und Russ gabs nun endlich einen Kaiserschmarn, den Ersten auf unserer Reise. Eher Eingeatmet als verzehrt, aber der Geschmack war auch besonders gut.

Seit ein paar Tagen begleiten uns immer wieder hoch sportliche junge Mädels. Vielmehr überholen sie uns in der ersten Stunde und kommen 2-3 Stunden vor uns auf den Hütten an. Alle vier unter 30, alle aus der Gegend von Bad Tölz und Bergsteiger/Touren und Klettereien gewöhnt, zeigen uns, wie es hier wirklich geht. Heut Abend gabs also gemeinsames Abendessen und das Philosophieren über unsere Erfahrungen.

Nach einer kurzen Diskussion über den nackten Mann und die Frage, ob ein Sonnenbrand im Schritt möglich sei, dann eine wichtigere Klärung…

Einhellige Meinung: Das Skifahren auf einem abnehmenden Gletscher, im Juli, ist doch wirklich bekloppt. Abends rollen dort die Pistenraupen herüber, die großen Gondeln laufen das ganze Jahr und die 50 Hanseln, die das toll finden und Ski foarn, stehen dort auf den Pisten. Mal ehrlich, wenn unsere Super-Sportler dort mal zwei Wochen Trainingslager machen, sehe ich das ja noch ein. Aber was wollen die Touris aus sonst wo dort oben auf 2 km langen Pisten? Unverständlich.

Dagegen etwas zu tun, wird nicht leicht, aber akzeptieren kann man das doch wirklich nicht.

Nun sind wir geduscht und Bettchen fertig. Es ist ja auch schon 21:15 Uhr.

Das Dehnen wurde am zweiten Tag in Folge geschwänzt – hoffen wir also auf morgen.

Ich führe mit mir noch eine Grundsatzdiskussion zu Ehrgeiz und Vergleichen, dazu aber an einem anderen Tag mehr.

Wir grüssen nun aus dem 8er Zimmer und freuen uns sehr, dass Ihr alle so begeistert mitlest und uns Nachrichten schreibt.

Liebste Grüsse, Lotte und Alex

Schotter, Eis und Schlamm

Nach einer herrlich ruhigen Nacht im Zweibett-Hochbettzimmer konnten wir gut in den Tag starten. Das Frühstück in der Lizumer Hütte war super, die Wandergruppe des gestrigen Tages, bestehend aus Anne, Fabiana, Walter, Stephan und uns saß das letzte Mal zusammen. Walter ist unser Senior, 68 Jahre alt, wollt heut einen Pausentag einlegen, der Rest wollte heut zur Weidener Hütte, entlang des Inntaler Höhenwegs.

Frisch gestärkt, mit heimlich eingestecktem Proviant ging es um 8:40 Uhr auf die Tour.

Das Ziel fest im Blick – da gehts jetzt hoch.

Es sollte ja wirklich easy werden… nur lässige 1180 m hoch und 880 m herunter. Was ein Klacks. 🙈

Die ersten gut 700 Höhenmeter hoch zum Geierjoch standen bei unseren ersten 3,5 km an. Entsprechend steil wurde der erste Abschnitt, dauerhaft durch Schotter, teils durch Eisfelder und Schlamm, gern auch mal alles drei auf einmal. Dort wurde mir einiges bewusst:

1. Heut wurde der Po richtig trainiert. (Man hat der gebrannt.)

2. Meine Kondition lässt vielleicht zu wünschen übrig, aber der Mut ist vorhanden.

Step by step.
Die Höhenmeter sind einer von beiden aus dem Gesicht abzulesen…

Oben angekommen, hatten wir einen unglaublichen Blick in die Zentralalpen, von Kitzbühler Alpen, Zillertaler bis zu den Stubaier Alpen lag alles vor uns – wenn auch die Gipfel teils in Wolken eingepackt waren. Unter uns lag der klare, blaue Junssee.

Kurze Pause und dann gings weiter, durch Schafherden, entlang witziger Touri-Gruppen, hinunter und hinauf zum Gschützspitzsattel, wieder durch Schotter, Geröll und Eisplatten.

Spätestens bei den Eisplatten war das Motto: „Alex macht den Weg frei“.

Er stiefelte großartig vor und machte mir mit jedem Schritt eine Stehfläche, sodass ich nur hinterherstiefeln musste.

Die Natur ist schon ein besonderes Schauspiel – wunderschön. Wir haben etliche Murmeltiere gesehen, wahnsinnig viele Schmetterlinge und tolle Gras- und Blumenwiesen. Ich bin auch der Meinung, Spuren von Steinböcken gesehen zu haben, die wahren Tiere blieben allerdings noch versteckt.

