Ich fasse es immer noch kaum. Es geht echt los. Das nenn ich mal eine spontane Planung.
Ich hab mich gefragt, warum ich da eigentlich so Lust drauf habe.
Wenn ich mal ganz ehrlich mit mir bin: Vor dem ersten Jakobsweg Trip ’16 habe ich alles in mir vereint, dass sich gegen einen solchen Trip sträubt: Ich fand Wandern grausig, Rucksack Trips waren nichts für mich, tagelang in den selben Klamotten halt ich schon länger aus als andere, aber auch ich habe Grenzen, ich schlafe nicht sonderlich gern in Großraum Schlafräumen und finde Großraumduschen eher abschreckend.
By the way… ich muss mal was loswerden: Wieso wird in Teenie Filmen immer dargestellt, dass pubertäre Jungs sich über einen Blick in eine Frauen Sammeldusche freuen?? Mal ganz im Ernst! Es gibt aus meiner Sicht vermutlich nichts „Ent-Erotisierenderes“ als Sammelduschen. Dank meiner Begeisterung fürs Schwimmen hab ich ja leider häufiger das Vergnügen, als ich mir wünschen würde. Ich muss hier wohl mal mit dem Klischee aufräumen – für alle Männer und pubertierende Jungs: Frauen-Sammelduschen sind nicht sexy. Alles andere als das. Man sieht definitiv viel zu viele Dinge, die man nie sehen wollte – glaubt mir… NIE!!
Ich komme also zurück zu meinen nicht vorhandenen Eigenschaften für einen solchen Trip. Ich habe mich über all meine Vorurteile und Gefühle hinweggesetzt und meinem Wunsch nach dieser Erfahrung den nötigen Raum gelassen. Ich wollte diese Begeisterung für diesen Weg, den so viele schildern, auch erfahren wollen. Ich wollte mitreden können, den Zauber spüren. Nun war ich da und kann nur sagen: Auch mich hat das Virus gepackt. Die Tatsache, zur Ruhe zu kommen, einfach nur zu laufen, allein zu sein und sich zu keinem Zeitpunkt allein zu fühlen, ist unfassbar spannend. Es gibt ein unfassbares Gefühl von Teamgeist. Man teilt miteinander, man unterstützt sich, es gibt keinen Wettkampf, ein besonderes Miteinander. Tatsächlich hat mich aber auch der Weg durch die Natur gefesselt. Man hat auf einmal so viel Zeit, sich alles anzuschauen, Zeit, sich besondere Lichteinfälle, schöne Natur ganz genau ins Gedächtnis zu speichern und davon zu zehren. Die mediterranen Länder wie Spanien und Italien laden mich seitdem auf eine besonders geheimnisvolle Art immer wieder ein, loswandern zu wollen.
Diese Erfahrung im Zwischenmenschlichen und diese Ruhe zum Kopf abschalten sind die treibenden Kräfte für einen solchen Trip. Dieses besondere Gefühl habe ich nie vergessen. Es hat vermutlich mehr in mir verändert, als ich es bis heute wahrnehmen kann. Entsprechend kann ich es kaum erwarten, dort wieder hinzukommen.
Schnell noch ein letztes Resümee zu meinen Veränderungen meiner nicht vorhandenen Eigenschaften: Das Wandern hat mich seitdem gepackt, ich komme leider nur viel zu selten dazu. Das Thema mit der Rucksack-Reise ist gar kein Problem – ich könnte mir mittlerweile sogar Back-Pack Touren vorstellen. Der Abenteuergeist wurde auf jeden Fall geweckt. Das Thema *selbe Klamotten über viele, viele Tage* wird weiterhin eine Schwierigkeit sein. Ich habe nicht ohne Grund einen riesig vollen Schrank. Großraumduschen und Großraum-Schlafsäle?! Naja… mal sehen.