Nach vier Stunden Zugfahrt kam ich endlich in Pamplona an.
Zugfahren in Spanien ist so ähnlich wie Fliegen. Es gibt einen Film, jeder im Zug hat seinen Platz, mehr Mitfahrer gibt es nicht. Angenehmes Reisen.
In Pamplona konnte ich schnell meine Herberge finden und damit die vermutlich netteste Rezeptionistin der Welt. Maria hat mich mit ihrer Begeisterung für Pamplona und El Camino sofort angesteckt und mir Tipps für die Reise mitgegeben.
Nach einem kurzen Stop im Zimmer bin ich los in die Stadt. Maria hatte recht: Vor allem die Altstadt von Pamplona ist wirklich sehenswert. Die Tradition rund um die Stiere ist allgegenwärtig. Viele Gebäude im spanischen Baustil, viele kleine Restaurants, schmale Gassen. Wirklich schön.


Etwas essen und dann ab ins Bett.
Mich hat dann noch eine Weile das Thema Stierrennen und Stierkampf beschäftigt. Gerade in Pamplona werden die Stierkämpfe mit tödlichem Ende für Stiere und verletzte oder sogar tote Toreros noch als Tradition erhalten. Ich wünschte, dies hätte bald ein Ende. Nicht jede Tradition ist erstrebenswert. Tiere werden gequält, gehetzt, in Todesangst versetzt. Menschen werden verletzt oder getötet. An all dem kann ich nichts Gutes erkennen.
MONTAG
Um 8:15 ging es los. Meine ersten Schritte auf dem Camino. Es war herrlich. Das Wetter war mild, die Motivation groß.
Nach etwa 45 min hatte ich die ersten 4 km hinter mir und es lief gut. Doch dann kam ich um die Ecke und sah ihn – meinen Feind des Tages. Ein Berg. Die Passhöhe nennt sich Puerto del Perdon, 734m hoch.
Da wollen wir doch nicht hoch… Der Jakobsweg führt sicher nicht da hoch… Nicht da hoch… Schitte-Fucki… Wirklich da hoch??
JA!! WIRKLICH DA HOCH.

Es war eine Quälerei, aber alle Mühen wert. Der Blick und der schöne Wind und dieses bomben Gefühl, oben angekommen zu sein und ins Tal schauen zu können, haben all die Anstrengungen entschuldigt. Das Hochgefühl war wirklich toll. Voller Energie und Euphorie ging es dann aber auch ruckzuck wieder bergab.


Die anderen Pilger sind super nett. Ich habe schon Alexandra, Cindy, Sam und Michele kennengelernt. Alle haben eine Geschichte zu erzählen. Wir alle haben etwas gemeinsam.
Nationen, Religionen, politische Einstellungen, Sprachen… Alles egal. Alle haben ja ein Ziel.
Ich bin nun in Punta del la Reina angekommen. Ich hätte aber auch gut schon zwei Kilometer vorher aufhören können. Das Ende schmerzte ordentlich.
Die Unterkunft bietet für 12€ ein Bett in einem Gemeinschaftsraum mit 29 anderen Pilgern. Die Dusche waren ein Genuss, der anschliessende Weg zum Supermarkt aber doch ordentlich schmerzhaft. Die Bereiche Hüfte und Schultern, die durch den Rucksack belastet sind, tun am meisten weh.
Jetzt hoffe ich auf einigermaßen Ruhe und dann wird es sicher morgen zeitig losgehen.
Mit besten Grüssen vom Camino.
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