Es ging also in Serpentinen wieder herunter, zum Weitentaler Wasserfall und nach einem Apfel wieder hoch, nochmal 300 Höhenmeter, zum Tuxerjoch Haus. Unser Timing war perfekt – 5 Minuten nach Ankunft ging der Regenschauer des sich bereits anbahnenden Gewitters los.

Schlängeln wir uns mal herunter
Weitentaler Wasserfall

Jetzt gab es 2 Minuten Dusche für 2 €, Abendbrot und ein paar Backgammonspiele und die Planung der kommenden Tage. Das Bett wird nicht lang auf sich warten. Wir sind ordentlich müde.

Fazit des heutigen Tages:

1. Wir würden gern den Reiseführer umschreiben. Der Autor muss vor lauter Romantik für den Weg aus einer rosaroten Brille geschrieben haben. Ein paar mehr Hard Facts wären schon hilfreich.

2. Ab sofort werden Touren mit weniger als 300 Höhenmetern für uns nur noch als Spaziergänge abgegolten.

Also… schlaft gut.

Eure Lotte

Ps: vielen Dank für die vielen freudigen Leser und das Feedback. Ihr seid herzlich eingeladen, auch hier Kommentare zu hinterlassen.

Über den Wolken

Alex’ Resumee von Tag 3:

Man muss solch eine Reise mit viel Motivation und Begeisterung buchen.

Hätten wir nämlich gewusst, was heut auf uns zukommt, hätten wir und das gespart😉

Aber zunächst zurück zu Tag 1. Die Tour von Hinteriss hoch zum Karwendelhaus lief eigentlich gut. Das Wetter war durchwachsen, zum Ende wurde es aber doch ganz schön nass und neblig. Selbst die schöne Alm-Wiese mit den ganzen Kühen konnten wir nur unscharf sehen, geschweige denn das Bergpanorama um uns herum. Der Regen der letzten Tage hatte seine Spuren hinterlassen. Es entstanden Bäche, wo vorher keine waren und die kleinen Bäche wurden zu reißenden Flüssen. Ich war überrascht, wie fröhlich ich trotz aller Widrigkeiten blieb, Alex ja sowieso. Ich hab zwar immer mal wieder länger gebraucht, blieb aber die ganze Zeit gut gelaunt. Es gab schon die erste Frage nach den Prioritäten des Alltags. Geklärt wurde es noch nicht. Wir bleiben dran.

Quellen werden zu Sturzbächen
Nebelschwaden
Durchnässt, aber happy

Abends angekommen, im absoluten Regen, erfuhren wir, dass wir nicht über die Birkkarspitze laufen können, weil wegen des Regens der Boden zu unterschwemmt war. Bei der Umplanung lernten wir Richard und Moritz kennen, zwei Jungs aus Aachen, 25, Hockeyspieler, Studium in Mathe und Maschinenbau gerade abgeschlossen, die nun mit uns laufen wollten, auf dem Alternativweg. Also Planänderung: über Scharnitz, lässige 38 km standen uns bevor. Wir als gefühlte Rentner und die beiden Jungbrunnen. Das kann ja heiter werden. Abends gabs noch ein paar Yogaübungen und dann in die Heia, Matratzenlager. Kann man machen, wird uns noch ein paar mal wieder widerfahren.

Tag 2: Top fit, fröhlich. Traumhaftes Wetter. Morgens wurde auf der Terrasse noch der Körper gedehnt und dann gings los. 38 km. Mir wurde ziemlich schnell klar, dass ich keinen Bock auf die lange Tour habe. Ich war also ziemlich persistierend, ein Stück Taxi fahren zu wollen. Jeder weiß… wenn ich mir etwas in den Kopf gesetzt habe… Ergebnis: Die Jungs gaben irgendwann kleinbei, ich organisierte ein Taxi. Eine Erkenntnis des Tages war, dass sich die Jungs mal ums Ego kümmern müssen, aufs große Ziel, nicht auf die kleinen Schritte achten sollten. Wir ließen uns also 8-9 km abnehmen. Am Ende waren wir immer noch 28 km unterwegs. Die Einsicht der Herren kam immerhin später, auf dem Hallerangerhaus. War doch nicht so schlecht, ein paar Kilometer weniger gelaufen zu sein. Heiße Dusche, Dehnungsübungen, Sieg im Mikado und 2. im Mensch ärgere dich nicht später, gings ins Bett. Resumee des Tages war, dass wir mit Mitte/Ende 30 eher zu den Rentnern gehören und das genannte Thema mit dem Ego… zum Glück hab ich damit ja garkein Problem😂

