Ich musste wieder am eigenen Leib erfahren, was ein gutes Abendessen und ausreichend Schlaf ausmachen. Heut morgen, als ich gegen 8 Uhr die Herberge als LETZTE verließ, war ich fit, motiviert und fröhlich. Die halbe Stunde extra Lauf in die Stadt und zurück, um einen Geldautomaten zu finden, haben dies nicht gemindert.
Einen kurzen frustrierenden Moment gab es, als ich bei Google meinen Weg durch die Stadt Estella gecheckt habe: 20 min mit dem Auto nach Los Arcos, meinem heutigen Ziel. Und ich brauche dafür bis ca 15 Uhr?! Na toll.
Natürlich musste es nach 10 min direkt erstmal einen Berg hinaufgehen, aber damit habe ich mich bereits abgefunden. Ebenso wie mit den Schmerzen. Es tat heut alles nicht soo sehr weh, aber die Schmerzen waren doch konstant vorhanden. Der rechte Ballen, die linke Hüfte, die Schultern… Naja… Irgendwie alles. Egal, es war nicht so schlimm.
Das grossartige Wetter und die unglaubliche Natur haben heut so viel zu dem tollen Tag beigetragen.
Ich kam nach ca 2 km an der berühmten Weinquelle vorbei. Da kommt der Wein aus dem Wasserhahn. Nicht zuuu spannend für mich, aber alle anderen geniessen es.
Ich war ziemlich flott unterwegs, die ersten 8 km nach etwa 2 Stunden geschafft. Es ist eben doch auch praktisch, lange Beine zu haben. Eine kleine Frau aus Seattle hatte eine unglaublich hohe Frequenz. Während ich einen Schritt machte, machte sie zwei und dennoch kam ich weiter.
Irgendwann traf ich John wieder. Ein Australier, ca 70 Jahre alt mit einer Katze namens Alfred, die zuhause auf ihn wartet. Gestern war er in der selben Herberge und hat mir Bilder von seinen Reisen und Alfred gezeigt, kein Einziges von seiner Frau. Er ist heut morgen um 7:30 Uhr losgelaufen, 90 min vor mir. Auf etwa der Hälfte hatte ich ihn eingeholt.
Ich kann grundsätzlich sagen, dass es überhaupt kein Problem ist, allein zu laufen, weder als Frau noch als Mann. Viele laufen hier allein. Man kann sich Gruppen oder Menschen anschliessen, einen Schnack halten und anschliessend weiterlaufen. Es ist so unglaublich schön, auch mal allein zu laufen. Ich habe es heut sehr genossen.
Ich muss leider sagen, dass ich mir so Multifunktions-Super-Shirts hätte kaufen sollen. Baumwolle ist gerade bei Übergangswetter nicht ideal. Ich schwitze bergauf und friere dann wenn Wind kommt.
Nun sitze ich mit Eric, einem Amerikaner aus Atlanta und vier Australiern zusammen, die ihr Franziskaner Weissbier geniessen.
Buenas tardes.
Ps: Bilder kommen heut oder morgen, sofern das Internet es hergibt.