Tag Zwei ist geschafft! Ich bin geschafft. Mein Rücken ist es auch.
Laut Apple Watch habe ich ca. 12Minuten 30 pro Kilometer gebraucht. Mit 2 Pausen waren es am Ende etwa 4 Kilometer pro Stunde. Insgesamt 18 km, 23.130 Schritte und wohl 1284 kcal.
So viel mal zu den Fakten.
Heut Vormittag ging es lange, lange durch Stadtteile, an 9spurigen Autobahnen vorbei, wieder an irgendwelchen Straßen, bis ich endlich in die Natur kam. Mal abgesehen von einer spektakulären Brücke, die mittlerweile UNESCO Weltkulturerbe ist, gefiel mir der erste Teil der Strecke überhaupt nicht. Zum Glück hatte ich von Anfang an unheimlich nette und unterhaltsame Begleitung. Das Thema Liebe stand heut irgendwie auf der Tagesordnung. Tom hat mir von seinen Liebesgeschichten erzählt und irgendwann „Hold me“ geträllert, Kim und seine Jungs und ich haben uns ebenfalls über Liebe und innere Werte unterhalten, Max ist auch nen ganz musikalischer Typ gewesen und hat von wilden Nächten berichtet.
Wer hats gecheckt?! Vermutlich nur die, die meinen Musikgeschmack kennen… Ja Marc: GESCHMACK😉
Rätselauflösung: ich hab heut die Kopfhörer ins Ohr gesteckt, Noice Canceling eingeschaltet und dann Musik angemacht. Stadtgeräusche kenne ich zu Genüge, die brauch ich hier nicht. Tom Odell, Echt und Max Herre haben dafür einen guten Start gegeben, TLC und R. Kelly haben ein wenig den Hüftschwung gefordert, sofern der Rucksack es zuließ und am Ende hat Chris Martin mit Yellow sehr passend auf alle gelben Pfeile aufmerksam gemacht. Die Musik hat motiviert und meine Gedanken einfach übertönt, weil ich lieber mitsummen wollte.







Sobald die Mittagspause durch und die Natur vor mir lag, war die Musik im Rucksack verschwunden. Selbst den Takt zu finden und mich in der Stille zu motivieren, war anfangs gar nicht so leicht. Irgendwann liefs aber wieder und die Gedanken auch.
Meine Frage des Tages war: Warum haben wir heutzutage einen ständigen Drang zur Selbstoptimierung?? Richard Branson sagt: „Never stop reaching a bit further, faster and higher.“ Unsere Welt wird immer schneller und fordernder, wir schaffen es eigentlich nicht mal, die Basisaufgaben des Alltags gut zu wuppen. Dazu kommen aber heutzutage noch die Anforderungen, weitere Sprachen zu lernen, viele Bücher zu lesen, politisch interessiert zu sein, Kulturreisen zu machen, überall mitreden zu können. Ich sehs auch an mir… eigentlich hab ich keine Zeit zu lesen, will ja aber auch nicht doof bleiben, also gibts die neue App Blinkist. Passend zu unserem heutigen Leben werden Bücher auf 15 Minuten minimiert. Weitere 7 Minuten des Tages sind für eine Meditation verplant, Sport Apps versprechen Erfolge bei Sport zwischen 7 und 30 Minuten. Zwischendurch ernährt man sich gesund, macht Achtsamkeitsübungen und sollte eigentlich noch ein Held in Beziehung, Familie und Job sein. Was machen wir bloß gerade?! Woran liegt das?? Muss in uns allen ein Entrepreneur mit 5 Fremdsprachen und 3 aktiven Mitgliedschaften in gemeinnützigen Vereinen, Ironman, Veganer, Superkoch und Reiser stecken?? Wie findet jeder seine eigene Mitte an Interessen und Weiterentwicklung ohne am Anspruch der Gesellschaft zu zerbrechen und den eigenen Raum, in dem man die eigenen Stärken stärkt und Freude findet, an dem was man tut?! Uns steht die Welt offen, alles ist zugänglich, man kann sich kaum entscheiden vor lauter Optionen. Wir posten und liken und stellen alle Taten und Erfolge im Social Network dar. Alle dürfen sich daran messen.
Ich seh das ja auch an mir. Ich würde gern spanisch sprechen, gern mehr Bücher lesen, mehr Sport machen, etwas gutes für meinen kaputten Rücken tun, Zeit für Kochen haben… doch mein Tag hat nicht so viele Stunden. Da gerät manchmal der eigene Kosmos ins Wanken, weil man selbst nicht mehr weiß, in was man eigentlich gut ist und woran man festhalten soll. Ich würde mich gern sozial engagieren, hätte Lust auf politisches Engagement, würde gern mehr Zeit mit meinem Glauben an Gott verbringen und ganz nebenbei auch noch eine Heldin im Job und als Ehefrau sein. Was glauben wir, was glaub ich eigentlich, wie das alles gehen soll?!
Ich hab heut noch keine Lösung gefunden. Wenn ihr sie wisst und teilen wollt: immer her damit!
Zurück zu den tatsächlichen Happenings des Tages: ich habe Pilger getroffen, mit einem Franzosen 3 Sätze gewechselt! Bin ganz begeistert. Ich bin hier nicht allein unterwegs. Ich hab heut auch endlich den Strand gesehen und saß in Ruhe auf einer Parkbank und ließ mir den Wind um die Ohren pusten.