Blick ins Grüne
Kurze Snackpausen
Wunderschöne Natur

Tag 3: Es waren doch alle ziemlich müde, auch am nächsten Morgen. Alles war etwas steif, bei Jedem tat irgendwas weh. Also wurde gefrühstückt, gepackt, wieder gedehnt und dann losgelaufen. Heut nur lässige 17,7 km, 960 m hoch und 1540 m hinunter, dazwischen Bus und Gondel. Das erste Stück sind wir noch zu viert gelaufen, doch dann haben sich unsere Wege getrennt. Also waren wir wieder zu zweit. Wir haben das Gruppengefühl zu viert sehr genossen, die Zeit war fröhlich mit den beiden Jungspunden, die Zeit zu zweit war aber auch herrlich. Der Lauf hinunter war ganz schön anstrengend, weil auch dort noch der Schotter durch den Regen unterspült war. Der Weg hinauf allerdings war allein in den letzten Stunden grauenhaft anstrengend. 600 Höhenmeter auf 3 km ist halt einfach steil. Zusätzlich ging es nur noch über Geröll und Stein. Irgendwann stellst Du auch Deinen Kopf aus – Denken kostet zu viel Kraft, das Laufen braucht alles an Aufmerksamkeit. Erkenntnis des Tages also: Jakobsweg ist doch langweilig – da hat man zu viel Zeit, um über sich nachzudenken. Das geht hier gar nicht.

Die vier Gipfelstürmer
Unwirkliche Landschaftsabschnitte

Abends absolut platti. Ich war einfach totmüde und steif, Alex hat Schwierigkeiten mit seinem Innenband am Knie. Toitoitoi, aber mein Rücken spielt super mit, auch alle anderen Wehwehchen sind nicht erkennbar. Dank Franzi, meiner Personaltrainerin, bin ich sogar bei Unebenheiten beruhigt, weil sie viel für meine Schrittsicherheit getan hat.

Tag 4: Heut wurd es spannend, zum Einen wegen unserer bevorstehenden Tour und zum anderen machten die Ösis aufm Militärgebiet irgendwelche Schießübungen und die Hütte liegt mittendrin. Entsprechend wussten wir nicht, ob wir durchs Sperrgebiet durchkommen und die Hütte erreichen. Wir blieben also optimistisch, dehnten in der Sonne auf der Terrasse die alten Knochen, füllten alle Flaschen auf, die wir hatten und liefen los. Wird schon irgendwie klappen. Wofür die Ösis das bloß brauchen…? naja. Anderes Thema.

Kurz nach der Glungezer Hütte wurde uns schnell klar, warum die Strecke heut eine reine Gehzeit von 8:30 Stunden haben soll. Es ging entlang der Bergkette auf dem Grat oben entlang. Es wurde also gekraxelt was das Zeug hielt, teilweise mit Stahlseilen an den Felsen, links und rechts von uns reinster Abgrund. Auch mein Knie schlug nun an – Patellasehne… also auch noch Kinesio Tapen als Nebenaufgabe. Wir haben für einen Kilometer etwa 45 min gebraucht – Rucksack nicht zu vergessen. Das war schon eine heiße Nummer. 750 m hoch, 1330 m herunter. Insgesamt standen wir heut an 5 Gipfelkreuzen mit mehr als 2700 m. Irre. Nach insgesamt 10 Stunden kamen wir völlig erschlagen an der Hütte an. Die Schießübung war fertig, die ganzen Patronenhülsen lagen noch auf dem Boden. Zackzack Abendbrot, heiße Dusche von 3 Minuten und dann ab in die Heia.

Kulisse beim Start
Gipfelstürmer
Enzian – wenn mich nicht alles täuscht
Das war nur ein harmloser Abschnitt

Fazit der ersten Tage:

Großartig, dass es so wenig Telefon-Empfang gibt. So ists gleich auch digital detox.

Wir kommen ziemlich gut durch, treffen überall nette Leute, finden Wandergruppen für die einzelnen Tage und sind erstaunlich gut gelaunt, vor allem ich bin gut drauf😉

Heiße Duschen sind ein neues Luxusobjekt, vor allem, wenn man länger als 3 min duschen darf.

Kein Urlaub der Welt bringt den Kopf so schnell auf Ruhe und Entspannung wie diese Reise.

