Abenteuer Segeln

Das nächste Abenteuer ist schon wieder vorbei: Eine Woche Segeln im Saronischen Golf.

Ganz bewusst wurde in der Zeit mal nicht wie wild geschrieben und berichtet, sondern die Zeit auf sich wirken lassen.

Viel schöner ist es nun, dass ich mich an die Tage und die Besonderheiten erinnern kann, um erneut ein kleines Resumee zu schreiben.

Ich finde für die Zeit Überschriften wie:

Camping auf hoher See. Teamwork. Griechische Mentalitäten. Umwelt. Symbolik. Chaostag und vieles mehr.

Wir haben es wieder geschafft, 7 Nächte allein auf etwa 50 qm, innen und außen zusammen gerechnet, zu verbringen, ohne uns an die Gurgel zu gehen. Wir haben sogar gemeinsam sämtliches Chaos bewältigen können und waren trotzdem ruhig und entspannt miteinander. Vermutlich hat die Zeit in den Bergen einen großen Teil zu Ruhe, Gelassenheit und Entspannung beigetragen, trotzdem war es hin und wieder, aufgrund der Ereignisse, eine Herausforderung, die wir gut gemeinsam gemeistert haben.

Als wir am Samstag das Schiff übernahmen, musste erstmal eingekauft werden. Sämtliche Boot-Teams luden ganze Taxi-Kofferräume voll Einkäufen auf ihr Schiff. Wir ließen uns davon leider etwas beeinflussen, weshalb wir ebenfalls für schlappe 400€ zwei Einkaufswagen voll eingekauft haben. Was sind wir froh, dass wir auf Naxos in einer Ferienwohnung sind und die meisten Sachen mitschleppen können…🙈

Wir haben erneut eine Reise unternommen, die wir beide in dieser Form so noch nie gemacht haben. Alex war vor langer Zeit als Jobanfänger für ein paar Wochen auf einer Super Yacht und ich hab entweder mit Papi auf einem Hobie Cat die Meere unsicher gemacht oder mit meinem Bruder in Cinque Terre nen Party-Wochenendtrip mit Wasserbomben-Schlachten auf einem Segelboot erlebt. Dass allerdings wir beide, allein, ohne andere Unterstützung, ein Segelboot durch das Mittelmeer steuern, hätten wir auch noch nicht geglaubt, als wir letztes Jahr unseren Segelschein auf dem Ammersee bestanden haben.

Allein?! Naja… Sonntag, bei der Abreise stieg George, ein Skipper und somit unser Trainer, mit aufs Boot und blieb bis Montag Abend. George war eine coole Type, mit dem wir die Zeit sehr genossen haben, im Backgammon gewannen und verloren und viel über Motoren jeglicher Art philosophiert haben – also die beiden Jungs. Er war aber vor allem die größte Hilfe, um zu lernen, wie man ankert und sich mit den ganzen anderen Schiffen verständigt und ausweicht. Es ist nämlich nicht so, dass alle die Vorfahrtsregeln auf der See beherrschen…

Zwei Motor-Philosophen
Alex hat super eingeparkt

Danach waren wir auf uns allein gestellt und haben auch die Tage ziemlich gut gemeistert. Wir haben wunderschöne Buchten angesteuert, viel geschwommen, ich habe eine große Schildkröte vor Poros gesehen, wir haben viele niedliche kleine Örtchen und Inseln kennengelert und unsere völlig ungeplante Route sehr genossen.

Einen Tag des Chaos gab es allerdings auch. Er begann bereits damit, dass die Toilette mal wieder nicht funktionierte und auch die Außendusche nicht mehr mitspielte, ging über in ein Yoga-Terminchaos mit Deutschland, da ich erst jetzt begriffen hatte, dass wir in Griechenland eine andere Zeitzone haben. Das Chaos nahm seinen Lauf, als im alten Hafen von Spetses unser Anker von der Kette fiel und im Wasser versank, wir seitwärts anlegen und dann Hafenpolizei, Taucher und andere griechische Mithelfer um uns hatten, bis wir den Anker wiederfanden. Nicht zuletzt ging uns auf dem Rückweg zum Schiff auch noch der Sprit aus und Alex musste barfuss auf heißem Teer zum Schiff joggen, um den Tank zu holen. Als wir dann noch die vermeintlich schlimmste Nacht wegen extremen Schwell im Hafen neben den Super Yachten hatten und uns fühlten, als kämen wir aus einer Waschmaschine, fuhren wir am nächsten Morgen bereits um 06:30 Uhr los, zur nächstgelegenen Bucht, um wieder klarzukommen. Am Ende waren wir aber happy, dass wir alle Probleme lösen konnten und zu keinem Zeitpunkt die Nerven verloren haben.

Der Tauchfund

Der Urlaub auf einem Segelschiff scheint für viele ein Statussymbol zu sein. Dass diese Reise allerdings eher einem Camping-Urlaub auf dem Wasser gleicht, wird gern ausgeblendet oder durch viel zu teure, größere Schiffe ausgeglichen. Unsere „Toni-lino“, wie wir unser Schiff heimlich genannt haben, war keine 12 m lang, hatte ein häufig nicht funktionierendes Klo, dass einen Schwarzwassertank produziert und somit auch geleert werden muss. Klopapier darf nicht in die Kloschüssel, sondern muss gesondert in einen Eimer. Es hatte eine solche Standhöhe innen, dass ich, mit 1,87m Körpergrösse, nur im Bereich der Küche gerade stehen konnte, mir ständig den Kopf an den Türen stieß und in der Dusche Training im Wandsitzen machen musste. Wir hatten keine „AC“, wie all die anderen Schiffe und hatten nachts das Vergnügen von Dieselgeruch und/oder Hitze begleitet zu werden.

Groß. Größer. Am Größten.
Wir sind das kleine Segelboot in der Mitte

Bitte nicht falsch verstehen: ich möchte nicht undankbar klingen, ganz im Gegenteil. Die Reise war großartig, mit ein wenig oder etwas mehr Krängung von Insel zu Insel zu hoppen, die Segel zu setzen, traumhaftes Wetter zu haben und so viel zu sehen und zu erleben. Es ist allerdings nicht so shiny, wie die Meisten denken.

Alles in allem war es eine großartige neue Erfahrung, hat uns viel gelehrt, wir durften unter schönsten Bedingungen wieder neue Leute kennenlernen und die gemeinsame Zeit sehr genossen. Wir sind froh, dass wir dieses erste Experiment allein angegangen sind, doch ab dem nächsten Jahr schaffen wir das sicherlich auch mit freundschaftlicher Begleitung.

Quallen Familien
Segel sind gesetzt

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