von Regeln zu Luftschlössern

Der Rucksack liegt parat, die Sportklamotten und die Wanderstiefel sind ebenfalls abfahrbereit. Es ist echt nicht mehr lang hin, deswegen fang ich langsam an, mir Gedanken zu machen, wie alles werden kann. Möchte ich mir Regeln setzen? Ist das notwendig? Soll ich nicht lieber das machen, wonach mir ist??

Nehme ich mein Jobhandy mit, um mal zwischendurch die Mails zu checken?? Stresst das? Befreit das dann überhaupt den Kopf?

Erlaube ich mir, auf dem Weg auch mal Musik zu hören? Musik hat ja etwas ganz emotionales an sich. Jeder hat Songs, mit dem er etwas verbindet. Ist das gut oder eher verwirrend?

Telefoniere ich mit Zuhause? Mal abgesehen von meinem Ehemann, natürlich.

Nehme ich mir etwas vor? Zum Beispiel jeden Tag zu meditieren? Ich übe das gerade mit einer neuen App.

Ich habe mir Blinkist gespeichert und das Premium Abo gegönnt. Nutze ich den Tag und lese jeden Tag ein Buch? Ich könnt hier von meinen Erfahrungen zu dieser App schreiben.

Soll ich ein Notizheft und Bleistift mitnehmen und mir Zeit nehmen, um mal wieder zu zeichnen? Immerhin hab ich hier noch echt Aufhol- und Übungsbedarf.

OH MAN… TYPISCH LOTTE.

Ich möchte so viel machen. Ich weiß nicht, ob ich dann vielleicht die Ruhe und das Runterkommen aus den Augen verliere, wenn ich meine Tage jetzt schon wieder durchtakte. – Was heißt hier eigentlich „aus den Augen verlieren“?? Ich weiß doch nicht mal, wie Ruhe und Runterkommen funktioniert.

Ich kenne es nicht anders. In den intensivsten Zeiten meiner Jugend hatte ich 2 bis 3 mal die Woche Ballett, eine Stunde Flötenunterricht, eine Stunde Klavierunterricht, 2mal die Woche Posaune und GANZ nebenbei noch 2-3 Pferde zu reiten. Ach… und Schule… naja. Ich war jedenfalls körperlich anwesend.

In der Ausbildung waren es NUR noch zwei Pferde, der Trainingsweg zur EURO und nebenbei kam leider viel Krankheit dazu. Im Studium waren es immer noch 1-2 Pferde, weniger Leistungsanspruch an die Reiterei, dafür mit cooleren und zeitintensiveren Turnier-Trips quer durch Europa. Hinzu kam noch viel mehr Anspruch an mich und meine Studienleistung.

Die Lebenseinstellung und Gabe, die manche haben, in den Tag hineinzuleben, sich treiben zu lassen, ist mir leider fern. Ich versuche es immer wieder mal, merke auch, dass ich mich mal treiben lassen kann. Es bedarf aber einem Bewusstsein, einer bewussten Entscheidung, mich an einem Sonntag treiben zu lassen, nicht zu wissen, was der Tag so bringt. Ein Tag im Bett zum Serien schauen?! Ohne schlechtes Gewissen, die Zeit nicht effektiv genutzt zu haben?! To Dos auf die lange Bank geschoben… MORGEN?! Ist so in diesem Umfang noch nie passiert. Entweder ich hatte danach ein schlechtes Gewissen oder hab vorher abgebrochen, um doch mind. eine Aufgabe abzuarbeiten oder war krank und gezwungen, im Bett zu bleiben und konnte es entsprechend nicht genießen.

„Heute gehen wir gar nicht raus. Wir bleiben im Pyjama zuhaus. Nur wir zwei, wie im Traum und Columbo schauen!“ (Lyrics von Wanda, Song: Columbo)

Ein Luftschloss. Ich finds ja schön und doch ist es so fern…

Fazit: größtes Ziel eines jeden Tages auf dem Jakobsweg: einen Schritt vor den anderen zu setzen und ansonsten keine Ziele, keine Pläne, keine To Dos. Ich werde mich treiben lassen und das machen, was mir in den Kopf kommt, worauf ich Lust habe. Kein Ziel, keine Vorgaben. Nix. Eine bewusste Entscheidung zum Nichts tun – mal abgesehen von ca. 20 km pro Tag mit einem ca. 8 kg schweren Rucksack. Das soll einfach mal genügen.

 

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