Ginocchio und die Dolominions

Tag 11 – Mittwoch.

Gestern gabs nach dem Kaiserschmarn zur Ankunft erstmal eine heiße Dusche und ein kleines Nickerchen. Man ist doch ganz schön platti nach solchen Tagen – auch nach vermeintlich Kürzeren.

Blick aus unserem Zimmer

Am Abend gab es tolles Essen und dann saßen Kathi, Nikola, Alex und ich noch eine ganze Weile draußen und haben gequatscht.

Wir haben es alle gemeinsam drinnen am Tisch nicht mehr ausgehalten und ich spreche jetzt mal aus, warum:

Wir hatten ein Pärchen mit am Tisch, Ende 20, ursprünglich aus „Konschtanz“, leben nun in Ulm. Die beiden standen schon bei unserer Ankunft in Partner T-Shirts vor uns und seit dem gab es ständig und andauernd Kommentare. Die beiden wussten alles, meistens auch besser. Sobald man etwas genauer nachfragte, wurde zwar das Wissen bröckelig, aber wir hatten nicht mal ausreichend Lust, alles zu hinterfragen. Mir wurd es irgendwann zu anstrengend, sodass ich die Raucherpause der beiden Mädels als Anlass nahm, mit rauszugehen.

Am nächsten Morgen machten wir eine andere witzige Beobachtung: Wir hatten uns an einen Tisch gesetzt, an dem am Abend zuvor eine Gruppe saß, die sich über die letzten Etappen kennengelernt hatte. Als nun Teile der Gruppen zum Frühstück kamen und sahen, dass ihre Ordnung gestört war, waren sie überfordert, einen neuen Platz zu finden. Es ist schon beeindruckend, wie schnell Menschen sich an Dinge gewöhnen und daraus Sicherheiten erarbeiten.

Nun aber Schluss mit Beobachtungen unserer Spezies.

Wir stiefelten also los, über die Lüsener Alm, vorerst nicht mit den 7 Meilen Stiefeln, weil wir doch ein paar Startschwierigkeiten hatten. Nach einer Weile kamen wir aber in unseren Tritt und liefen relativ easy die ersten 11 km zur Mauerbergshütte, durch grüne Wiesen, durch Kuhherden und immer wieder durch Waldabschnitte. Dort gab es herrliches Mittagessen, wieder mit den Mädels. Immer mit Blick in die Dolomiten.

Lotte und die Ponies
Ab gehts

Bis zum Mittag war die Strecke voll mit anderen Pilgern gen Venedig. Nach der Pause wurd es richtig touristisch. Überall Parkplätze, teils mit deutschen Kennzeichen, die alle ihre Tagestouren durch die Dolomiten machten.

Diese zwei komischen Menschen mit Wanderstiefeln, großen Rucksäcken und blau beklebten Knien wurden vom Rest angestarrt wie Außerirdische. Entsprechend sahen wir zu, uns aus dem Touri Bereich zu entfernen und wieder mehr in die Wildnis zu kommen.

Schon geht das Gekraxel wieder los

Oben angekommen, auf der Peitlerscharte, gabs einen dicken Regenschauer und dann blitzte es auch noch in meinem Knie. Strecken war einfach nicht mehr drin.

Also liefen wir die letzten 30 min der Strecke deutlich langsamer und mein fröhlicher, positiv gestimmter Begleiter kam auf den spannenden Film-Titel:

Ginocchio und die Dolominions. (Übersetzt: Das Knie und die Dolomiten)

Wir arbeiten noch an der Geschichte dahinter.

Angekommen an der Schlüterhütte und vor allem: mitten in den Dolomiten. Es ist schon krass, wie weit man mit den Füssen kommt und was man tagtäglich sieht.

Morgen wird die Tour einerseits entspannt, weil nur etwa 11 km vor uns liegen, andererseits ist die Strecke aber als schwarz eingestuft und entsprechend wird sie wieder mit Kletterteilen verlaufen.

Ich kann noch kurz ergänzen, wie dankbar ich bisher für die Reise bin. Wir treffen größtenteils wirklich nette, fröhliche Leute, sind zu zweit auch ein tolles Team und wuppen diese ganzen Aufgaben ziemlich entspannt. Bisher gabs keine Hektik, Panik oder anderen Unmut. Alles also ziemlich gut.

Dankbare Grüsse aus den Dolomiten,

Lotte und Alex

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