Mich treibt seit einer Weile ein Gedanke umher, den ich hier gern teilen und weiter hinterfragen möchte.
Das wird diesmal ein langer und tiefgründiger Eintrag. Ich hoffe, Ihr begleitet mich trotzdem.
Die große Frage nach dem Glück und Glücklich sein übersteigt meine Kapazitäten, Ziele und Vorhaben dieses Blogs. Das ist ja auch nicht mal so eben zu beantworten.
Die Frage, die ich mir stelle, kommt vermutlich auf der Stufe davor, ist aber sicher nicht von dem Glück und Glücklich sein zu trennen: Woran hab ich Freude?
Wir müssen hierfür aber zunächst eine kleine Schleife fliegen. Ich hoffe, Ihr fliegt mit und habt keine Flugangst.
Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und behaupte, dass ich RELATIV unkompliziert bin. Mein Mann, mein Bruder und der oder die ein oder andere Freund oder Freundin verschlucken sich jetzt vermutlich am Brötchen oder prusten ins Wasserglas.
Ich weiß schon, ich bin hier und da zickig, hab meinen Dickkopf, mache gern auf Oberst Leutnant Oberschlau, hab so meine Schrullen und geh anderen mit meinem Chaos sicher tierisch auf den Senkel. Das ist aber alles nicht das Thema. Ich will auf etwas anderes hinaus…
Bei der Auswahl von Restaurants und Wochenendplänen, Aufgaben und Arbeitsteilungen im Job, selbst bei der Suche nach einer Wohnung bin ich definitiv unkompliziert.
Relativ. Schon klar.
Meine Frage ist nun vielmehr: Warum?!
Tangiert mich das nicht so sehr? Drücke ich mich vor einer Entscheidung? Ist mir das vielleicht egal? Lösen diese Dinge keine Freude in mir aus oder bin ich einfach genügsam?
Es fällt mir dadurch jedenfalls leichter, mich hinter die Vorlieben und Wünsche Anderer zu stellen, weil ich mich mit den jeweiligen Auswahloptionen arrangieren kann.
Hier sitzt doch aber der Casus Knacksus. Wenn es mir egal ist, ob es Pasta, Sushi oder Steak wird, hab ich dann wirklich Freude dran? Wenn es mir egal ist, ob ich die Mails rausschicke, die Zeichnungen scanne oder die letzte Terminrunde noch mit Kaffee und Bier versorge oder mir die Aufgaben anders teile?! Ist es mir wirklich egal, kann ich mit allem leben oder will ich mich für solche Themen einfach nicht stressen und sie stattdessen lieber schnell erledigen? Wenn ich mit einer Wohnung mit grünem, gelben oder schwarzem Bad leben kann, ist es mir einfach egal oder sehe ich in jeder Variante vielleicht eine kreative Chance, es trotzdem heimelig werden zu lassen?
Es ist auch nicht das Materielle, dass mich flasht. Ich habe keine Augen für eine schicke Uhr, ein cooles Auto oder den überteuren Rock von Dolce & Gabbana…
naja… stop!
Wenn es um Mode geht, kann ich schon ins Schwärmen geraten. Ich mache selbst gern mal wilde Modeexperimente, bin nicht sonderlich farbenscheu und liebe Magazine mit schönen Inspirationen. Wäre ich 15 cm kleiner, hätte entsprechend kürzere Beine und Arme, wäre das Shopping Erlebnis sicher auch mit mehr Freude behaftet. So ist das Shoppen Stress und wird entsprechend selten erlebt. Ich horte aber gerne meine Schätze im Schrank und zieh sie ab und zu raus und an und aus. Es muss aber eben nicht der teure Rock von D&C sein, ich nehm auch die Kopie von Zara. Ich kann mir das Luxusprodukt eh nicht leisten und kann mir dann lieber für den selben Wert 18 bis 80 weitere Teile kaufen😉
Also… Mode. Ein sehr vergängliches, aber auch kurzweiliges Thema.
Was gibts noch??
Ich kann mich in Ruhe an einem besonderen Gebäude verlieren. Es gibt nichts cooleres, als das Gefühl in unterschiedlich proportionierten Räumen zu fassen, die Materialien anzufassen, die Anschlussdetails zu begutachten, zu überlegen, was besser und schlechter hätte sein können und geniesse die Anmut eines solchen Gebäudes, von außen wie von innen. Solche Momente kommen selten vor, weil die Zeit und Ruhe dafür da sein muss. Aber dann… großartig, wenn man in der Sonne sitzen und beobachten kann. 

Toll oder…??! Dass mein Blog BAU STIL LETTO heißt oder?? Wie das wohl kam??!!
Mir fallen noch zwei Dinge ein, die gut mit den ersten beiden Dingen kombinierbar sind.
Ich reise unheimlich gern. Ich sehe so gern neue Städte und Länder, erlebe gern andere Kulturen, möchte die Menschen und das Essen dazu kennenlernen. Ich geniesse die neuen Gerüche und das andere Klima und zehre noch lange Zeit danach von den Erfahrungen.

Der letzte Punkt ist vermutlich des Rätsels Lösung für meine Frage, die ich eingangs in den Raum gestellt habe: Ich bin gern für meine Mitmenschen da und unterhalte sie gern. Ich quatsche gern, höre gern zu, lache und heule mit und bin ein fast schon nerviger Kümmerer. Ich hab Freude daran, wenn andere Freude empfinden. Wenn also JEMAND Freude an einem Sportflitzer hat, dann freu ich mich darüber, dass sich dieser Jemand den Traum erfüllen kann und Spaß daran hat, ohne dass ich diese Begeisterung auch für mich selbst spüre, ich auch so etwas haben möchte. Ich sauge meine Freude aus der gemeinsamen Zeit und dem Wissen, dass ich für die Freundin, die Kollegin, meinen Mann oder meine Muddi da sein kann. Es ist die gemeinsame Zeit, die mir Spaß macht. Da ist es mir egal, ob es dazu Schnitzel, Döner oder den glutenfreien, veganen Burger gibt….
Also… wem kann ich helfen? Wem kann ich einen Gefallen oder eine Freude machen? Wo ist die nächste Party, auf der wir uns gemeinsam zum Totalaffen machen und dabei lachen?!
Ich bin dabei. Eure Lotte

