Tag 5 – kleines Päuschen

Heut Nacht hatte ich Karten für die erste Reihe des krassesten Schnarchkonzerts meines Lebens – und ich weiß, wovon ich rede! Wir waren 7 Frauen und ein Mann und vier der Frauen haben alles gegeben, um unsere Betten zum Vibrieren zu bringen. Ich war nur froh über meine Ohrstöpsel, die dieses Fest etwas reduziert haben. 

Heut morgen haben diese wundervollen rothaarigen Spanierinnen fröhlich weitergequatscht, mit ihren tiefen rauchigen Stimmen. In normaler Lautstärke selbstverständlich… Um 6:15. Ohne Rücksicht. Drei wollten zwar noch schlafen – egal. 

Naja. Es sollte für kurze Zeit meine letzte Nacht in einem Großraumzimmer sein. Ich blicke nämlich einem schönen Tag in Logrono entgegen, wo ich doch glatt ein Einzelzimmer mit eigenem Bad habe. Bis dahin sind es zwar noch 11 km, aber das ist ja eher ein leichter Gang. 

Die Muskelkater-Schmerzen sind so weit eigentlich weg. Blasen gibts auch keine. Allerdings macht mir mein linker Oberschenkelansatz zunehmend zu schaffen. Eigentlich ist morgens alles gut und zum Abend kann ich das Bein nicht mehr schmerzfrei nach vorne bewegen, aber mittlerweile habe ich das auch schon morgens. Sobald ich anfange, Ausweichbewegungen zu machen und zu humpeln, werden durch die Fehlbelastungen noch ganz andere Problemstellen auftauchen. Ich hoffe, dass mir das nicht die Reise verdirbt. 

Meine 11 km war ich heut fast völlig allein. Ich finde das anfangs immer ganz schön. Kein Stress, andere einholen und überholen zu müssen, ein eigenes Tempo finden… In einer Art Gruppe zu laufen, wo man aufschliessen und quatschen kann, um anschliessend wieder allein weiterzugehen, gefällt mir aber besser. Da ist das Gemeinschaftsgefühl so viel schöner und es macht unheimlich viel Freude, andere Lebensgeschichten zu erfahren, gemeinsame Pausen zu machen und miteiander die Snacks zu teilen.  Damit ich das aber erleben kann, muss ich wohl oder übel früher aufstehen und loslaufen. 


Der Weg selbst war nicht so besonders, da der Weg durch den industriellen Ortsrand von Viana in den industriellen Ortsrand von Logrono überging. Das Wetter hat mir heut aber besonders gut gefallen. Es war etwas irisch. Der Regen war in der Ferne zu sehen, es war frisch, leichte Brise – herrliches Wanderwetter. 

Toll ist, dass man sich eigentlich nicht verlaufen kann. Überall sind Schilder oder Pfeile, die einem den Weg erleichtern. Alle GPS Geräte und Karten sind wirklich nicht nötig. 


Die Altstadt von Logrono ist ausgesprochen schön. Hier befinde ich mich nun auch in der Provinz RIOJA, das vermutlich wichtigste Weingebiet Spaniens. Ich kann auch sagen, die roten Weintrauben überall schmecken super.

Ein besonderes Highlight des Tages war der jonglierende Jogger. Was das soll?? Keine Ahnung.

Leider war er noch zu weit weg, um seine Künste gut vor die Kamera zu bekommen. Vielleicht könnt ihr Auf dem Bild trotzdem die orangenen Kegeln sehen. 

Hier habe ich auch die Heldin des Jakobsweg gesehen. Sie trägt sogar ihr Gepäck, trotz ihres fehlenden Beins. Dann schaff ich das ja wohl auch. 


In der Stadt gibt es eine Art Kneipenstrasse, die Calle Laurel. Dort ist mächtig was los. Ich habe riesige Lust, mich heut Abend ins Getummel zu schmeissen, doch dann kommt da immer dieser Haken. Ich habe seit 3 Tagen die selbe lange Sporthose an und das ist bei den Temperaturen auch das Einzige, dass ich tragen kann. Ich wünschte, ich könnte mir mal wieder eine ordentliche Jeans anziehen und eine schöne Bluse und schicke Schuhe. Ich muss eben lernen, auf Äußerlichkeiten nicht so viel Wert zu legen; mit der Befürchtung, dass meine Familie laut aufschreit, dass das doch kaum noch weniger geht. 

Ganz vergessen: 

Kleine Beobachtung aus einem Restaurant vor zwei Tagen: man beachte bitte die deutsche Beschreibung des Spargelgerichts. 

Liebe Grüsse,

Eure Lotte

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