Halbzeit – heute politisch brisant

Eine Ansage gleich zu Beginn: Ich erwarte von jedem, der das hier liest, dass er oder sie mir beim nächsten Wiedersehen ein grosses Kompliment für meinen Knackarsch macht, damit wir danach über den guten (und gut gemeinten) Witz lachen können. Das hat auch nichts mit fishing for compliments, mehr mit commanding for compliments zu tun😊

Ich hab gleich morgens entschieden, dass es daheim ein neues Iphone für mich geben wird. Diese milchigen, fleckigen Bilder machen ja keinen Spass. Das Iphone 5S hat seinen Dienst nun getan.

Das nenn ich einen guten Einstieg in den Tag und den Bericht😂

Der erste Teil des Tages ging gut los. Ich hatte meine Ruhe, keine Pilger. Ich hab zu Anfang immer Musik in den Ohren, um gut in den Tag zu starten. Abgesehen davon, hab ich von Stadtgeräuschen ja genug, ich möcht lieber die Ruhe und das Meer hören, nicht aber Motoren. Irgendwann traf ich auf … nennen wir ihn David, US Amerikaner aus Utah, Ende 50, spricht spanisch, gibt in den USA und spanisch sprechenden Ländern wie Mexico und Spanien Kurse zu Leadership. Er läuft jetzt eine Etappe und macht weiter, wenn er wiederkommt.

Tut mir leid… aber wenn ich schon einen US Amerikaner neben mir habe, muss ich über Politik sprechen. Er hat also Trump gewählt, weil er nicht Hillary wählen wollte, sie für korrupt hält und Trump das kleinere Übel sei. Ich habe kurz überlegt, ob ich irgendwie reagieren soll. Ich hab mich aber weise entschieden, das unkommentiert zu lassen. Vorerst. Wir haben uns also über Trump unterhalten und da sagte David, er sei gut für die USA, besser als er hätte glauben können. Er würde viel für die Wirtschaft tun. Danach wechselte er zackig das Thema auf unsere vergangenen Wahlen. Als ich ihm erklärte, dass der Trend nach Rechts, den wir in vielen anderen Ländern der Welt auch feststellen müssen, auch bei unseren Wahlen erlebt haben mit der AfD, merkte ich, dass David als „conservative Republican“ das nicht so lustig fand. Da war auch zackig das Gespräch beendet.

Aber jetzt mal ehrlich. Ich setze mich nicht ausreichend mit der Innenpolitik der USA auseinander, aber was hat Trump denn schon bewegt, um die Wirtschaft anzukurbeln? Ich werde mich damit jetzt befassen, um mir ein besseres Bild zu machen. Ich kann vielleicht auch nicht glauben, dass dieser Twitter Spinner irgendwas sinnvolles für sein Land schafft, außer Leute zu drangsalieren. Nun gut.

Ich hab bei 9 km Marius in einem Cafe wiedergetroffen und kurz bei einem Cafe con leche gequatscht. Danach bin ich wieder allein los.

Kurz danach traf ich zwei Herren aus Südkorea und was soll ich sagen… wir haben über Politik gesprochen. Einer der beiden arbeitet für eine koreanische Bank und war entsprechend der englischen Sprache mächtig und erklärte mir, dass die Südkoreanische Wirtschaft 100mal so stark wie die Nordkoreanische sei und ein Zusammenschluss der Länder, so Gott will, für Südkorea eine echte Last werden würde. Entsprechend war seine Begeisterung zu dem Thema eher eingebremst.

Das war ein ziemlich politischer Tag heut.

Irgendwann hab ich ein Zwicken im rechten Fuß gemerkt und wollt mal schauen, ob dort ein kleiner Stein scheuert. Tatsächlich. Mit dem Ergebnis einer ganz niedlich kleinen Nagelgroßen Blase am zweiten Zeh. Der kleine Zeh leidet ja schon seit gestern, eigentlich schon seit meiner Spitzenschuhe zu Jugendzeiten.

Egal. Stein raus, Socke an, OP muss später durchgeführt werden.

Bei km 17 gings dann nochmal den Berg hoch und ich habs so nicht erwartet. Ich war eh schon nicht mehr so vollends bei Kräften und dann gings aber steil bergauf. Das muss ja gut sein für den Po. Ich hab mir jedenfalls geschworen, nie wieder zu schimpfen, wenn es morgens gleich als erstes den Berg hochgeht. Da ist man noch fit und kann so etwas wuppen. Nachmittags ist die Luft einfach raus.

Oben angekommen standen zwei Pferde auf einer Koppel. Ich hab selten so ein Verlangen nach Satteln und Trensen und Reiten gehabt. Mir tat alles weh. Die Pferde waren nicht zu stehlen, geht auch nicht ohne meine Resi, also gings zu Fuß weiter.

Beim nächsten Päuschen wurde dann die OP durchgeführt. Eine OP am offenen Fuss sozusagen. Aufstechen. Abtupfen. Pflaster. Tape. Fertig. Keine Sorge, ich hab keine Fotodokumentation. Es wäre mir zuzutrauen…

Nun tat dann aber wirklich alles weh. Rücken, Wadenmuskelansatz am unteren Kniegelenk, rechter Fuß. Es waren aber noch 5 km…. also Musik wieder in die Ohren. Das hilft unheimlich, motiviert und scheucht die Schmerzen weg.

Max, falls Du das hier jemals lesen solltest: nach 24 km fühlt sich nichts, wirklich gar nichts „wie Fliegen an“.

Nun, wiedermal im Hotel, statt in der Albergue, Rucksack runter, Schuhe aus, aufs Bett, eingeschlafen. Ich bin völlig alle.

Es war ein schöner Tag, ich hab schöne Natur gesehen, etwas britisch/irisch mit rauer See und vielen grünen Bergen und Hügeln, vielleicht eine Spur zu viel Motorengeräusche gehört und ziemlich genau 25 km geschafft.

Ein Letztes noch, wie immer: heut waren Opi und Omi Schröder sehr präsent. Es krähten die Hähne, es pickten die Hühner, es roch nach Blumen, die Omi im Garten und im Wintergarten hatte. Ich durfte mich ganz viel an Hanna’s und meine gemeinsame Zeit in Preetz erinnern. Wenn ich mal wieder in Hamburg bin, werd ich zu Opis Grab fahren und ihn besuchen und auf dem Weg gleich bei meinem alten Freund Ferdi vorbei. An ihn hab ich heut nämlich auch gedacht. Ich hoffe, Ihr beiden habt da oben Spaß, macht ein paar doofe Witze und wacht ein wenig über mich hier auf dem Weg.

Same procedure: also… Spruch vom Abrisskalender und dann bin ich raus.

Ciao Kakao. Hasta la vista.

Eure Lodde

Ein bewusster Mensch begnetet seinen Mitmenschen natürlich mit Mitgefühl, denn Bewusstsein kennt keine Grenzen.

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