
Sonntag war freier Wandertag und gleichzeitig letzter Reisetag, den ich mir mit einer fetten Massage hab versüssen lassen. Aber Obacht bei kleinen Frauen – die können Schmerzen verursachen. An ein Einnicken war nicht zu denken.
Danach bin ich entspannt durch Santander gelaufen, hab noch ein bisschen die Stadt aufgesogen, um dann im Bus Richtung Bilbao aufzubrechen. Eine Woche Laufen vs. 90 Minuten Busfahrt. Ich bin noch unsicher, ob ich stolz oder frustriert über diesen Vergleich sein soll.
Heute Mittag geht mein Flieger, über Düsseldorf heim nach München und Dienstag früh schlägt dann der Alltag wieder richtig zu.
Es ist also Zeit für einen ersten Rückblick. Ich splitte aber, um nicht alles zu verraten und um meine lieben Leser nicht komplett zu erschlagen mit meinen tiefgründigen Geschichten😉
Wird es ein nächstes Mal geben?
Ja! Ganz sicher!
Es war wieder einmal eine tolle Reise durch Spanien. Das Pilgern, also das Weiterreisen, ist eine unheimlich spannende Art zu reisen und macht mir irrsinnig viel Spass. Der Camino, egal ob Norte oder Frances bieten den passenden Rahmen und die entsprechende Infrastruktur. Ich kann mich hier fallen lassen, muss nichts vorher organisieren und kann einfach dort enden, wo ich will, laufen soweit meine Füsse mich tragen.
Das Laufen ist dabei alles. Es entschleunigt, zwangsläufig, man hat mehr Zeit, um sich auf sich selbst, die Wehwehchen, die Kraft und die Gedanken zu konzentrieren, kann die Umgebung ganz anders geniessen und aufnehmen.
Es ist eine wunderbare Art, um abzuschalten, die Ruhe und das Alleine sein zu geniessen. Ich bin ja wirklich gern von Menschen umgeben, aber diese Zeit, so völlig allein, ist auch so erholsam und tut unheimlich gut. Man kann auf diesen Wegen andere Pilger treffen und mit ihnen quatschen oder auch für sich sein. Die zwischenmenschlichen Erfahrungen sind das, was mir tatsächlich am meisten Freude bereitet. Es ist unheimlich nett, mit fremden Menschen zu quatschen, die gemeinsame Aufgabe zu meistern. Es gibt mir ein Teamgefühl, dass unbeschreiblich schön ist.
Ich vermute, dass eine wirkliche Veränderung in Einstellung oder Charakter oder Geist nur über den ganzen Weg erfolgen wird. Eine kleine Etappe zu laufen, hilft, um Gedanken zu ordnen, sich auf wesentliche Dinge zu konzentrieren, statt wie Zuhause, im Trubel und Dunst des Alltags den Blick nicht klar zu kriegen.
Ich kann also jedem, der gut zu Fuss ist, empfehlen, diese Art des Reisens mal zu probieren. Es müssen ja nicht 6 Wochen sein und es geht auch überall anders als in Spanien.
Wer hätte gedacht, dass ich nochmal Werbung für Wandern und Pilgern mache.
Heut werde ich mir mal überlegen, ob und wenn ja, was dieser Trip mit mir gemacht hat und wohin es beim nächsten Mal geht.
Nun noch der eigentliche Spruch zum Muttertag, etwas verspätet, aus dem Abrisskalender:
Dein Geist ist mächtig. Lass nicht zu, dass er zu schnell in den alten Beziehungsmodellen steckenbleibt, die dir die Gesellschaft anbietet. Wenn du „nur“ Mutter sein möchtest, wünsche ich dir, dass du siehst und fühlst, dass es keinen größeren Erfolg geben kann, als ein anderes Wesen sein Leben lang zu lieben.
Schön, dass Ihr dabei seid!
Eure Lotte