Schotter, Eis und Schlamm

Nach einer herrlich ruhigen Nacht im Zweibett-Hochbettzimmer konnten wir gut in den Tag starten. Das Frühstück in der Lizumer Hütte war super, die Wandergruppe des gestrigen Tages, bestehend aus Anne, Fabiana, Walter, Stephan und uns saß das letzte Mal zusammen. Walter ist unser Senior, 68 Jahre alt, wollt heut einen Pausentag einlegen, der Rest wollte heut zur Weidener Hütte, entlang des Inntaler Höhenwegs.

Frisch gestärkt, mit heimlich eingestecktem Proviant ging es um 8:40 Uhr auf die Tour.

Das Ziel fest im Blick – da gehts jetzt hoch.

Es sollte ja wirklich easy werden… nur lässige 1180 m hoch und 880 m herunter. Was ein Klacks. 🙈

Die ersten gut 700 Höhenmeter hoch zum Geierjoch standen bei unseren ersten 3,5 km an. Entsprechend steil wurde der erste Abschnitt, dauerhaft durch Schotter, teils durch Eisfelder und Schlamm, gern auch mal alles drei auf einmal. Dort wurde mir einiges bewusst:

1. Heut wurde der Po richtig trainiert. (Man hat der gebrannt.)

2. Meine Kondition lässt vielleicht zu wünschen übrig, aber der Mut ist vorhanden.

Step by step.
Die Höhenmeter sind einer von beiden aus dem Gesicht abzulesen…

Oben angekommen, hatten wir einen unglaublichen Blick in die Zentralalpen, von Kitzbühler Alpen, Zillertaler bis zu den Stubaier Alpen lag alles vor uns – wenn auch die Gipfel teils in Wolken eingepackt waren. Unter uns lag der klare, blaue Junssee.

Kurze Pause und dann gings weiter, durch Schafherden, entlang witziger Touri-Gruppen, hinunter und hinauf zum Gschützspitzsattel, wieder durch Schotter, Geröll und Eisplatten.

Spätestens bei den Eisplatten war das Motto: „Alex macht den Weg frei“.

Er stiefelte großartig vor und machte mir mit jedem Schritt eine Stehfläche, sodass ich nur hinterherstiefeln musste.

Die Natur ist schon ein besonderes Schauspiel – wunderschön. Wir haben etliche Murmeltiere gesehen, wahnsinnig viele Schmetterlinge und tolle Gras- und Blumenwiesen. Ich bin auch der Meinung, Spuren von Steinböcken gesehen zu haben, die wahren Tiere blieben allerdings noch versteckt.

Es ging also in Serpentinen wieder herunter, zum Weitentaler Wasserfall und nach einem Apfel wieder hoch, nochmal 300 Höhenmeter, zum Tuxerjoch Haus. Unser Timing war perfekt – 5 Minuten nach Ankunft ging der Regenschauer des sich bereits anbahnenden Gewitters los.

Schlängeln wir uns mal herunter
Weitentaler Wasserfall

Jetzt gab es 2 Minuten Dusche für 2 €, Abendbrot und ein paar Backgammonspiele und die Planung der kommenden Tage. Das Bett wird nicht lang auf sich warten. Wir sind ordentlich müde.

Fazit des heutigen Tages:

1. Wir würden gern den Reiseführer umschreiben. Der Autor muss vor lauter Romantik für den Weg aus einer rosaroten Brille geschrieben haben. Ein paar mehr Hard Facts wären schon hilfreich.

2. Ab sofort werden Touren mit weniger als 300 Höhenmetern für uns nur noch als Spaziergänge abgegolten.

Also… schlaft gut.

Eure Lotte

Ps: vielen Dank für die vielen freudigen Leser und das Feedback. Ihr seid herzlich eingeladen, auch hier Kommentare zu hinterlassen.

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