Nach dem gestrigen, doch eher anstrengenden Tag war das heut, völlig richtig, ein ruhiger Tag. Wirklich ruhig. Also so total ruhig.
Als ich heut morgen wach wurde, prasselte der Regen auf das Velux Fenster. Ich hab das zum Anlass genommen, einfach so lang im Zimmer zu bleiben, bis der Regen vorbei ist. Gegen 9 war es dann soweit. An ein paar Pferdekoppeln vorbei, mit Musik in den Ohren, (Max Herre mal wieder, heut mit Joy zusammen), gings dann wieder die nächste Steigung hoch. Wieder Knackpo Training bei knapp 300 zu überwindenen Höhenmetern. Selten hat sich ein Aufstieg so gelohnt wie heute.


Da wo die Sonne scheint… da soll ich heut hin. Also gings wieder bergab und ins erste Cafe von Laredo. Päuschen müssen sein. Schnell stieß der US Amerikaner wieder dazu. Ich hab ihn nach seinem Namen gefragt, aber glaubt ihr, ich konnt ihn mir länger als 2 min merken?? Richtig. Konnt ich nicht. Er bleibt also David. Wir haben uns gemütlich unterhalten und unseren Kaffee zusammen getrunken. Danach gings wieder los. Der nächste schöne Abschnitt der Strecke-direkt am Strand entlang. Heut hab ich doch glatt was verbotenes unter erfahrenen Pilgern gemacht: ich hab meine Stiefel ausgezogen und die Füsse ins Wasser gehalten.



Zur Erklärung: man sollte das eigentlich nicht tun, weil die Haut dann weich und anfällig für Blasen wird. Mir wars egal. Ich wollt einfach am Meer entlang laufen und hab es so genossen. Die Sonne schien, die Wellen rauschten, die Surfer paddelten durch die Wellen und ich konnt mir nichts schöneres vorstellen.
In Santona angekommen, gabs nen kurzen Unterkunftscheck und dann bin ich noch ein Stück raus aus der Stadt, an den nächsten Strand. Kurz Zimmer bezogen, kurze Hose an, Handtuch mit und raus, am Strand spazieren und ein Schläfchen in der Sonne gemacht. Ohne Sonnencreme versteht sich.


Tja, und das wars auch schon. Keine grundlegenden Lebensfragen mit mir diskutiert, keine neuen Pilger getroffen, keine kontroversen politischen Diskussionen geführt. Totale Entspannung.
Ich geniesse diese Ruhe unheimlich. Der Tag ist ausgefüllt und doch ist diese Reise irgendwie erholsam. Ich schlafe viel und kann einfach den Kopf abschalten und gerade hier am Meer Sonne und gute Luft tanken.
Heimweh?? Nein. Klar freu ich mich, wenn ich meinen Mann wiedersehe und auch wieder Familie und Freunde und Kollegen sehe und höre und lese. Klar freu ich mich über so Luxusthemen wie eine große Klamottenauswahl, meine Haarkuren, um dieses sture Zeug, dass sich Haare nennt, zu bändigen, meine Badewanne, eine gute Pizza, einen Kinobesuch… Ich bin ja auch wirklich nicht der Typ Einsiedler. Diese eine Woche ist dennoch eine tolle Art, um mal abzuschalten und ich kann es jedem nur empfehlen, den Rucksack zu packen und das auch zu machen. Das Pilgern auf dem Jakobsweg ist leicht, weil die Infrastruktur steht. Zwischen 15 und 100€ pro Tag Ausgaben ist alles möglich, jeder kann diese Reise also nach seinen Ansprüchen anpassen.
Und als kleine Vorwarnung: die Wörter meines täglichen Kontingents, die ich jetzt nicht nutze, spare ich auf. Ich warne Euch also schonmal vor😂
Morgen wird der Tag wieder etwas taffer, ca. 30 km liegen vor mir. Mal sehen, ob ich wirklich alles laufe oder das letzte Stück den Bus nehme. Jedenfalls ist morgen die Sonne wieder da und somit die kurze Hose Programm. Die Beine wollen noch braun werden. Morgen ist der Tag wieder länger, also gibts sicher auch wieder lebenswichtige Fragen zu klären.
By the way: Alles Liebe zum Vatertag. Zu allererst an meinen eigenen Papi, der hier fleißig mitliest und dann auch an alle anderen Papas unter Euch. Schön, dass es Euch gibt.
Also Ihr Lieben. Ich freu mich, dass Ihr dabei seid. Bis bald.
Eure Lotte
Jeder Tag birgt so viele Möglichkeiten, etwas Spannendes über dich zu erfahren, etwas Wesentliches zu lernen und etwas Neues auszuprobieren.