Es gibt mehr Tiere und Insekten als gedacht… Schmetterlinge, Bienen, Murmeltiere, auch den Kot von Steinböcken haben wir gesehen…

Auf gehts, ab gehts…

Jedes Mal, wenn ich wieder auf meinem Blog aktiv werde, sind meine ersten Gedanken, dass ich doch so gern schreibe, es dennoch viel zu selten tue. Es hat in meinem Leben nicht die notwendige Priorität, um hier meine Beiträge zu pflegen. Dabei macht es mir solch einen Spaß. Naja. Schluss mit dem Gejammer. Die Einzige, die daran etwas ändern kann, bin ja nunmal ich selbst.

Ich hab ja auch einem anderen Projekt mehr Aufmerksamkeit geschenkt: der Alpenüberquerung. Es wurde mit der Personaltrainerin Franzi aus Ulm trainiert, es wurde auf dem Ergometer geschwitzt, es wurde Profikleidung und ein Rucksack gekauft, Listen geschrieben, und vieles mehr. Nun ist es soweit. Heut steht die erste Etappe an.

Man könnte sich jetzt fragen, warum ich dann Zeit habe, morgens auf meinem Telefon einen Beitrag zu schreiben… ganz einfach: es schüttet da draußen wie aus Kübeln. Es hört einfach nicht auf, wird nicht mal weniger. Laut Wetterbericht soll es gegen Mittag zumindest weniger werden, also wird der Start nach hinten verschoben. So oder so. Es wird heut ein nasses Vergnügen.

Doch erstmal zurück zum Anfang. Die letzten zwei Tage wurde der Rucksack gepackt. Alles wurde akribisch hinterfragt und zusammengesammelt. Ich hab nochmal ausgiebig geduscht und das letzte Mal Parfum aufgelegt.

Einmal alles in den Rucksack bitte

Die Aufregung stieg spätestens, als ich mich umzog und nun wirklich in meiner Regenhose und meiner Jacke in der Wohnung stand und startklar war. „Heieiei. Wirklich ja? Alpenüberquerung? Ich Nordlicht zwischen den Bergziegen? Ich knapp drei Wochen ohne meinen Kleiderschrank, einer heißen Dusche und vielen anderen Bequemlichkeiten?!“

Ja. Genau das steht jetzt an. Schuhe an, Rucksack auf, Stöcke in die Hand und los gehts.

Abfahrt. Mit dem Taxi zum Bahnhof, mit dem Zug nach München, umsteigen in die Regionalbahn und ab nach Lenggries. Von dort gings weiter mit dem Bus über die deutsch-österreichische Grenze nach Hinterriss.

Zwei einsame Rucksäcke am Bahnhof
Überall Wasser

Im Gasthof zur Post gabs Tiroler Abendessen mit Pressknödelsuppe und Wildbratwurst mit Sauerkraut – alles Speisen, die ich zum ersten Mal in meinem Leben aß.

Heut morgen gabs eine große Stärkung am Frühstücksbuffet, gleich werden noch ein paar Rückenübungen gemacht und dann gehts los.

Heut: ca. 840 Höhenmeter, ca. 15 km, hoch zum Karwendelhaus. Der Wirt macht das angeblich in 3 Stunden. Wir kalkulieren mal 5 Stunden. Wie gesagt… ich Nordlicht liebe die Berge, bin sie aber nicht so gewöhnt, wie die Bergziegen hier unten im Süden.

Bock? Ja. Nervös? Ja. Wehwehchen, die die Reise verkomplizieren könnten?! NEEEEIIINNN… bei mir doch nicht.

Wird schon. Irgendwie. Und wenns lange dauert.

Achso… das Ziel?! Es gibt im Prinzip 2. Zum Einen haben wir genau 17 Wandertage, die wir durchhalten wollen und einigermaßen fit und fröhlich am 03. August irgendwo ankommen. Zweites Ziel: am 04. August geht die Fahrt nach Venedig, von wo auch immer, wir am 03. angekommen sind.

Ein letztes noch: Ja. Wir. Alex und ich laufen gemeinsam. Alex ist ein Steinbock durch und durch, liebt das Kraxeln und wird unfassbar fröhlich, wenn es körperlich anstrengend wird, während ich nörgelig und zickig werde, weil ich mich über mich, meine Kondition, den Berg, den Rucksack und vieles anderes mehr ärgere.

Los gehts also. Drückt uns die Daumen. Schickt mir Kraft und Geduld. Wir freuen uns, wenn Ihr Euch meldet und an unserem Abenteuer teilhabt, egal über welchen Kanal.

Eure Lotte