Im falschen Land aufgewacht

Das war nun der letzte Wandertag dieser Reise und ich hab mich gefühlt, als sei ich im falschen Land aufgewacht. Regen, Wind, Kühe, wilde Küste, grünes Inland… ich bin doch nicht über Nacht nach Irland gekommen?? Es war jedenfalls zum Verwechseln ähnlich. Matsch und grüne Kuhwiesen, Ziegen und Schafe und dann die wilde Brandung entlang der Küste, wo sich Surfer selbst bei 12 Grad Außentemperatur ins Wasser werfen und auf die perfekte Welle warten. Kann man machen. Es war also nicht gerade perfektes Wanderwetter, sodass ich mich nach 8-9 km riesig auf ein schönes Cafe gefreut habe.

Dort angekommen, blicke ich aus dem Fenster und sehe David, den US Amerikaner vorbeikommen. Er heißt übrigens James. Nach meinem gestrigen Ösi Zwischenfall hab ich mich so gefreut, jemanden zu treffen, mit dem das Quatschen Spaß macht, dass ich ihm entgegen gelaufen und ihn auf einen Tee eingeladen habe. Wir haben dann über eine Stunde in dem Cafe gesessen und gequatscht. Über seinen Job als Leadership Coach, was das beeinhaltet, hat mir Tipps und Tricks mitgegeben, wir haben über den Camino gesprochen und was das mit einem macht, ob wir den Frances oder Norte besser finden, seine Familie, sein Sohn, der als Marine im Irak Krieg dabei war und in einer Organisation für Veteranen arbeitet und vieles mehr. Es war so unheimlich spannend, persönlich und nett. Ich werde ihn vermutlich nie wiedersehen, aber es war mir eine riesen Freude, ihn kennenzulernen und so einen herrlichen Nachmittag zu verbringen.

Danach sind wir noch ein letztes Stück zusammengelaufen, bis sich unsere Wege an der Ferry nach Santander trennten. Er wurde von einem Freund abgeholt und ich sprang aufs kleine Schiff.

Mir wurde mal der Titel von Frau Prof. Schlauschlau verliehen, weil ich es hin und wieder nicht lassen kann, ein Klugscheisserchen zu sein, ein süsses, aber ein Klugscheisserchen.

Ich hab mich lang zurückgehalten, aber heut muss das mal gesagt werden – so am Ende der Reise: das Zeichen der Jakobsmuschel wird ja als Wegweiser etwas abstrahiert und sieht eher einer Sonne mit Strahlen ähnlich. Hierbei soll das Zentrum Santiago bedeuten und die Strahlen sind die Wege, die dorthin führen. Als Wegweiser ist das Zentrum dann im Prinzip die Spitze des Wegpfeils. Leider haben die hier im Norden nicht immer verstanden, wie es richtig herum sein soll…

In Santander angekommen, gabs nur noch ein Ziel, rechtzeitig im Hotel anzukommen, um den grossen HSV spielen zu sehen. Und dann das… Der Sieg hat nicht gereicht, da Köln in Wolfsburg hätte gewinnen müssen. Nun ist der Dino tatsächlich abgestiegen. Unfassbar. Ich war erstaunt, wie mich das selbst getroffen hat, obwohl meine Fussballbegeisterung ja nur oberflächlich ist und ich doch eigentlich Hannover 96 Fan bin.

Nach einem Schläfchen, einer Dusche und dem letzten „Waschtag“ gings nochmal raus an die Strandpromenade zum Essen. Ich saß tatsächlich allein im Restaurant. Allein, allein. Die Spanier essen spät, schon klar, aber ich bin um 20:45 hin und um 22:00 wieder raus. Keine Menschenseele kam währenddessen zum Essen.

Es gab ein tolles Drei Gänge Menu mit Wasser und Rotwein, je eine Flasche für 25€. Essen war top, Blick war top, alles gut. Keine Sorge: es gab nur zwei Gläser Rotwein, nicht die ganze Flasche un dich darf heut morgen sagen: der Rotwein macht Kopfweh😊 Allein betrinken macht auch wirklich keinen Spass. Das muss in Gesellschaft sein oder gar nicht.

Ich habe mich entschieden, eine Resumee nicht am letzten Wandertag zu schreiben. Also kommt jetzt erst ein gutes Frühstück mein Spa Besuch und wenn ich auf dem Weg zurück nach Bilbao bin, werde ich mir ein Resumee meiner Reise erarbeiten.

An die Muddis hier unter Euch, ganz vorne weg meine Mami und danach auch direkt meine liebe Coco:

Heut ist Muttertag. Alles Liebe von mir. Schön, dass es Euch gibt und Ihr so unermüdlich für Eure Kinder kämpft!

Ich finde, hierzu passt auch der heutige Spruch des Abrisskalenders:

Erlaube Dir, bemerkenswert zu sein. Wenn du dich bremst, versteckst oder verbiegst, fehlt deine Strophe im Lied unserer Welt.

Also Muddis, bleibt bemerkenswert!

Eure Lotte

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