Abenteuerlicher Beginn, nettes Ende

Halleluja. Heut morgen brannte es noch mehr als gestern. Ich, als Braunie, kriege doch im Vergleich zu den Blondies, keinen Sonnenbrand. Eigentlich. Gestern habe ich mich im Nacken so arg verbrannt, dass es nun ordentlich zwickt und prickt! Hab zur Pflege Sonnencreme draufgemacht… danach… 😁

Bin heut morgen, hungrig, in den Bus gesprungen, um zum Startpunkt zu kommen, in der Hoffnung, dort einen Supermarkt zu finden und wurde stattdessen vom Busfahrer und einem Passagier irgendwo rausgeschmissen, da die beiden lieber schnell nen Käffchen trinken, statt ihre Route zu Ende zu fahren und haben mir erklärt, dass der von ihnen festgelegte Startpunkt viel besser ist. Naja…

Zunächst war ich ja nur dankbar, dass ich etwas zu frühstücken kriegte, doch auch das war eher kläglich! Ein Milchbrötchen mit Sahne bestrichen hat eher zu Milchbeinen geführt als irgendwas anderes. Obst?! Weit und breit nicht zu sehen. Die Spanier oder vielmehr die Basken frühstücken schon komisch.

Frühstück war also keine Hilfe, der Startpunkt war aber zumindest okay. Ich hatte relativ schnell die erste Steigung von 350 m Höhenunterschied vor mir. Sean, Justin ( ja, ich gebs ja zu: Bieber und nicht Timberlake) und Rita haben mich gut motiviert und mir einen guten Takt vorgegeben. Als ich oben ankam, sprach die Uhr von einem Puls von 90/min. Gefühlt waren es aber eher 90 pro 10sek. Wenn ich den Anstieg mit einem 90er Puls schaffe, dann kann der Kranaufstieg auf 67 m in Ulm gern kommen. Ein Leichtes😊

Beim Abstieg flog die Musik wieder in den Rucksack, stattdessen genoss ich die Ruhe der Natur und traf bald auf einen Pilger: Marius, Physiotherapeut und Osteopat aus Berlin, ca 55 Jahre alt. Er erzählte mir zunächst mal, dass der Weg ja so voll und überall Pilger seien. Ich konnts kaum glauben. Immerhin war er der Erste, mit dem ich einen Teil des Weges laufe. Danach haben wir uns über Körpergrösse und Haltung, Sport im Allgemeinen, Fussball – natürlich, Schuhwerk, meine Frage nach dem Optimieren und Ernährung unterhalten.

By the way – mal wieder ein Einschub: ich schwöre auf meine Meindl Wanderstiefel. Großartig. Die passen wie angegossen, alle Zehen haben Platz, ich rutsche nicht vorne gegen, kriege keine Blasen und keine Stinkefüsse. – die einen werden jetzt über die Direktheit ihrer lieben Loddi mit Doppel D lachen und die anderen den Kopf schütteln, weil sie es so genau gar nicht wissen wollten. Sorry… so bin ich😊 und um den Vogel gleich abzuschießen, noch eine Info, die vielleicht nicht jeder wissen will: es ist beeindruckend, wie viel ich trinken kann ohne „pieschen“ zu müssen (ein Wort meines Bruders). Das wird direkt mit den Giften des Milchbrötchens wieder ausgeschwitzt.

Auf den Punkt: Meindl Stiefel sind super. Viel Trinken geht auch super.

Nächster zusammenhangloser Einschub:

Ich hab mich heut verjagt! Mir ist eine Ratte über den Weg gelaufen. Es gibt ja kaum was ekligeres für mich. Ich kenn ja so nen paar Mäusepaniker hier unter den Lesern… so wie ihr Euch schon bei einer Maus verhaltet, reagiere ich dann spätestens bei einer Ratte. Schrecklich. Darf gar nicht dran denken!

Zurück zu wichtigen und ernsthaften Themen:

Heut morgen habe ich ein Buch bei Blinkist gelesen mit dem Titel: „Viel besser als gute Vorsätze.“ Darin ging es um Gewohnheiten und wie man diese in seinem Alltag integriert und seinem Kopf programmiert, wie man mit Willensstärke kleine Fortschritte macht und was es helfen kann. Schon fing ich an, darüber nachzudenken, was ich in meinem Alltag besser machen möchte und kam ruckizucki wieder zu dem Gedanken der Selbstoptimierung, der mich ja gestern schon umtrieb. Laut dem Buch soll man sich keine riesigen, sondern fast lächerlich kleine Ziele setzen und diese lieber übertreffen und dadurch verfestigen und motivieren. Also: statt eines VHS Sprachkurses, den man wegen Zeitmangels nach 4 Wochen abbricht, eine Vokabel am Tag lernen. So wird es nach einer gewissen Zeit zur Gewohnheit, der es keiner Überwindung und Anstrengung mehr bedarf.