Übernachten werde ich wieder in einem kleinen Hotel. Dies ist ja auch ein Urlaub, mein Urlaub, und ich möchte fit und ausgeschlafen zurückkommen und das geht nur mit Ruhe und einem guten Bett. Dieses Upgrade sprengt zwar mein anfangs vorgenommenes Budget, hat aber eben auch die entsprechende Aufenthalts-Qualität. Ich treffe jetzt leider abends auch keine Pilger, aber dann ist das nun so.
Meine Füsse sind ziemlich gut drauf, Schmerzen habe ich tatsächlich nur im Rücken. Um meinem Ruf alle Ehre zu machen, ist hier wieder ein Fussballspruch notwendig: ich laufe den Schmerz einfach raus.
By the way: ich hab gestern mit 20 anderen Herren im Hotel El Classico geschaut, zumindest die erste Halbzeit. Ich hatte allerdings nur Madrid Fans um mich herum und habe mich entsprechend nicht als Barca Fan geoutet. Immerhin bin ich die richtige CR7…😊
Nun noch ein letztes:
Das Thema richtet sich an die Jungs. Hier ganz bewusst Jungs, denn eigentlich seid ihr alle pubertäre Jungs, auch wenn eigentlich schon viel zu alt😉

Warum um alles in der Welt müssen überall überdimensionale Geschlechtsteile gezeichnet werden?? Warum findet ihr das so witzig und amüsant?! Ich hör Euch alle lachen und auf die Schenkel klopfen und dumme Sprüche machen… aber das ist und bleibt ein unerklärliches Männerphänomen. Wenn irgendwo Brüste gezeichnet sind, ob als Grafiti oder in der großen Kunst, seid ja meist auch Ihr für zuständig.
So viel nun dazu. Ich seh jetzt mal zu, dass ich mich wieder wohl riechend kriege und bereite mich seelisch auf den morgigen, anstrengenden Tag vor.
Hier noch der Spruch von meinem Abrisskalender:
Vertrauen gewinnst du nicht durch Zettelchen mit positiven Sprüchen an deiner Kühlschranktür; Vertrauen reift auf der Straße, im Feuer der direkten Begegnung. Deine Knie zittern? Deine Hände schwitzen? Dein Kopf zweifelt? Na und? Tu es trotzdem.
Liebe Grüsse,
Eure Lotte