Ich hab mich also heut Mittag an den Strand gesetzt und überlegt, was ich gern anders machen möchte.

1. Spanisch lernen – schonmal angefangen, aber wegen Zeitmangels wieder abgebrochen.

2. Englisch verbessern – gerade das Business Englisch könnt einen Boost gebrauchen, die Grammatik freut sich auch über eine Verbesserung😊

3. besser essen – fürs Wohlbefinden, um ein paar Pfund zu verlieren, gegen die Süssigkeiten-Schokisucht

4. Sport und Bewegung – für den Ausgleich, die Kondition, das Wohlbefinden, die Figur…

5. mehr Wissen zum alltäglichen Geschehen – ich kann nicht politisch interessiert und in Diskussionen mein liberales Denken verteidigen, wenn ich keine Ahnung habe, was eigentlich gerade los ist.

Es gab noch viele andere Ideen, aber fangen wir damit erstmal an. Ist ja mehr als genug fürs Erste.

Also habe ich Regeln formuliert:

Punkt 1&2: eine Vokabel am Tag. Vielleicht investiere ich wieder in die Babbel App, immerhin motiviert die mit dem Spielwert. Außerdem ist das Geld in Bildung gut investiert.

Zu 3.: ich habe mir vorgenommen, beim ersten Verlangen nach Süssem zu Obst zu greifen. Wenn danach noch weiteres Verlangen nach Süssem kommt, ist es nicht verboten und vielleicht übertönt das Obst ja das Verlangen.

4.: hier eine Regel zu finden, war für mich mit am Schwierigsten, immerhin geh ich doch so gern schwimmen und das geht nicht mal eben schnell zwischendurch. Hier hab ich also zwei Ziele: eine Plank am Morgen, so lange es geht und dazu 2mal die Woche schwimmen.

5.: morgens im Zug einen Artikel lesen, einen der mich interessiert, egal ob aus dem Wirtschafts-, Immobilien- oder Politikteil.

Wann ich nun mit welchem Thema beginne und in welcher Reihenfolge weiß ich noch nicht. Alles gleichzeitig wäre sicher wieder zu viel des Guten. Darüber mache ich mir die nächsten Tage Gedanken.

Marius ging also weiter, viele Pilger kamen tatsächlich vorbei und einer sagte „Moin“. Musik in meinen Ohren. Philipp, ende 20, Rheinländer, genauer Düsseldorfer, der in Hamburg Jura studiert hat und nun zwischen Studienende und Jobanfang durch den Camino eher sprintet als geht. Der Junge muss erstmal runterkommen, ist ja erst seit 5 Tagen unterwegs.

Wahnsinn eigentlich, was man hier in kürzester Zeit von den anderen erfährt, was ich zuhause nicht mal in der doppelten Zeit schaffe. Wird hier weniger geschwaffelt, mehr auf den Punkt gebracht, weil die gemeinsame Zeit extrem knapp ist? Spricht man nur über die Dinge, die einem wirklich wichtig sind und lässt die Unerheblichkeiten einfach weg?!

Ich war so begeistert, dass es tatsächlich Pilger auf dieser Strecke gibt. Hat mich aber dennoch nicht dazu gebracht, in eine Herberge zu gehen, ich hab mir stattdessen lieber eine kleine Pension gesucht. Ich brauche die Ruhe und meinen eigenen Rhythmus. Ich hab auf diese Rennerei um die Betten keinen Bock. Mein Urlaub. Meine Zeit. Meine Ruhe. Mein Rhythmus.

Ich könnt noch über so viel mehr schreiben, über das ich mir so Gedanken mache… ob es die Körperhygiene ist, die Unruhe, die Erwartungshaltung, mein Wunsch nach Zielen und vieles vieles mehr. Aber heut ist genug. Hab ja schon wieder viel zu viel geschrieben.

Vielleicht morgen. Morgen wird ein langer Wandertag. Das nächste Ziel ist fern. Mal sehen, ob ich wirklich die ganze Strecke schaffe und ob ich Pilgern begegne.

Nachdem ich heut gewaschen und gestriegelt das Hotel verlassen habe und lockig zerzaust angekommen bin, gibts morgen von mir ein Vorher/Nachher Bild.

Jetzt noch der tägliche Spruch.

Wir sehen uns morgen wieder und denkt dran, ich freu mich über Likes und Kommentare😉

Alles, was du jetzt gerade in deinem Leben genießt, ist das Werk vieler Wesen. Sich daran zu erinnern ist sehr, sehr wichtig. Es schützt dich vor Hochmut und Isolation. Es hält dich auf eine gesunde Weise klein, dankbar und demütig.

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